Kritische Dosis für die Entwicklung einer Kardiomyopathie bei Epirubicin und Ifosfamid
Bei Epirubicin liegt die kritische kumulative Dosis für die Entwicklung einer Kardiomyopathie bei 900 mg/m², wobei das Risiko ab dieser Dosis exponentiell ansteigt. Für Ifosfamid gibt es keine spezifische kritische Dosis für Kardiomyopathie in den verfügbaren Leitlinien.
Epirubicin und Kardiomyopathie
Risiko nach kumulativer Dosis
- Die Wahrscheinlichkeit einer klinisch manifesten Herzinsuffizienz beträgt etwa 0,9% bei einer kumulativen Dosis von 550 mg/m², 1,6% bei 700 mg/m² und 3% bei 900 mg/m² 1
- Das Risiko einer Kardiomyopathie steigt exponentiell an, wenn die kumulative Dosis von 900 mg/m² überschritten wird 1, 2
- In einer großen retrospektiven Studie mit 469 Patienten mit metastasiertem Brustkrebs betrug das kumulative Risiko einer Herzinsuffizienz 4% bei 900 mg/m² und stieg auf 15% bei 1.000 mg/m² 2
- Bei einer Studie mit 105 Patienten mit metastasiertem Brustkrebs wurde das kumulative Risiko einer Herzinsuffizienz auf 7% bei einer kumulativen Dosis von 720 mg/m² und 48,7% bei 1.080 mg/m² geschätzt 3
Früherkennung und Überwachung
- Kardiotoxizität wird definiert als eine Abnahme der linksventrikulären Ejektionsfraktion (LVEF) um ≥5% auf <55% mit Symptomen einer Herzinsuffizienz oder eine asymptomatische Abnahme der LVEF um ≥10% auf <55% während der Krebstherapie 3
- Eine regelmäßige Überwachung der Herzfunktion mittels LVEF-Messung durch Echokardiographie oder Radionuklidangiographie wird empfohlen 1
- Nach kumulativen Doxorubicin-Dosen von 400 mg/m² sollte die kardiale Überwachung häufiger erfolgen, mit Wiederholung nach 500 mg/m² und danach alle 50 mg/m² 3
Ifosfamid und Kardiomyopathie
- In den verfügbaren Leitlinien wird keine spezifische kritische Dosis für die Entwicklung einer Kardiomyopathie bei Ifosfamid genannt 3
- Eine Studie bei Langzeitüberlebenden von Krebserkrankungen im Kindesalter zeigte, dass hochdosiertes Ifosfamid nicht mit einer Reduktion der linksventrikulären Verkürzungsfraktion (LVSF) assoziiert war 4
- Ifosfamid wird hauptsächlich mit Gonadotoxizität in Verbindung gebracht, besonders bei kumulativen Dosen >5 g/m² 5
Risikofaktoren für Anthrazyklin-induzierte Kardiomyopathie
- Höheres Alter (≥65 Jahre) und erhöhter Body-Mass-Index (>27 kg/m²) sind signifikante Risikofaktoren 6
- Vorbestehende kardiovaskuläre Erkrankungen, frühere oder gleichzeitige Bestrahlung des Mediastinums/Perikards und vorherige Therapie mit anderen Anthrazyklinen oder Anthracendionen erhöhen das Risiko 1
- Bestrahlung des Mediastinums und der Brustwirbelsäule erhöht das Risiko einer Herzinsuffizienz (p=0,025) 2
- Jüngeres Alter bei Diagnose ist mit einem erhöhten Risiko für subklinische kardiale Dysfunktion verbunden 4
Management und Prävention
- Die Verwendung von Dexrazoxan kann bei Patienten erwogen werden, die auf eine Anthrazyklin-basierte Chemotherapie bei fortgeschrittenem Brustkrebs ansprechen und bei denen eine fortgesetzte Epirubicin-Therapie klinisch indiziert ist 3
- Die Standardtherapie für linksventrikuläre Dysfunktion, einschließlich ACE-Hemmer, Digoxin und Diuretika, ist wirksam bei der Behandlung der Anthrazyklin-induzierten Kardiomyopathie 7
- Der Beta-Blocker Carvedilol ist oft mit einer signifikanten Verbesserung der Ejektionsfraktion und der Symptome verbunden 7
- Die Überwachung der Herzfunktion sollte auch bei Patienten, die Dexrazoxan erhalten, fortgesetzt werden 3
Langzeitprognose
- Bei Patienten mit Herzinsuffizienz nach Epirubicin-Therapie normalisierten sich bei 78% der Fälle die Herzfunktionen oder wurden gut kontrolliert 6
- Die mediane Überlebenszeit für Patienten mit Herzinsuffizienz nach Epirubicin-Therapie betrug 162 Tage (Bereich: 0 bis +1.957) 2
- Vorherige Bestrahlung direkt gegen das Herz führte zu einem erhöhten Risiko für Tod durch Herzversagen und verringerte die mediane Überlebenszeit auf 125 Tage (Bereich: 0 bis 336) 2
Die Überwachung der Herzfunktion und die frühzeitige Erkennung von Kardiotoxizität sind entscheidend für die Minimierung des Risikos einer irreversiblen Kardiomyopathie bei Patienten, die mit Epirubicin behandelt werden.