Konservative Behandlung eines 6mm prävestikalen Steins
Ja, ein 6mm prävesikal liegender Stein kann konservativ behandelt werden, da die europäischen Leitlinien (EAU) eine konservative Behandlung für Harnleitersteine bis zu 6mm empfehlen. 1
Grundlagen für konservative Behandlung
- Die konservative Behandlung von unkomplizierten Harnleitersteinen ist möglich, wobei die EAU-Leitlinien einen Grenzwert von 6mm für die Beobachtung festlegen 1
- Bei der konservativen Behandlung ist eine regelmäßige Nachkontrolle zwingend erforderlich 1
- Die AUA-Leitlinien empfehlen eine maximale Dauer der konservativen Behandlung von 4-6 Wochen ab der ersten klinischen Vorstellung, um irreversible Nierenschäden zu vermeiden 1
Medikamentöse Therapie
- Medikamentöse Expulsionstherapie (MET) mit Alpha-Blockern ist eine Option, besonders für distale Harnleitersteine größer als 5mm 1
- Die größten Vorteile der MET zeigen sich bei Steinen >5mm im (distalen) Harnleiter 1
- Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR; Diclofenac, Ibuprofen, Metamizol) sind die Erstlinienbehandlung für Nierenkoliken 1
- Opioide werden als Analgetika zweiter Wahl empfohlen, wenn NSAR kontraindiziert sind 1
Erfolgsraten und Überwachung
- Bei konservativ behandelten Harnleitersteinen liegt die Rate der spontanen Steinpassage für Steine kleiner als 5mm bei etwa 75%, verglichen mit 62% für Steine größer als 5mm 2
- Je nach Position im Harnleiter liegen die spontanen Passageraten bei 49%, 58% und 68% für proximale, mittlere und distale Drittel 2
- Regelmäßige bildgebende Nachkontrollen sind notwendig, um den Steinabgang zu überwachen und Komplikationen frühzeitig zu erkennen 1
Wann ist eine Intervention notwendig?
Eine Intervention sollte erwogen werden, wenn:
Bei Sepsis und/oder Anurie bei obstruierter Niere ist eine dringende Dekompression des Systems mittels perkutaner Nephrostomie oder Harnleiterschienung dringend empfohlen 1
Besondere Hinweise
- Vor jeder Steinbehandlung sollten Urinmikroskopie und Kulturergebnisse eingeholt werden, um Harnwegsinfektionen auszuschließen oder zu behandeln 1
- Bei Patienten mit Blutungsstörungen oder unter antithrombotischer Therapie sollte ein Internist für geeignete therapeutische Maßnahmen konsultiert werden 1
- Die konservative Behandlung kann für asymptomatische Patienten und solche, die für Eingriffe ungeeignet sind, empfohlen werden, erfordert aber eine sorgfältige Patientenauswahl 2
Fazit
Bei einem 6mm prävestikalen Stein ist ein konservativer Behandlungsansatz mit engmaschiger Überwachung und gegebenenfalls medikamentöser Expulsionstherapie gemäß den EAU-Leitlinien eine angemessene Erstlinienbehandlung. Bei ausbleibender Steinpassage nach 4-6 Wochen oder bei Auftreten von Komplikationen sollte jedoch eine interventionelle Therapie in Betracht gezogen werden.