Dosierung von Levothyroxin bei TSH 9,3 mit erniedrigtem FT3 und FT4
Bei einem TSH-Wert von 9,3 und erniedrigten FT3- und FT4-Werten sollte eine Levothyroxin-Therapie mit einer Initialdosis von 1,6 µg/kg/Tag begonnen werden.
Diagnose und Einordnung
- Die Laborkonstellation mit erhöhtem TSH und erniedrigten FT3/FT4-Werten entspricht einer manifesten (overten) Hypothyreose 1, 2
- Im Gegensatz zur subklinischen Hypothyreose (erhöhtes TSH mit normalen Schilddrüsenhormonwerten) ist hier eine sofortige Therapie indiziert 2
- Die Bestätigung der Werte durch eine zweite Messung nach 3-6 Wochen ist empfehlenswert, da 30-60% der abnormalen Schilddrüsenfunktionswerte sich bei erneuter Testung normalisieren können 3, 4
Dosierungsempfehlungen
- Für Erwachsene mit manifester Hypothyreose wird eine Startdosis von 1,6 µg/kg/Tag empfohlen 5
- Bei älteren Patienten oder Patienten mit koronarer Herzkrankheit sollte mit einer niedrigeren Dosis von 25-50 µg/Tag begonnen werden 3, 2
- Bei jüngeren, ansonsten gesunden Patienten kann mit der vollen berechneten Dosis begonnen werden 2
Therapiemonitoring
- Nach Beginn der Therapie oder Dosisänderung sollte der TSH-Wert nach 6-8 Wochen kontrolliert werden 5
- Das Ziel ist ein TSH-Wert im Bereich von 0,5-2,0 mIU/L 2
- Bei stabiler und angemessener Ersatztherapie sollten klinische und biochemische Kontrollen alle 6-12 Monate erfolgen 5
Besondere Situationen
- Bei Schwangeren mit neu diagnostizierter Hypothyreose (TSH ≥10 IU/L) wird ebenfalls eine Startdosis von 1,6 µg/kg/Tag empfohlen 5
- Bei Patienten mit persistierend erhöhtem TSH trotz scheinbar adäquater Levothyroxin-Dosis sollten folgende Faktoren überprüft werden:
Formulierungsoptionen
- Bei Patienten mit Absorptionsproblemen kann die flüssige Levothyroxin-Formulierung wirksamer sein als Tabletten 7
- Die Einnahme sollte 30 Minuten vor dem Frühstück erfolgen, um eine optimale Absorption zu gewährleisten 7
Häufige Fehler und Fallstricke
- Eine Überdosierung ist in der klinischen Praxis häufig und mit einem erhöhten Risiko für Vorhofflimmern und Osteoporose verbunden 2
- Die Therapie sollte nicht zu aggressiv sein, besonders bei älteren Patienten oder solchen mit kardialen Vorerkrankungen 3, 2
- Bei Patienten mit zentraler Hypothyreose (selten) sollte die Therapie anhand der freien T4-Werte überwacht werden, die im oberen Bereich des Normbereichs gehalten werden sollten 5