Management eines Patienten mit Vorhofflimmern, Karotisstenose und Augeninfarkt vor COVID-19-Impfung
Bei einem 82-jährigen Patienten mit Vorhofflimmern, Karotisstenose und neu diagnostiziertem Augeninfarkt sollte die orale Antikoagulation fortgesetzt werden und die COVID-19-Impfung kann wie geplant durchgeführt werden.
Beurteilung der thromboembolischen Risikofaktoren
- Der Patient hat mehrere Hochrisikofaktoren für thromboembolische Ereignisse: Vorhofflimmern, Karotisstenose und einen kürzlich aufgetretenen Augeninfarkt 1
- Vorhofflimmern in Kombination mit Karotisstenose erhöht das Schlaganfallrisiko erheblich und erfordert eine konsequente antithrombotische Therapie 2
- Der Augeninfarkt (retinale Ischämie) ist als akutes thromboembolisches Ereignis zu werten und erfordert eine sofortige Behandlung 1
Antithrombotische Therapie
Antikoagulation bei Vorhofflimmern
- Bei Patienten mit Vorhofflimmern wird ein direktes orales Antikoagulans (DOAC) empfohlen, wenn der CHA₂DS₂-VASc-Score ≥1 bei Männern oder ≥2 bei Frauen ist 1
- Bei diesem 82-jährigen Patienten mit Vorhofflimmern und Karotisstenose ist der CHA₂DS₂-VASc-Score definitiv erhöht (Alter allein gibt bereits 2 Punkte) 1
- Falls DOACs kontraindiziert sind, sollte ein Vitamin-K-Antagonist mit guter therapeutischer Einstellung (TTR >70%) verwendet werden 1
Management bei Karotisstenose
- Bei stabiler Karotisstenose und gleichzeitiger Antikoagulation wegen Vorhofflimmern ist keine zusätzliche Thrombozytenaggregationshemmung erforderlich 1
- Die Kombination von Antikoagulation und Thrombozytenaggregationshemmung erhöht das Blutungsrisiko und sollte nur in speziellen Situationen erwogen werden 3
Behandlung des Augeninfarkts
- Bei einem akuten Augeninfarkt (retinale Ischämie) sollte die bestehende Antikoagulation optimiert werden 1
- Die Therapie sollte analog zu den Empfehlungen für ischämische Schlaganfälle erfolgen, da es sich um einen ähnlichen pathophysiologischen Prozess handelt 1
COVID-19-Impfung
- Die COVID-19-Impfung kann wie geplant durchgeführt werden, da keine Kontraindikation bei Patienten mit Antikoagulation besteht 1
- Die bestehende antithrombotische Therapie sollte für die Impfung nicht unterbrochen werden 1
- Nach der Impfung sollte die Injektionsstelle für mindestens 2 Minuten komprimiert werden, um lokale Blutungen zu minimieren 4
Überwachung und Follow-up
- Regelmäßige Kontrolle der Nieren- und Leberfunktion sowie des Blutbildes bei Patienten unter Antikoagulation 1
- Engmaschige Überwachung auf Anzeichen weiterer thromboembolischer Ereignisse oder Blutungskomplikationen 5
- Ophthalmologische Nachkontrollen zur Beurteilung des Verlaufs des Augeninfarkts 1
Wichtige Vorsichtsmaßnahmen
- Bei Patienten mit Vorhofflimmern und Karotisstenose ist das Risiko für thromboembolische Ereignisse besonders hoch, daher ist eine konsequente Antikoagulation essentiell 2
- Die Kombination von Antikoagulation und Thrombozytenaggregationshemmung erhöht das Blutungsrisiko und sollte nur bei klarer Indikation erfolgen 1
- Bei Verschlechterung der Symptome oder Auftreten neuer neurologischer Defizite ist eine sofortige ärztliche Beurteilung erforderlich 1
Algorithmus für das Management
- Fortführung oder Beginn einer oralen Antikoagulation (vorzugsweise DOAC) 1
- COVID-19-Impfung wie geplant durchführen 1
- Ophthalmologische Kontrolle zur Beurteilung des Augeninfarkts 1
- Evaluation der Karotisstenose (Grad der Stenose, Symptomatik) 2
- Bei hochgradiger symptomatischer Karotisstenose: Überweisung zur gefäßchirurgischen Beurteilung 6