Behandlungsansatz für Hypoventilationssyndrom basierend auf BGA-Diagnostik
Bei Patienten mit Hypoventilationssyndrom empfehlen wir eine Behandlung mit positivem Atemwegsdruck (PAP) während des Schlafes, wobei die Therapiewahl (CPAP vs. NIV) vom Schweregrad der Blutgasanalyse (BGA) und dem Vorhandensein einer obstruktiven Schlafapnoe abhängt. 1
Diagnostischer Algorithmus mittels BGA
- Bei Verdacht auf Hypoventilationssyndrom sollte ein Serum-Bikarbonatwert <27 mmol/L verwendet werden, um die Diagnose bei adipösen Patienten mit schlafbezogenen Atmungsstörungen auszuschließen, wenn der Verdacht nicht sehr hoch ist (<20%) 1
- Bei starkem Verdacht auf Hypoventilationssyndrom sollte eine arterielle Blutgasanalyse durchgeführt werden, um eine Tageshyperkapnie zu bestätigen (PaCO₂ >45 mmHg auf Meereshöhe) 1, 2
- Die Diagnose des Hypoventilationssyndroms erfordert den Ausschluss anderer Ursachen für eine Hypoventilation 2, 3
Behandlungsalgorithmus basierend auf BGA-Ergebnissen
Für ambulante stabile Patienten:
- Bei Hypoventilationssyndrom mit schwerer obstruktiver Schlafapnoe (AHI >30) wird CPAP als Erstlinientherapie empfohlen 1, 2
- Bei Hypoventilationssyndrom ohne OSA oder mit leichter bis mittelschwerer OSA wird eine nicht-invasive Beatmung (NIV) empfohlen 1, 2
- Bei Patienten, die initial mit CPAP behandelt werden und keine ausreichende Verbesserung zeigen (anhaltende Hyperkapnie trotz adäquater CPAP-Therapie für 6-8 Wochen), sollte auf NIV umgestellt werden 1, 2
Für hospitalisierte Patienten:
- Patienten, die mit respiratorischem Versagen und Verdacht auf Hypoventilationssyndrom ins Krankenhaus eingeliefert werden, sollten mit NIV entlassen werden, bis sie ambulante diagnostische Verfahren und PAP-Titration im Schlaflabor durchlaufen (idealerweise innerhalb von 2-3 Monaten) 1, 2
- Die Entlassung ohne Anordnung einer zeitnahen ambulanten Schlafstudie und PAP-Titration sollte vermieden werden 2
Überwachung und Anpassung der Therapie
- Die Behandlung sollte durch kombinierte Überwachung der Sauerstoffsättigung und des Kohlendioxidspiegels gesteuert werden 1, 2
- Die Nachuntersuchung von Patienten mit PAP sollte die Überwachung der objektiven Therapieadhärenz umfassen, da höhere Adhärenzraten mit einer besseren Kontrolle des respiratorischen Versagens verbunden sind 1
- Für eine optimale Titration der PAP-Therapie sollte als Minimum eine kontinuierliche Oxymetrie während der Nacht durchgeführt werden 1
Langfristige Behandlungsstrategien
- Gewichtsreduktionsinterventionen, die einen nachhaltigen Gewichtsverlust von 25-30% des Körpergewichts bewirken, sollten angestrebt werden, um eine Auflösung des Hypoventilationssyndroms zu erreichen 1, 2
- Bariatrische Chirurgie sollte für Patienten ohne Kontraindikationen in Betracht gezogen werden, die durch Lebensstilinterventionen keinen ausreichenden Gewichtsverlust erreichen können 1, 2
- Die Nachbeobachtung sollte die Überwachung der Blutgase am Tag und in der Nacht sowie der Lungenfunktion umfassen, die sich nach Einleitung der PAP-Therapie verbessern sollten 4
Prognostische Faktoren
- Patienten mit PaO₂ <50 mmHg, erhöhtem C-reaktivem Protein, erhöhten Leukozyten oder pH ≥7,44 bei der Erstuntersuchung haben eine schlechtere Prognose 4
- Eine Reduktion des nächtlichen PaCO₂ um ≥23,0% und des Hämoglobins bei der Nachuntersuchung ist mit einem verbesserten Überleben verbunden 4
Vorsichtsmaßnahmen und Fallstricke
- Die Verwendung von rein empirischen Einstellungen für die initiale PAP-Therapie bei Patienten mit Hypoventilationssyndrom ohne Anleitung durch nächtliche physiologische Beurteilung ist nicht ideal 1
- OSA kann trotz Auflösung des Hypoventilationssyndroms nach einer Gewichtsreduktionsoperation bestehen bleiben 1
- Bei Patienten mit leichtem Hypoventilationssyndrom (PaCO₂ zwischen 45 und 50 mmHg) oder Grenzfall-Hypoventilationssyndrom ist der Effekt der PAP-Therapie weniger klar 1