Diagnose und Management der Leberzirrhose
Die Diagnose einer Leberzirrhose erfordert eine Kombination aus klinischen Untersuchungen, Laborwerten, bildgebenden Verfahren und in bestimmten Fällen eine Leberbiopsie, die als Goldstandard gilt. 1
Diagnostisches Vorgehen
Anamnese und körperliche Untersuchung
- Erfassung von Risikofaktoren wie Alkoholkonsum, Hepatitis-Infektionen, nichtalkoholische Fettlebererkrankung und andere Lebererkrankungen 2
- Untersuchung auf klinische Zeichen wie Aszites, wobei bei Schwellung des Abdomens eine Perkussion der Flanken und Tests auf Verschieblichkeit der Dämpfung durchgeführt werden sollten 1
- Beachtung von Symptomen wie Muskelkrämpfen (ca. 64% der Patienten), Juckreiz (39%), Schlafstörungen (63%) und sexueller Dysfunktion (53%) 3
Labordiagnostik
- Durchführung von Leberfunktionstests, Blutbild, Gerinnungsparametern (INR) 4
- Bestimmung von Virushepatitis-Serologie, Ferritin und Transferrinsättigung 4
- Berechnung von nicht-invasiven Scores wie APRI (AST-to-Platelet Ratio Index) und FIB-4 (Fibrosis-4) 4
Bildgebende Verfahren
- Ultraschall als initiale Bildgebung zur Beurteilung der Lebermorphologie und zum Nachweis von Aszites (ab 100 ml nachweisbar) 1
- Beurteilung morphologischer Merkmale der Zirrhose wie Leberoberflächen-Nodularität, atrophischer rechter Leberlappen, hypertrophierter Lobus caudatus und laterales Segment des linken Lappens 1
- Transiente Elastographie (FibroScan) zur nicht-invasiven Beurteilung der Lebersteifigkeit, wobei Werte >15 kPa stark auf eine kompensierte fortgeschrittene chronische Lebererkrankung (cACLD) hinweisen 1, 3
Leberbiopsie
- Weiterhin Goldstandard für die definitive Diagnose, jedoch invasiv und mit Komplikationsrisiken verbunden 1, 2
- Indiziert bei unklaren Ergebnissen nicht-invasiver Tests, unbekannter Ätiologie oder wenn das Ergebnis das Management verändern könnte 2
Management der Leberzirrhose
Behandlung der Grunderkrankung
- Vollständige Alkoholabstinenz bei alkoholischer Leberzirrhose, was zu einer dramatischen Verbesserung der reversiblen Komponente führen kann 5
- Antivirale Therapie bei HBV-bedingter Zirrhose zur Verbesserung der Leberfunktion und Reduzierung von Komplikationen 5
Ernährungsmanagement
- Natriumrestriktion (2000 mg/Tag oder 88 mmol/Tag) zur Behandlung von Aszites 5
- Empfohlene Nährstoffzufuhr: Kohlenhydrate 2-3 g/kg/Tag, Protein 1,2-1,5 g/kg/Tag, Kalorienaufnahme 35-40 kcal/kg/Tag 5
Management von Komplikationen
Aszites
- Orale Diuretika als Hauptbehandlung neben Natriumrestriktion 5
- Großvolumige Parazentese mit Albuminersatz bei refraktärem Aszites 5
Ösophagusvarizen
- Endoskopische Überwachung bei Patienten mit cACLD 1
- Prophylaxe mit nicht-selektiven Betablockern (Carvedilol oder Propranolol) zur Reduzierung des Risikos einer Dekompensation oder des Todes 3
Hepatische Enzephalopathie
- Management durch Lebensstil- und Ernährungsmodifikationen sowie bei Bedarf mit Lactulose und Rifaximin 4
- Lactulose reduziert die Mortalität im Vergleich zu Placebo (8,5% vs. 14%) und das Risiko einer erneuten offensichtlichen hepatischen Enzephalopathie (25,5% vs. 46,8%) 3
Überwachung und Nachsorge
- Klinische Beurteilung mit Labortests und Berechnung der Child-Pugh- und MELD-Scores alle 6 Monate 2
- Screening auf hepatozelluläres Karzinom mittels Ultraschall alle sechs Monate 4
- Erwägung von Telemedizin und Fernüberwachungstechnologien zur frühzeitigen Erkennung von Komplikationen 5
Lebertransplantation
- Indiziert für Patienten mit einem MELD-Score von 15 oder höher, Komplikationen der Zirrhose oder hepatozellulärem Karzinom 2
- Potenziell optimale Therapie für kleine, anderweitig resezierbare hepatozelluläre Karzinome bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Zirrhose (Child-Pugh-Klasse B oder C) 5
Häufige Fallstricke und Vorsichtsmaßnahmen
- Nur 10-30% der Patienten mit hepatozellulärem Karzinom sind für eine Operation geeignet 5
- Chirurgische Eingriffe bei Patienten mit Zirrhose können mit erheblicher Morbidität und Mortalität verbunden sein (30-50% bei Child-Pugh-Klasse B oder C, aber nur 5-10% bei Child-Pugh-Klasse A) 5
- Patienten mit einem MELD-Score < 9 haben signifikant niedrigere Mortalitätsraten bei Resektion eines hepatozellulären Karzinoms 5
- Bei der Diagnose einer Enzephalopathie müssen Differentialdiagnosen wie metabolische Enzephalopathien, hydroelektrolytische Störungen und medikamenteninduzierte Zustände ausgeschlossen werden 1