Temperaturmanagement nach ROSC
Bei komatösen Patienten nach Wiederherstellung des Spontankreislaufs (ROSC) wird empfohlen, aktiv Fieber zu verhindern, indem eine Temperatur ≤37,5°C für mindestens 72 Stunden angestrebt wird. 1
Aktuelle Empfehlungen zum Temperaturmanagement
- Die aktive Fiebervermeidung (Temperatur ≤37,5°C) sollte bei allen komatösen Patienten nach ROSC durchgeführt werden (schwache Empfehlung, niedrige Evidenzsicherheit) 1
- Ob bestimmte Untergruppen von Patienten nach Herzstillstand von einer gezielten Hypothermie bei 32-34°C profitieren könnten, bleibt unklar 1
- Komatöse Patienten mit milder Hypothermie nach ROSC sollten nicht aktiv auf Normothermie erwärmt werden (Good Practice Statement) 1
- Von der routinemäßigen präklinischen Kühlung mit schneller Infusion großer Mengen kalter intravenöser Flüssigkeit unmittelbar nach ROSC wird abgeraten (starke Empfehlung, moderate Evidenzsicherheit) 1
- Bei Anwendung von Temperaturkontrolle können sowohl Oberflächen- als auch endovaskuläre Kühlmethoden eingesetzt werden (schwache Empfehlung, niedrige Evidenzsicherheit) 1
- Bei Verwendung eines Kühlgeräts sollte ein Temperaturkontrollgerät mit Feedback-System auf Basis kontinuierlicher Temperaturüberwachung verwendet werden (Good Practice Statement) 1
Temperaturzielbereich und Dauer
- Der empfohlene Temperaturzielbereich liegt zwischen 32°C und 36°C, wenn eine gezielte Temperaturkontrolle angewendet wird 1
- Die Temperaturkontrolle sollte für mindestens 24 Stunden nach Erreichen der Zieltemperatur aufrechterhalten werden 1
- Große randomisierte kontrollierte Studien haben keinen signifikanten Unterschied in den Ergebnissen zwischen einer Temperaturkontrolle bei 33°C und 36°C gezeigt 1
- Kleinere Studien, die verschiedene Temperaturen (32°C vs. 34°C, 32°C vs. 33°C und 33°C vs. 34°C) verglichen haben, fanden ebenfalls keine statistisch signifikanten Unterschiede 1
- Bei einer Zieltemperatur von 32°C wurde jedoch eine erhöhte Häufigkeit von Hypotonie während der Aufrechterhaltung der therapeutischen Hypothermie beobachtet 2
Anwendung bei verschiedenen Patientengruppen
- Die Temperaturkontrolle wird für komatöse erwachsene Patienten nach ROSC empfohlen, unabhängig vom initialen Rhythmus (schockbar oder nicht-schockbar) und unabhängig davon, ob der Herzstillstand inner- oder außerhalb des Krankenhauses stattfand 1
- Für Patienten mit außerklinischem Herzstillstand mit nicht-schockbarem Rhythmus könnte die Temperaturkontrolle besonders vorteilhaft sein, wenn das Intervall zwischen Kollaps und ROSC kurz ist (≤16 Minuten) 3
Praktische Durchführung
- Die Kerntemperatur sollte kontinuierlich überwacht werden, vorzugsweise mittels ösophagealer Thermometer, Blasenkatheter bei nicht-anurischen Patienten oder Pulmonalarterienkatheter 1
- Axilläre und orale Temperaturen sind für die Messung von Kerntemperaturänderungen unzureichend 1
- Bei Verwendung eines geschlossenen Feedback-Kühlsystems sollte eine zweite Temperaturmessquelle in Betracht gezogen werden 1
- Nach der Temperaturkontrollphase sollte eine langsame Wiedererwärmung (etwa 0,25°C/Stunde) erfolgen 1
Mögliche Komplikationen und Vorsichtsmaßnahmen
- Potenzielle Komplikationen der Kühlung umfassen Koagulopathie, Arrhythmien und Hyperglykämie, insbesondere bei unbeabsichtigtem Unterschreiten der Zieltemperatur 1
- Die Wahrscheinlichkeit von Pneumonie und Sepsis kann bei Patienten mit therapeutischer Hypothermie erhöht sein, da eine längere Hypothermie die Immunfunktion beeinträchtigen kann 1
- Hypothermie beeinträchtigt auch die Gerinnung, daher sollten alle aktiven Blutungen vor dem Absenken der Temperatur kontrolliert werden 1
- Höhere Temperaturen könnten bei Patienten bevorzugt werden, für die niedrigere Temperaturen ein gewisses Risiko darstellen (z.B. Blutungen) 1
- Niedrigere Temperaturen könnten bei Patienten bevorzugt werden, deren klinische Merkmale bei höheren Temperaturen verschlechtert werden (z.B. Krampfanfälle, Hirnödem) 1