Behandlung der Anaphylaxie
Bei Anaphylaxie ist Adrenalin (Epinephrin) intramuskulär die erste Wahl und sollte sofort verabreicht werden. 1
Primäre Behandlung
- Adrenalin (Epinephrin) sofort intramuskulär in den mittleren äußeren Oberschenkel (Musculus vastus lateralis) injizieren 1, 2, 3
- Dosierung: 0,01 mg/kg einer 1:1000 Konzentration (1 mg/ml) bis zu einer maximalen Einzeldosis von 0,5 mg bei Erwachsenen und 0,3 mg bei Kindern 1, 2, 3
- Bei Autoinjektoren: 0,15 mg für Kinder mit 10-25 kg und 0,3 mg für Kinder ≥25 kg 1, 2
- Bei unzureichender Reaktion kann die Dosis alle 5-15 Minuten wiederholt werden 1
- Notruf aktivieren (112) 1
Patientenpositionierung und Überwachung
- Patient in Rückenlage oder bei Atemnot in eine bequeme Position bringen 1
- Untere Extremitäten hochlagern 1, 3
- Stehen, Gehen oder Laufen vermeiden 1
- Patient für 4-6 Stunden oder länger überwachen (je nach Schweregrad der Reaktion) 1, 3
- Auf biphasische Reaktionen achten, die bis zu 72 Stunden später auftreten können (durchschnittlich nach 11 Stunden) 1, 2
Zusätzliche Behandlungsmaßnahmen
- Sauerstoffgabe bei Atemnot 1, 3
- Flüssigkeitsersatz bei Hypotonie 1
- H1-Antihistaminika (z.B. Diphenhydramin) zur Linderung von Hautsymptomen 1
- H2-Antihistaminika (z.B. Ranitidin) können zusätzlich gegeben werden 1, 3
- Bronchodilatatoren (β2-Agonisten wie Albuterol) bei Bronchospasmus 1, 3
- Kortikosteroide haben keine Rolle bei der akuten Behandlung der Anaphylaxie aufgrund des langsamen Wirkungseintritts 1, 3
Wichtige Hinweise
- Es gibt keine absoluten Kontraindikationen für die Verwendung von Adrenalin bei Anaphylaxie, auch nicht bei Patienten mit Herzerkrankungen, hohem Alter oder Gebrechlichkeit 1, 2
- Die intramuskuläre Injektion in den seitlichen Oberschenkel führt zu einer schnelleren Absorption als die subkutane Injektion 2, 4
- Eine Verzögerung der Adrenalingabe ist mit Todesfällen und einem erhöhten Risiko für biphasische Reaktionen verbunden 1, 3
- Bei schwerer, therapierefraktärer Anaphylaxie kann eine intravenöse Adrenalininfusion erwogen werden 1, 3
Häufige Fehler, die vermieden werden sollten
- Verzögerung der Adrenalingabe zugunsten von Antihistaminika oder Kortikosteroiden 3, 5
- Verwendung des subkutanen statt des intramuskulären Verabreichungswegs 2, 3
- Unterdosierung bei Erwachsenen oder Überdosierung bei kleinen Kindern aufgrund von Autoinjektoren mit fester Dosierung 2, 6
- Alleinige Verwendung von Antihistaminika oder Kortikosteroiden zur Behandlung der Anaphylaxie 3, 7