Nächste Schritte nach erfolgreicher ICSI mit 3 Blastozysten
Bei 3 verfügbaren Blastozysten sollte ein einzelner Embryotransfer (Single Embryo Transfer, SET) durchgeführt werden, wobei die verbleibenden Blastozysten kryokonserviert werden – dies minimiert das Risiko von Mehrlingsschwangerschaften und deren Komplikationen bei gleichbleibender kumulativer Lebendgeburtenrate. 1
Embryotransfer-Strategie
Primäre Empfehlung: Single Embryo Transfer (SET)
Die European Society of Human Reproduction and Embryology (ESHRE) empfiehlt ausdrücklich SET bei Blastozystentransfers, unabhängig von der Blastozystenqualität. 1 Dies gilt sowohl für frische als auch für kryokonservierte Blastozysten.
Der Transfer von mehr als zwei Embryonen wird grundsätzlich nicht empfohlen aufgrund des erhöhten Risikos für Mehrlingsschwangerschaften höherer Ordnung. 1
Blastozysten haben ein erhöhtes Risiko für monozygote Zwillinge, selbst nach SET, was die Empfehlung für SET zusätzlich verstärkt. 1
Kryokonservierung der verbleibenden Embryonen
Die beiden nicht transferierten Blastozysten sollten vitrifikiert werden, wobei jeder Embryo in einem separaten Gerät kryokonserviert wird. 1 Dies erleichtert die SET-Praxis und verbessert die Rückverfolgbarkeit.
Die Kryokonservierung ermöglicht weitere Transferzyklen ohne erneute ovarielle Stimulation und ICSI-Prozedur.
Patientenberatung vor dem Transfer
Wesentliche Diskussionspunkte
Die ESHRE empfiehlt nachdrücklich, folgende Themen mit dem Paar zu besprechen: 1
Medizinische Risiken: Mehrlingsschwangerschaften nach Transfer von zwei Blastozysten sind mit erhöhtem Risiko für Präeklampsie, Gestationsdiabetes, Notfall-Kaiserschnitt, Frühgeburtlichkeit und niedrigem Geburtsgewicht verbunden. 1
Ektopisches Schwangerschaftsrisiko: Das Risiko steigt mit der Anzahl transferierter Embryonen um bis zum 20-fachen an. 1
Soziale und wirtschaftliche Konsequenzen: Mehrlingsschwangerschaften bedeuten erhöhte finanzielle Belastung, mehr Krankheitstage und psychologischen Stress für die Familie. 1
Patientenwünsche bezüglich Familienplanung: Beide Partner sollten in die Entscheidungsfindung einbezogen werden. 1
Klinisches Vorgehen nach Transfer
Frühe Schwangerschaftsüberwachung
Bei hohen initialen Beta-HCG-Werten sollte eine transvaginale Ultraschalluntersuchung früher als üblich durchgeführt werden (5-6 Wochen), da dies auf eine lebensfähige intrauterine Schwangerschaft mit erhöhter Wahrscheinlichkeit für monozygote Zwillinge hinweisen kann. 2
Ein Gestationssack sollte bei Beta-HCG >3000 im transvaginalen Ultraschall sichtbar sein. 2
Engmaschige Überwachung ist aufgrund des erhöhten Risikos für monozygote Zwillinge und assoziierte Schwangerschaftskomplikationen gerechtfertigt. 2
Bei ausbleibendem Erfolg
Die Entscheidung für einen doppelten Embryotransfer (DET) sollte NICHT auf der Anzahl vorheriger erfolgloser ART-Behandlungen basieren. 1 Die Evidenz zeigt keine höhere kumulative Lebendgeburtenrate durch DET bei Patientinnen mit schlechter Prognose.
Bei nachfolgenden Kryotransferzyklen gilt dieselbe Empfehlung: SET unabhängig von der Blastozystenqualität. 1
Wichtige Fallstricke
Vermeiden Sie den Transfer von zwei oder mehr Embryonen mit der Absicht einer späteren fetalen Reduktion – dies wird aufgrund der hohen Risiken des Eingriffs nicht empfohiert. 1
Die Entscheidung für DET sollte nicht auf Endometriumcharakteristika, Dauer der Infertilität oder vorherigen Schwangerschaften basieren. 1
Selbst Singleton-Schwangerschaften nach DET haben ein höheres Risiko für neonatalen Tod und Komplikationen im Vergleich zu SET. 1