Dosisanpassung von Clozapin sollte mit therapeutischem Drug Monitoring (TDM) erfolgen
Die Dosisanpassung von Clozapin sollte immer mit therapeutischem Drug Monitoring (TDM) erfolgen, da die Plasmakonzentrationen bei gleicher Dosis stark variieren können und ein definierter therapeutischer Bereich für optimale Wirksamkeit und Sicherheit existiert. 1, 2
Therapeutischer Bereich und Halbwertszeit
- Der therapeutische Bereich für Clozapin liegt zwischen 350-550 ng/ml, wobei eine Konzentration von mindestens 350 ng/ml für eine optimale Wirksamkeit erreicht werden sollte 1, 3
- Die mittlere Eliminationshalbwertszeit von Clozapin beträgt nach Erreichen des Steady-State etwa 12 Stunden (Bereich: 4 bis 66 Stunden) 2
- Steady-State-Bedingungen werden nach mindestens 5 Halbwertszeiten erreicht, was bei Clozapin etwa einer Woche nach stabiler Dosierung entspricht 4, 3
- Die Plasmakonzentrationen von Clozapin können bei gleicher Dosis zwischen verschiedenen Patienten um das 10-fache variieren 5, 6
Indikationen für TDM bei Clozapin
- TDM wird als "nützlich" (Empfehlungsgrad 3) eingestuft, um zu kontrollieren, ob Plasmakonzentrationen für eine gegebene Dosis plausibel sind 4
- TDM ermöglicht die Optimierung des klinischen Ansprechens bei Non-Respondern, die niedrige Konzentrationen aufweisen 4
- Besonders wichtig bei subtherapeutischen Plasmakonzentrationen (Risiko eines schlechten Ansprechens) oder supratherapeutischen Konzentrationen (Risiko von Nebenwirkungen) 4, 7
Praktische Durchführung des TDM
- Blutproben sollten als Talspiegel gemessen werden, idealerweise 12 Stunden nach der letzten Dosis 3, 4
- Messungen sollten unter Steady-State-Bedingungen erfolgen, frühestens eine Woche nach stabiler Dosierung 4, 3
- Die American Psychiatric Association empfiehlt, Talspiegel von Clozapin bei stabiler Dosis an mindestens zwei Gelegenheiten zu messen, die mindestens eine Woche auseinanderliegen 8
Dosisanpassung basierend auf TDM
- Bei Plasmakonzentrationen unter 350 ng/ml sollte eine Dosiserhöhung erwogen werden, da die Ansprechrate unter diesem Wert deutlich geringer ist 1, 8
- Bei Konzentrationen über 550 ng/ml steigt das Risiko für ZNS-Nebenwirkungen wie Verwirrtheit, Delir und generalisierte Anfälle 1, 5
- Wenn eine Konzentration über 550 ng/ml erwogen wird, sollten Risiken und Nutzen mit dem Patienten besprochen werden 9, 1
- Die Zahl der zu behandelnden Patienten (NNT) für ein Ansprechen bei Spiegeln über 550 ng/ml beträgt 17 9
Besondere Situationen für TDM
- Bei Verdacht auf Non-Compliance 4
- Bei unzureichendem klinischem Ansprechen trotz adäquater Dosis 4
- Bei Nebenwirkungen trotz Verwendung allgemein empfohlener Dosen 4
- Bei Verdacht auf Arzneimittelinteraktionen (besonders mit CYP1A2- und CYP3A4-Inhibitoren oder -Induktoren) 4, 10
- Bei Kombinationstherapie mit Medikamenten mit bekanntem Interaktionspotenzial 4
- Bei Kindern, Jugendlichen und älteren Patienten (>65 Jahre) 4
- Bei Patienten mit pharmakokinetisch relevanten Komorbiditäten (Leber- oder Niereninsuffizienz, kardiovaskuläre Erkrankungen) 4
Häufige Fehler und Fallstricke
- TDM nicht unter Steady-State-Bedingungen durchführen (mindestens 5 Halbwertszeiten nach Dosisänderung warten) 4, 3
- Blutproben nicht zur richtigen Zeit entnehmen (idealerweise 12 Stunden nach der letzten Dosis) 4, 3
- Nichtbeachtung von Faktoren, die die Clozapin-Plasmaspiegel beeinflussen können, wie Geschlecht, Rauchen, Alter, Körpergewicht, Koffeinkonsum und Arzneimittelinteraktionen 6, 10
- Überbewertung der Dosis anstelle der tatsächlichen Plasmakonzentration 1, 7
Zusammenfassend ist TDM für die Dosisanpassung von Clozapin unerlässlich, um die optimale Wirksamkeit bei minimalen Nebenwirkungen zu gewährleisten. Die Dosisanpassung sollte auf der Grundlage der gemessenen Plasmakonzentrationen erfolgen, wobei ein Zielbereich von 350-550 ng/ml angestrebt wird.