Schlafstörungen bei stationären Patienten mit Negativsymptomen
Bei stationären Patienten mit Negativsymptomen und Schlafstörungen sollten primär nicht-pharmakologische Interventionen eingesetzt werden, insbesondere kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (CBT-I), kombiniert mit Schlafhygiene und strukturierten Tagesaktivitäten; Dominal (Prothipendyl) ist nicht evidenzbasiert und sollte vermieden werden zugunsten gezielter Behandlungsstrategien. 1, 2
Primäre Bewertung und sekundäre Ursachen ausschließen
Bevor eine Behandlung eingeleitet wird, müssen sekundäre Ursachen der Schlafstörung identifiziert und behandelt werden:
- Persistierende Positivsymptome, depressive Symptome, Substanzmissbrauch und soziale Isolation können Schlafstörungen verschlimmern und müssen zuerst adressiert werden 1
- Medikamentennebenwirkungen wie extrapyramidale Symptome, Sedierung oder ausgeprägte Gewichtszunahme mit Schlafapnoe müssen evaluiert werden 1
- Obstruktive Schlafapnoe sollte bei Schnarchen, beobachteten Apnoen oder exzessiver Tagesmüdigkeit mittels Screening-Tools untersucht werden 1
- Medizinische Erkrankungen wie Hypothyreose, Schmerzen, nächtlicher Husten oder Nykturie müssen ausgeschlossen werden 1
Nicht-pharmakologische Interventionen (Erste Wahl)
Kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (CBT-I) ist die Erstlinienbehandlung und wird von Patienten mit Schizophrenie bevorzugt, da sie Eigenverantwortung und Empowerment fördert 2, 3:
- Stimuluskontrolle: Nur bei Müdigkeit ins Bett gehen, Schlafzimmer nur für Schlaf nutzen, bei Schlaflosigkeit nach 20 Minuten das Zimmer verlassen 2
- Schlafkompression/-restriktion: Zeit im Bett auf tatsächliche Schlafzeit begrenzen (nicht unter 5 Stunden), schrittweise erhöhen bei verbesserter Schlafeffizienz 2
- Entspannungstechniken: Progressive Muskelrelaxation, geführte Imagination, Zwerchfellatmung und Meditation reduzieren kognitive und physiologische Erregung 2
Schlafhygiene und Umgebungsoptimierung sind essentiell 4, 2:
- Regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus mit konsistentem Aufstehen 4, 2
- Dunkles, ruhiges, komfortables Schlafzimmer mit angemessener Temperatur 2
- Vermeidung schwerer Mahlzeiten, Alkohol und elektronischer Geräte vor dem Schlafengehen 4, 2
- Morgendliche oder nachmittägliche Lichtexposition und körperliche Aktivität zur Regulation des zirkadianen Rhythmus 4, 2
- Geplante kurze Nickerchen (15-20 Minuten) mittags, nicht nach 14 Uhr 4, 2
Strukturierte Tagesaktivitäten verbessern sowohl Schlaf als auch Negativsymptome:
- Tägliche soziale und körperliche Aktivitäten fördern soziales Engagement und reduzieren Isolation 1
- Helle Lichttherapie am Morgen (besonders bei schwerer Symptomatik wirksam) 1
Pharmakologische Anpassungen
Antipsychotika-Optimierung bei persistierenden Negativsymptomen 1:
- Dosisreduktion des Antipsychotikums innerhalb des therapeutischen Bereichs erwägen, wenn Positivsymptome gut kontrolliert sind 1
- Wechsel zu Cariprazin oder Aripiprazol bei dominierenden Negativsymptomen 1
- Niedrigdosis Amisulprid (z.B. 50 mg zweimal täglich) bei vorwiegenden Negativsymptomen ohne Positivsymptomatik 1
- Antidepressiva-Augmentation kann Negativsymptome verbessern, auch ohne Depression, unter Beachtung von Interaktionen 1
Pharmakologische Schlafinterventionen (nur bei Versagen nicht-pharmakologischer Maßnahmen)
Melatonin kann als erste pharmakologische Option erwogen werden 1, 5:
- Relativ wenige Nebenwirkungen (leichte Sedierung, Kopfschmerzen) und kostengünstig 1
- Nicht FDA-reguliert in den USA; Qualitätskonsistenz kann variieren 1
- Dosierung typischerweise 3 mg zur Nacht 5
Kurz wirksame Benzodiazepine oder Nicht-Benzodiazepine bei persistierender Insomnie 4:
- Vermeidung bei älteren Patienten oder kognitiver Beeinträchtigung wegen Sturzrisiko 4
- Nur als Kurzzeitlösung für akute Schlafprobleme betrachten 3
Vorsicht bei Sedativa: Benzodiazepine erhöhen das Sturzrisiko sowohl tagsüber als auch nachts bei institutionalisierten Patienten 1
Wichtige Fallstricke und Warnhinweise
- Dominal (Prothipendyl) hat keine evidenzbasierte Unterstützung für diese Indikation in den aktuellen Leitlinien und sollte nicht routinemäßig verwendet werden
- Antipsychotika zur Schlafförderung sollten vermieden werden, da sie Negativsymptome verschlechtern können 1
- Schlafstörungen verschlechtern sowohl Positiv- als auch Negativsymptome und beeinträchtigen die Lebensqualität erheblich 6, 7, 8
- Pharmakologische Therapien werden von Patienten als weniger bevorzugt angesehen im Vergleich zu psychologischen Interventionen 3
- Koffein kann judizös verwendet werden, letzte Dosis nicht später als 16 Uhr 4