Verwendung von Atosil bei CVVHD
Atosil (Siliciumdioxid) sollte bei Patienten unter kontinuierlicher venovenöser Hämodialyse (CVVHD) mit Vorsicht angewendet werden, da keine spezifischen Daten zur Sicherheit vorliegen und die Dialysebehandlung die Pharmakokinetik von Medikamenten erheblich verändern kann. 1
Grundlegendes zu CVVHD
- CVVHD ist eine kontinuierliche Nierenersatztherapie, bei der die Diffusion als primärer Mechanismus der Stoffelimination dient, wobei die Dialysatlösung im Gegenstrom zum Blutfluss über eine semipermeable Membran fließt 2
- Im Gegensatz zu CVVH (kontinuierliche venovenöse Hämofiltration), die Konvektion nutzt, verwendet CVVHD Diffusion für die Entfernung von Substanzen 1, 2
- CVVHD wird typischerweise mit Dialysatflussraten von 1-2 L/Stunde durchgeführt, ohne routinemäßige Flüssigkeitsersatzgabe 2
Auswirkungen von CVVHD auf Medikamente
- CVVHD kann erhebliche Veränderungen in der Pharmakokinetik von Medikamenten verursachen, was die Dosierung und Sicherheit beeinflussen kann 1
- Die Art der Nierenersatztechnik und die verwendeten Flussraten haben direkten Einfluss auf die Elimination dialysierbarer Substanzen 1
- Die Elimination von Medikamenten während CVVHD wird stark durch die eingestellte Dialyseflussrate beeinflusst 1
Überwachungsempfehlungen
- Bei Patienten unter CVVHD wird ein therapeutisches Drug Monitoring (TDM) empfohlen, um Unter- oder Überdosierungen zu vermeiden 1
- Die französische Gesellschaft für Pharmakologie und Therapeutik empfiehlt ausdrücklich ein TDM bei kritisch kranken Patienten unter Nierenersatztherapie 1
- Die Überwachung sollte 24 bis 48 Stunden nach Therapiebeginn, nach jeder Dosisänderung und bei signifikanten Veränderungen des klinischen Zustands erfolgen 1
Faktoren, die die Medikamentenelimination beeinflussen
- Die physikochemischen Eigenschaften des Medikaments und seine Interaktionen mit der Filtrationsmembran spielen eine wichtige Rolle 1
- Die Proteinbindung des Medikaments beeinflusst die Eliminationsrate, da nur die freie Fraktion durch Filtrationsmembranen diffundieren kann 1
- Hypoalbuminämie kann die Clearance von Medikamenten während der Nierenersatztherapie erhöhen 1
- Die Restnierfunktion des Patienten kann zur Clearance von Medikamenten beitragen, wird aber beim TDM selten berücksichtigt 1
Praktische Empfehlungen für Atosil bei CVVHD
- Da keine spezifischen Daten zu Atosil (Siliciumdioxid) bei CVVHD vorliegen, sollte eine engmaschige klinische Überwachung erfolgen 1
- Bei Medikamenten ohne spezifische Dosierungsempfehlungen für CVVHD sollte ein personalisiertes TDM in Betracht gezogen werden 1
- Die Dosierung sollte basierend auf dem klinischen Ansprechen und möglichen Nebenwirkungen angepasst werden 1
Zu beachtende Fallstricke
- Die Annahme, dass alle Medikamente gleich von CVVHD beeinflusst werden, ist falsch - jedes Medikament hat ein eigenes Eliminationsprofil 1, 2
- Die Vernachlässigung der Restnierfunktion kann zu Fehleinschätzungen der Gesamtclearance führen 1
- Die Verwendung von Standarddosierungen ohne Berücksichtigung der CVVHD kann zu unzureichenden Wirkspiegeln oder Toxizität führen 1
- Bei intensiveren Dialyseverfahren wie CVVHD können höhere Dosierungen bestimmter Medikamente erforderlich sein, um therapeutische Spiegel aufrechtzuerhalten 1
Aufgrund der komplexen Pharmakokinetik bei CVVHD und des Mangels an spezifischen Daten zu Atosil in diesem Kontext ist eine vorsichtige Anwendung mit engmaschiger klinischer Überwachung und gegebenenfalls Spiegelbestimmungen ratsam.