Therapieempfehlungen für akute Gastroenteritis
Die orale Rehydratationstherapie (ORT) ist die erste Wahl bei leichter bis mittelschwerer Dehydratation durch akute Gastroenteritis, während bei schwerer Dehydratation, Schock oder verändertem Bewusstseinszustand intravenöse Flüssigkeiten erforderlich sind. 1, 2
Beurteilung des Hydratationsstatus
- Bewerte den Hydratationsstatus durch körperliche Untersuchung mit Fokus auf Hautturgor, Schleimhautfeuchtigkeit, eingesunkene Augen, Bewusstseinszustand, Tachykardie und verminderte Urinproduktion 2
- Kategorisiere die Dehydratation als:
- Leicht (3-5% Flüssigkeitsverlust): erhöhter Durst, leicht trockene Schleimhäute 1, 2
- Mittel (6-9% Flüssigkeitsverlust): verminderter Hautturgor, Hautfaltenbildung, trockene Schleimhäute 1, 2
- Schwer (≥10% Flüssigkeitsverlust): schwere Lethargie, veränderter Bewusstseinszustand, verlängerte Hautfaltenrückbildung (>2 Sekunden), kühle und schlecht durchblutete Extremitäten, verminderter kapillarer Rückfluss 1, 2
Rehydratationstherapie
Leichte bis mittlere Dehydratation:
- Verwende orale Rehydratationslösung (ORL) als erste Therapielinie 1, 2
- Dosierung:
- Bei Kindern, die ORL verweigern, kann die nasogastrale Verabreichung erwogen werden 1, 2
- Verwende kommerziell erhältliche niedrig-osmolare ORL (z.B. Pedialyte, CeraLyte) und vermeide Apfelsaft, Sportgetränke und Softdrinks 2, 3
Schwere Dehydratation:
- Verabreiche isotonische intravenöse Flüssigkeiten (Ringer-Laktat oder Kochsalzlösung) 1, 2
- Dosierung: 20 ml/kg über 30 Minuten 2
- Setze die IV-Rehydratation fort, bis Puls, Durchblutung und Bewusstseinszustand normalisiert sind 1, 2
- Nach Stabilisierung kann der verbleibende Flüssigkeitsbedarf durch ORL ersetzt werden 1
Erhaltungstherapie und laufende Verluste
- Ersetze laufende Verluste mit ORL bis Durchfall und Erbrechen abklingen 1, 2
- Dosierung für Kinder:
- Für Jugendliche und Erwachsene: Ad-libitum-Aufnahme bis zu ~2 L/Tag 2
Ernährungsmanagement
- Stillen sollte bei Säuglingen während der gesamten Durchfallepisode fortgesetzt werden 1, 2
- Altersgerechte Ernährung sollte während oder unmittelbar nach der Rehydratation wieder aufgenommen werden 1, 2
- Fasten oder Nahrungsentzug für 24 Stunden verbessert die Ergebnisse nicht und sollte vermieden werden 2
Pharmakologische Behandlung
- Antiemetika (z.B. Ondansetron) können bei Kindern >4 Jahre und Jugendlichen mit signifikantem Erbrechen erwogen werden, um die orale Rehydratation zu erleichtern 1, 2, 4
- Antimotilitätsmittel (z.B. Loperamid) sollten bei Kindern <18 Jahren mit akutem Durchfall nicht angewendet werden 1
- Loperamid kann bei immunkompetenten Erwachsenen mit akutem wässrigem Durchfall angewendet werden (4 mg initial, gefolgt von 2 mg nach jedem flüssigen Stuhl) 1, 2
- Antimotilitätsmittel sollten bei entzündlichem Durchfall, Durchfall mit Fieber oder Verdacht auf toxisches Megakolon vermieden werden 1, 2
- Probiotika können erwogen werden, um die Symptomschwere und -dauer bei immunkompetenten Erwachsenen und Kindern mit infektiösem oder antibiotika-assoziiertem Durchfall zu reduzieren 1
Präventionsmaßnahmen
- Praktiziere gründliche Händehygiene nach Toilettenbenutzung, Windelwechsel, vor/nach Essenszubereitung und nach Tierkontakt 1, 2
- Verwende Infektionskontrollmaßnahmen wie Handschuhe, Kittel und Händehygiene mit Seife und Wasser oder alkoholbasierten Desinfektionsmitteln bei der Pflege von Patienten mit Durchfall 1, 2
Wichtige Hinweise
- Laboruntersuchungen sind bei akuter Gastroenteritis selten erforderlich, außer bei Verdacht auf abnormale Elektrolytkonzentrationen 1
- Stuhlkulturen sind nur bei Dysenterie (blutigem Durchfall) indiziert 1
- Die Erfolgsrate der oralen Rehydratationstherapie ist hoch, bei etwa 1 von 25 behandelten Kindern ist jedoch ein Wechsel zur intravenösen Therapie erforderlich 5
- Die durchschnittliche Krankenhausaufenthaltsdauer ist bei ORT kürzer als bei intravenöser Therapie 5