Dosierung von PPSB zur Anhebung des PTZ über 70% bei Koagulopathie
Bei einer Patientin mit PTZ 48% und PTT 54 Sekunden empfehle ich die Gabe von 25 IE/kg Körpergewicht PPSB (Prothrombinkomplexkonzentrat) zur Anhebung des PTZ über 70%. 1
Beurteilung der Koagulopathie
- Die Patientin weist mit einem PTZ von 48% (entspricht etwa einem INR von 1,5-1,8) und einer verlängerten PTT von 54 Sekunden eine relevante Koagulopathie auf 1
- Diese Laborwerte deuten auf einen Mangel an Gerinnungsfaktoren des extrinsischen und intrinsischen Gerinnungssystems hin, was die Verwendung von Prothrombinkomplexkonzentrat (PPSB) rechtfertigt 1
Dosierungsempfehlung für PPSB
- Bei einem PTZ von 48% (entsprechend einem INR zwischen 1,5-2,0) wird eine PPSB-Dosis von 25 IE/kg Körpergewicht empfohlen 1
- Diese Dosierung basiert auf der Tabelle für PPSB-Dosierung nach INR-Werten:
- INR 2-3,9: 25 IE/kg
- INR 4-5,9: 35 IE/kg
- INR >6: 50 IE/kg 1
Vorteile von PPSB gegenüber FFP
- PPSB wirkt schneller und effektiver als FFP zur Korrektur von Gerinnungsstörungen 2, 3
- In vergleichenden Studien erreichten 76% der Patienten mit PPSB den Ziel-INR, während nur 20% der Patienten mit FFP diesen erreichten 3
- PPSB benötigt deutlich weniger zusätzliche Dosen im Vergleich zu FFP (20% vs. 68% der Patienten benötigten Nachdosierung) 3
- PPSB führt zu einer schnelleren Normalisierung der Gerinnungsfaktoren II und X im Vergleich zu FFP 2
Praktische Durchführung
- Nach Gabe von PPSB sollte eine Kontrolle des PTZ nach 15-60 Minuten erfolgen 4
- Bei unzureichendem Ansprechen (PTZ weiterhin <70%) kann eine weitere Dosis PPSB erwogen werden 1, 4
- Serielle Kontrollen des PTZ alle 6-8 Stunden für die nächsten 24-48 Stunden sind empfehlenswert 4
Alternative Optionen bei Nichtverfügbarkeit von PPSB
- Falls PPSB nicht verfügbar ist, kann FFP in einer Dosierung von 10-15 ml/kg Körpergewicht verabreicht werden 1, 4
- FFP enthält jedoch nur etwa 70% der normalen Konzentration aller Gerinnungsfaktoren und ist daher weniger effektiv 1
- Bei Verwendung von FFP sollte eine Dosis angestrebt werden, die mindestens 30% der Plasmakonzentration an Gerinnungsfaktoren erreicht (üblicherweise 10-15 ml/kg FFP) 1
Zu beachtende Risiken
- PPSB birgt ein potenzielles thromboembolisches Risiko, das gegen den Nutzen einer schnellen und effektiven Korrektur der Koagulopathie abgewogen werden muss 1
- Nach Kontrolle der Blutung sollte so früh wie möglich eine Thromboseprophylaxe eingeleitet werden 1
- Bei Patienten mit bekannten thromboembolischen Risikofaktoren sollte die Indikation besonders sorgfältig gestellt werden 1
Monitoring nach Therapie
- Nach PPSB-Gabe sollten regelmäßige klinische Kontrollen und Gerinnungsparameter bestimmt werden, da die Koagulopathie bei massiver Blutung schnell fortschreiten kann 1
- Bei anhaltender Blutung trotz PPSB-Gabe sollten weitere Gerinnungsparameter wie Fibrinogen überprüft werden 1
- Bei einem Fibrinogenspiegel <1,5 g/l sollte zusätzlich Fibrinogenkonzentrat oder Kryopräzipitat erwogen werden 1