Therapieempfehlung bei TSH 6,5, normalem FT4 und erniedrigtem FT3
Bei einem TSH von 6,5 mIU/L, normalem FT4 und erniedrigtem FT3 sollte eine Levothyroxin-Therapie begonnen werden, da diese Konstellation auf eine subklinische Hypothyreose mit beginnender klinischer Relevanz hindeutet. 1, 2
Diagnostische Einordnung
- Die Laborkonstellation mit erhöhtem TSH (6,5), normalem FT4 und erniedrigtem FT3 spricht für eine subklinische Hypothyreose mit bereits beeinträchtigter Konversion von T4 zu T3 2
- Ein TSH-Wert >6,5 mIU/L liegt über dem Schwellenwert von 4,5-5,0 mIU/L, der typischerweise für die Definition einer subklinischen Hypothyreose verwendet wird 1, 3
- Die erniedrigte FT3-Konzentration weist auf eine verminderte periphere Konversion von T4 zu T3 hin, was die klinische Relevanz der Schilddrüsenfunktionsstörung unterstreicht 4
Therapieempfehlung
- Beginnen Sie mit einer niedrigen Dosis Levothyroxin (25-50 μg/Tag), besonders bei Patienten >70 Jahre oder mit kardiovaskulären Erkrankungen 2
- Bei jüngeren Patienten ohne Komorbiditäten kann eine höhere Anfangsdosis von etwa 1,6 μg/kg/Tag erwogen werden 2, 3
- Die Therapie ist besonders indiziert, da der TSH-Wert >6,5 mIU/L liegt und zusätzlich ein erniedrigter FT3-Wert vorliegt, was auf eine klinisch relevante Hypothyreose hindeutet 1, 2
Monitoring und Dosisanpassung
- Kontrollieren Sie die Schilddrüsenfunktion (TSH, FT4, FT3) nach 4-6 Wochen und passen Sie die Levothyroxin-Dosis entsprechend an 1, 2
- Ziel ist die Normalisierung des TSH-Wertes und des FT3-Wertes bei gleichzeitigem Erhalt eines normalen FT4-Wertes 2
- Bei anhaltend erniedrigtem FT3 trotz normalisiertem TSH kann in Einzelfällen eine Kombination aus Levothyroxin und Liothyronin erwogen werden 3
Besondere Überlegungen
- Bei Patienten mit subklinischer Hypothyreose und TSH-Werten zwischen 4,5 und 10,0 mIU/L ist die Entscheidung zur Therapie umstritten, aber bei zusätzlich erniedrigtem FT3 ist eine Therapie eher indiziert 1, 5
- Die Wahrscheinlichkeit einer Progression zu einer manifesten Hypothyreose liegt bei etwa 2-4% pro Jahr, ist aber bei erniedrigtem FT3 höher 2, 3
- Bei älteren Patienten (>80 Jahre) sollten höhere TSH-Zielwerte (bis 7,5 mIU/L) akzeptiert werden, sofern FT3 und FT4 im Normbereich liegen 3
Häufige Fallstricke
- Eine einmalige TSH-Erhöhung sollte durch eine zweite Messung bestätigt werden, da bis zu 62% der erhöhten TSH-Werte spontan normalisieren können 3, 6
- Übermäßige Behandlung von Patienten mit minimaler Hypothyreose kann zu Unzufriedenheit führen, da mögliche hypothyreote Symptome bei diesen Patienten selten auf die Behandlung ansprechen 3
- Beachten Sie mögliche Arzneimittelinteraktionen mit Levothyroxin, insbesondere bei gleichzeitiger Einnahme von Kalziumpräparaten, Eisenpräparaten, Protonenpumpenhemmern oder Antazida 7
Alternativen zur Levothyroxin-Monotherapie
- Bei Patienten, die trotz normalisiertem TSH unter Levothyroxin-Therapie symptomatisch bleiben, kann eine Kombination mit Liothyronin erwogen werden, besonders bei Patienten mit Polymorphismen im Typ-2-Deiodinase-Gen 3
- Die Kombination von Levothyroxin und Liothyronin sollte unter engmaschiger Kontrolle erfolgen, um Überdosierungen zu vermeiden 8, 3