Empfehlung zu Killerzell- und KIR/HLA-C-Testung vor Kryotransfer
Routinetestungen auf natürliche Killerzellen (NK-Zellen), KIR-Gene oder HLA-C-Typisierung werden vor einem Kryotransfer nicht empfohlen, da es keine evidenzbasierten Leitlinien gibt, die solche Tests zur Verbesserung der Schwangerschaftsergebnisse unterstützen.
Evidenzlage zur immunologischen Testung
Die aktuellen ESHRE-Leitlinien von 2024 zur Embryonentransfer-Praxis erwähnen weder NK-Zell-Testungen noch KIR/HLA-C-Genotypisierung als relevante Faktoren für die Entscheidungsfindung vor einem Kryotransfer 1, 2. Diese Leitlinien basieren auf systematischen Literaturrecherchen und identifizierten nur begrenzte randomisierte kontrollierte Studien (12 RCTs über verschiedene Schlüsselfragen), wobei die meisten Evidenzen aus Kohortenstudien stammen 1.
Fokus auf etablierte prognostische Faktoren
Die ESHRE-Leitlinien empfehlen stattdessen, sich auf folgende evidenzbasierte Faktoren zu konzentrieren 1:
- Embryoqualität und Entwicklungsstadium: Einzelembryotransfer (eSET) wird bei Blastozystentransfers unabhängig von der Qualität des vitrifiziert-aufgetauten Embryos empfohlen 1, 2
- Anzahl vorheriger erfolgloser Behandlungen: Obwohl dies ein prognostischer Faktor ist, rechtfertigt es keinen Doppelembryotransfer 1
- Alter der Patientin: Ein wichtiger Determinant für Erfolgswahrscheinlichkeit 1
- Spendereizellen oder Spenderembryonen: Ausschließlich eSET empfohlen 1, 2
Wissenschaftlicher Hintergrund zu KIR/HLA-C
Obwohl Forschungsstudien zeigen, dass KIR/HLA-C-Interaktionen zwischen uterinen NK-Zellen und Trophoblastzellen theoretisch eine Rolle bei der Plazentation spielen 3, 4, 5, und dass bestimmte KIR/HLA-C-Kombinationen mit Präeklampsie-Risiko assoziiert sein können 4, gibt es keine klinischen Leitlinien, die eine routinemäßige Testung vor IVF/ICSI-Behandlungen empfehlen.
Wichtige Einschränkungen der immunologischen Testung:
- Ethnische Variabilität: KIR/HLA-C-Kombinationen zeigen ethnische Unterschiede, was die Interpretation erschwert 3, 4
- Fehlende therapeutische Konsequenzen: Selbst wenn ungünstige Kombinationen identifiziert werden, gibt es keine etablierten Interventionen zur Verbesserung der Outcomes 4
- Komplexe Interaktionen: Die Funktionalität von KIR-Rezeptoren ist vielfältig und nicht vollständig verstanden 6, 5
Praktische Empfehlung für den Kryotransfer
Konzentrieren Sie sich auf folgende evidenzbasierte Maßnahmen:
- Einzelembryotransfer durchführen bei vitrifiziert-aufgetauten Blastozysten, unabhängig von der Embryoqualität, um Mehrlingsschwangerschaften und damit verbundene Komplikationen zu vermeiden 1, 2
- Patientenberatung über medizinische, wirtschaftliche, soziale und psychologische Konsequenzen der Embryonenzahl durchführen 1
- Shared Decision-Making mit beiden Partnern praktizieren 1
Häufige Fallstricke
Vermeiden Sie die Versuchung, bei Patientinnen mit mehreren erfolglosen Zyklen experimentelle immunologische Tests anzubieten, da die Evidenz zeigt, dass ein Doppelembryotransfer auch bei schlechter Prognose nicht mit höheren kumulativen Lebendgeburtenraten assoziiert ist 1. Stattdessen sollten Patientinnen über die erhöhten Risiken von Schwangerschaftskomplikationen bei Mehrlingsschwangerschaften aufgeklärt werden 1, 2.