Warum Amisulprid nur in niedrigen Dosen gegen Negativsymptome wirkt
Mechanismus der dosisabhängigen Wirkung
Amisulprid wirkt bei niedrigen Dosen (50-100 mg/Tag) gegen Negativsymptome, weil es in diesem Dosisbereich selektiv präsynaptische Dopamin-D2/D3-Autorezeptoren blockiert, wodurch die dopaminerge Neurotransmission im frontalen Kortex verstärkt wird. 1, 2, 3
Pharmakologische Grundlagen
Die dosisabhängige Wirkung von Amisulprid basiert auf einem zweiphasigen pharmakologischen Mechanismus:
Bei niedrigen Dosen (50-300 mg/Tag): Amisulprid blockiert präferentiell präsynaptische Dopamin-D2/D3-Autorezeptoren im frontalen Kortex, was die dopaminerge Transmission erhöht 1, 2
Bei höheren Dosen (400-1200 mg/Tag): Amisulprid antagonisiert postsynaptische D2- und D3-Rezeptoren, bevorzugt im limbischen System statt im Striatum, wodurch die dopaminerge Transmission reduziert wird 1
Klinische Evidenz für niedrige Dosen
Die American Psychiatric Association empfiehlt für Patienten mit primären Negativsymptomen eine Startdosis von 50-100 mg/Tag, wobei 50 mg zweimal täglich spezifisch für vorherrschende Negativsymptome empfohlen wird 4
Placebokontrollierte Studien bestätigen die Wirksamkeit:
In einer multizentrischen Studie mit 242 Patienten zeigten sowohl 50 mg/Tag als auch 100 mg/Tag Amisulprid signifikant größere Verbesserungen der Negativsymptome im Vergleich zu Placebo 5
Die Positivsymptome waren zu Studienbeginn niedrig und änderten sich minimal, was darauf hindeutet, dass die Verbesserung der Negativsymptome unabhängig von der Verbesserung der Positivsymptome war 5
Die Sicherheit von Amisulprid war mit Placebo vergleichbar, und extrapyramidale Symptome traten selten auf 5
Pathophysiologische Rationale
Die dopaminerge Unterfunktion im frontalen Kortex wird als Ursache für Negativsymptome bei Schizophrenie angesehen 2:
Amisulprid kann gleichzeitig die dopaminerge Überaktivität im limbischen System (Positivsymptome) und die Unteraktivität im frontalen Kortex (Negativsymptome) behandeln 2
Bei niedrigen Dosen überwiegt die präsynaptische Blockade, die die dopaminerge Transmission im frontalen Kortex verstärkt und somit Negativsymptome lindert 3
Wichtige klinische Überlegungen
Dosierungsempfehlungen:
- Die optimale Dosis für Negativsymptome liegt bei 100 mg/Tag 6
- Dosierungen zwischen 50-300 mg/Tag sollten für das Management von Patienten mit Negativsymptomen in Betracht gezogen werden 1
Behandlungsdauer:
- Die American Psychiatric Association empfiehlt, eine therapeutische Dosis von Amisulprid für mindestens 6 Wochen beizubehalten, bevor die Behandlungsantwort bestimmt wird 4
Häufige Fallstricke:
- Bei höheren Dosen (>300 mg/Tag) dominiert die postsynaptische Blockade, wodurch die spezifische Wirkung auf Negativsymptome verloren geht 1
- Die Differenzierung zwischen primären und sekundären Negativsymptomen ist klinisch schwierig, aber relevant für Behandlungsergebnisse 7
- Extrapyramidale Symptome waren bei niedrigen Dosierungen (≤300 mg/Tag) nicht häufiger als bei Placebo 1