Wirksamkeit von GnRH-Analoga zur Fruchtbarkeitserhaltung während Chemotherapie mit Epirubicin und Ifosfamid
Die Wirksamkeit von GnRH-Analoga zur Fruchtbarkeitserhaltung während einer Chemotherapie mit Epirubicin und Ifosfamid ist umstritten und kann nicht als zuverlässige Methode zur Erhaltung der Fertilität empfohlen werden.
Aktueller Wissensstand zu GnRH-Analoga
- Die Verwendung von GnRH-Agonisten oder -Antagonisten während der Chemotherapie ist als Methode zur Erhaltung der Fruchtbarkeit hochumstritten 1
- Kleine Studien zeigen widersprüchliche Ergebnisse: Einige berichten über einen Nutzen bei der Erhaltung der Menstruationsfunktion, während andere keinen Vorteil zeigen 1
- Die American Society of Clinical Oncology (ASCO) stellte 2013 fest, dass GnRH-Analoga keine effektive Methode zur Fruchtbarkeitserhaltung darstellen 1
- Retrospektive Studien wurden wegen längerer Nachbeobachtungszeit und höherer Inzidenz/Dosierung von alkylierenden Mitteln in Kontrollgruppen kritisiert 1
Kontroverse in den Leitlinien
Verschiedene Fachgesellschaften haben unterschiedliche Standpunkte:
- NCCN AYA Oncology (2017): Unzureichende Evidenz, dass GnRH-Analoga die Ovarialfunktion schützen; nicht als Option zur Fruchtbarkeitserhaltung empfohlen 1
- ESMO (2013): GnRH-Analoga sollten nicht als zuverlässiges Mittel zur Fruchtbarkeitserhaltung betrachtet werden 1
- BCY2 (2016): Die Strategie kann mit Patientinnen besprochen werden, die an der Erhaltung der Fruchtbarkeit interessiert sind 1
- AIOM (2016): Temporäre ovarielle Suppression mit LHRHa sollte allen prämenopausalen Patientinnen mit Brustkrebs empfohlen werden 1
Theoretische Wirkmechanismen von GnRH-Analoga
- Simulation eines präpubertären hypogonadotropen Milieus, wodurch weniger Primordialfollikel in das anfälligere Differenzierungsstadium eintreten 2, 3
- Direkter Effekt auf GnRH-Rezeptoren im Ovar 2, 3
- Verringerung der ovariellen Durchblutung und damit geringere Exposition gegenüber Chemotherapeutika 2, 3
- Hochregulierung antiapoptotischer Moleküle wie Sphingosin-1-Phosphat 2, 3
- Schutz möglicher germinativer Stammzellen 3
Studienergebnisse zur Wirksamkeit
- Eine Metaanalyse von 20 Studien (15 retrospektiv, 5 randomisiert) mit 1837 Patientinnen zeigte eine signifikante Abnahme der Rate vorzeitiger Ovarialinsuffizienz bei mit GnRH-a behandelten Patientinnen (91% erhielten zyklische Ovarialfunktion vs. 41% in Kontrollgruppen) 4
- Schwangerschaftsraten von 19-71% wurden bei behandelten Patientinnen berichtet 4
- Neun Studien mit 593 Patientinnen unterstützten die Verwendung von GnRH-a nicht 4
- In einer Studie mit Patientinnen mit Lupus nephritis erhielten alle acht Frauen, die GnRH-a parallel zur Chemotherapie erhielten, ihre Ovarialfunktion, während >50% der Kontrollgruppe eine vorzeitige Ovarialinsuffizienz entwickelten 5
Einschränkungen und Bedenken
- Vollständige ovarielle Suppression wird erst mehrere Wochen nach Beginn der Behandlung erreicht 1
- Nebenwirkungen wie Hitzewallungen und Knochenverlust können auftreten 1
- Die meisten Studien verwenden die Wiederaufnahme der Menstruation als Endpunkt, nicht die tatsächliche Fruchtbarkeit 1
- Bei hormonempfindlichen Tumoren bestehen Bedenken hinsichtlich möglicher Risiken 1
Empfehlungen für die klinische Praxis
- GnRH-Analoga sollten nicht als alleinige Methode zur Fruchtbarkeitserhaltung bei Patientinnen, die eine Chemotherapie mit Epirubicin und Ifosfamid erhalten, eingesetzt werden 1
- Etablierte Methoden zur Fruchtbarkeitserhaltung wie Embryonen- oder Eizellkryokonservierung sollten bevorzugt werden 1
- In Notfallsituationen oder wenn bewährte Optionen nicht verfügbar sind, können GnRH-Analoga als unerprobte Option in Betracht gezogen werden, vorzugsweise im Rahmen einer klinischen Studie 1
- Patientinnen sollten über die kontroverse Datenlage aufgeklärt und ermutigt werden, an klinischen Studien teilzunehmen 1
Fazit für die Beratung
- Die Wahrscheinlichkeit der Fruchtbarkeitserhaltung durch GnRH-Analoga während einer Chemotherapie mit Epirubicin und Ifosfamid ist ungewiss und wissenschaftlich nicht ausreichend belegt 1
- Eine Kombination verschiedener Methoden zur Fruchtbarkeitserhaltung sollte in Betracht gezogen werden, um die Chancen zu maximieren 4, 2
- Die Entscheidung sollte unter Berücksichtigung des Alters der Patientin, der spezifischen Krebsart und der verfügbaren Alternativen getroffen werden 1