Behandlung des kardiorenalen Syndroms mit GFR-Verschlechterung
Die initiale Behandlung des kardiorenalen Syndroms mit abnehmender glomerulärer Filtrationsrate (GFR) sollte ACE-Hemmer oder Angiotensin-Rezeptorblocker (ARB) als Erstlinientherapie umfassen, trotz der anfänglichen GFR-Verschlechterung, die zu erwarten ist. 1
Pathophysiologie und Behandlungsansatz
- Das kardiorenale Syndrom ist durch eine bidirektionale Beziehung zwischen Herz und Nieren gekennzeichnet, wobei eine Dysfunktion in einem Organ die Funktion des anderen verschlechtern kann 2
- Die Pathophysiologie umfasst verminderte Nierenperfusion durch reduziertes Herzzeitvolumen, erhöhten venösen Druck und neurohormonale Anpassungen 3
- Trotz anfänglicher GFR-Verschlechterung sind ACE-Hemmer oder ARBs die Erstlinientherapie, da sie den intraglomerulären Druck senken und langfristig nephroprotektiv wirken 1
Medikamentöse Therapie
RAS-Blockade (ACE-Hemmer/ARB)
- ACE-Hemmer oder ARBs werden als initiale Therapie für Patienten mit diabetischer und nicht-diabetischer Nierenerkrankung empfohlen 1
- Bei Beginn der Therapie ist ein initialer GFR-Abfall von 10-20% zu erwarten und akzeptabel 1
- Eine Dosisreduktion oder Absetzen sollte erst erwogen werden, wenn der Kreatininanstieg 30% überschreitet oder eine Hyperkaliämie auftritt 1
- ARBs könnten bei Patienten mit GFR <60 ml/min/1,73 m² gegenüber ACE-Hemmern vorteilhaft sein, da sie möglicherweise weniger Kaliumerhöhungen verursachen 1
Diuretika-Management
- Diuretika-induzierte intravaskuläre Volumendepletion ist der häufigste vermeidbare Grund für Kreatininanstieg bei RAS-Blockern 1
- Bei Diuretikaresistenz kann eine segmentale tubuläre Blockade mit Thiazid-Diuretika, Acetazolamid oder SGLT2-Hemmern erwogen werden 4
- Die Überwachung des Volumenstatus ist entscheidend, um Überdiurese zu vermeiden 1
Blutdruckmanagement
- Zielblutdruck sollte <130-135/80-85 mmHg sein 1
- Zur Erreichung dieses Zielwerts sind typischerweise 3-4 Antihypertensiva erforderlich 1
- Eine aggressive Blutdruckkontrolle ist sowohl für die Nieren- als auch für die kardiovaskuläre Protektion wichtig 1
Überwachung und Anpassung der Therapie
- Die GFR sollte regelmäßig überwacht werden, wobei eine Änderung von >20% bei nachfolgenden Tests eine weitere Abklärung erfordert 1
- Bei Einleitung einer hämodynamisch aktiven Therapie (z.B. RAS-Inhibitoren) sollte ein Schwellenwert von >30% als Anlass zur weiteren Abklärung dienen 1
- Eine Verdoppelung des Albumin-Kreatinin-Verhältnisses (ACR) im Urin bei nachfolgenden Tests überschreitet die Laborvariabilität und rechtfertigt eine Evaluation 1
Vorsichtsmaßnahmen und Risikofaktoren
Besondere Vorsicht ist geboten bei:
- Patienten mit Volumendepletion durch Diuretikatherapie 1
- Patienten mit bilateraler Nierenarterienstenose oder Stenose einer dominanten oder einzelnen Niere 1
- Patienten, die NSAIDs oder andere vasokonstriktorisch wirkende Medikamente einnehmen 1
- Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz jeglicher Ursache 1
Bei Patienten mit Herzkatheteruntersuchungen:
Algorithmus für die Behandlung des kardiorenalen Syndroms mit GFR-Verschlechterung
Initiale Therapie:
Bei GFR-Abfall nach Therapiebeginn:
Bei GFR-Abfall >30% oder Hyperkaliämie:
Zusätzliche Maßnahmen:
Die Behandlung des kardiorenalen Syndroms erfordert ein sorgfältiges Gleichgewicht zwischen kardialer und renaler Protektion. Trotz des anfänglichen GFR-Abfalls bieten RAS-Blocker langfristig sowohl kardiovaskuläre als auch renale Vorteile und sollten daher die Grundlage der Therapie bilden, sofern keine absoluten Kontraindikationen vorliegen 1.