Quetiapin bei Negativsymptomatik: Begrenzte Wirksamkeit
Quetiapin zeigt nur moderate Wirksamkeit bei Negativsymptomen der Schizophrenie und sollte nicht als bevorzugte Wahl betrachtet werden – Cariprazin, Aripiprazol oder niedrig dosiertes Amisulprid sind deutlich besser geeignet. 1
Evidenzlage zu Quetiapin
Die vorliegenden Daten zu Quetiapin bei Negativsymptomen sind gemischt und stammen hauptsächlich aus älteren Studien:
Ältere Vergleichsstudien zeigen, dass Quetiapin ähnlich wirksam wie Olanzapin bei Negativsymptomen war, mit signifikanten Verbesserungen auf der SANS und PANSS nach 12 Wochen, allerdings in einer kleinen Studie mit begrenzter Aussagekraft 2
Die Wirksamkeit gegen Negativsymptome war in verschiedenen Studien variabel und inkonsistent 3
Quetiapin zeigte in Kurzzeitstudien (bis 6 Wochen) Wirksamkeit gegen positive und negative Symptome, war aber nicht durchgängig überlegen gegenüber Placebo bei niedrigeren Dosen 4
Überlegene Alternativen nach aktuellen Leitlinien
Die systematische Übersicht von 489 Studien aus 2025 zeigt deutlich bessere Optionen:
Cariprazin oder Aripiprazol sollten bei vorherrschenden Negativsymptomen bevorzugt werden, wenn Positivsymptome gut kontrolliert sind 1
Niedrig dosiertes Amisulprid (50 mg zweimal täglich) ist besonders wirksam bei Negativsymptomen, wenn Positivsymptome keine Hauptsorge darstellen 1, 5
Aripiprazol-Augmentation verbessert spezifisch Negativsymptome (standardisierte Mittelwertdifferenz −0,41,95% CI −0,79 bis −0,03, p = 0,036) 6, 1
Praktisches Vorgehen bei Negativsymptomatik
Schritt 1: Sekundäre Ursachen ausschließen
- Persistierende Positivsymptome, depressive Symptome, Substanzmissbrauch, soziale Isolation, medizinische Erkrankungen und Nebenwirkungen von Antipsychotika müssen evaluiert werden 1
Schritt 2: Antipsychotische Therapie optimieren
- Bei gut kontrollierten Positivsymptomen: Erwägen Sie einen Wechsel zu Cariprazin oder Aripiprazol 1
- Bei vorherrschenden Negativsymptomen ohne Positivsymptome: Niedrig dosiertes Amisulprid in Betracht ziehen 1
- Falls Quetiapin bereits verwendet wird: Nach mindestens 4 Wochen bei therapeutischer Dosis (300-400 mg/Tag) sollte bei unzureichendem Ansprechen ein Wechsel zu Amisulprid, Risperidon, Paliperidon oder Olanzapin erfolgen 5
Schritt 3: Bei therapieresistenten Fällen
- Clozapin sollte erwogen werden, falls noch nicht verschrieben 1
- Bei Patienten unter Clozapin mit persistierenden Negativsymptomen: Augmentation mit Aripiprazol (5-15 mg/Tag) zeigt die robusteste Datenlage 6, 1
Wichtige Einschränkungen
Die meisten Studien zu nicht-antipsychotischen Behandlungen wurden bei Patienten durchgeführt, die bereits Antipsychotika erhielten (80-90% der Fälle) 7
Quetiapin hat zwar ein günstiges Nebenwirkungsprofil (Placebo-Level bei extrapyramidalen Symptomen, keine Prolaktinerhöhung) 8, 9, 4, aber dies kompensiert nicht die begrenzte Wirksamkeit bei Negativsymptomen
Die Wirksamkeit von Quetiapin ist dosisabhängig, mit maximalen Effekten bei ≥250 mg/Tag, aber selbst bei höheren Dosen bleibt die Evidenz für Negativsymptome schwach 4
Fazit zur klinischen Anwendung
Wenn Sie einen Patienten mit vorherrschenden Negativsymptomen behandeln, sollten Sie Cariprazin, Aripiprazol oder niedrig dosiertes Amisulprid als Erstlinientherapie wählen, nicht Quetiapin. 1 Falls Quetiapin bereits verwendet wird und Negativsymptome persistieren, ist ein Wechsel zu einer der genannten Alternativen nach 4-6 Wochen angemessener Dosierung indiziert 1, 5.