NOAK-Therapie bei nicht-eingebluteter Sinusvenenthrombose
Bei diesem 30-jährigen Patienten mit nicht-eingebluteter Sinusvenenthrombose, normaler Nierenfunktion und 62 kg Körpergewicht sollte zunächst mit unfraktioniertem Heparin oder niedermolekularem Heparin begonnen werden, gefolgt von einer oralen Antikoagulation für 6-12 Monate, wobei NOAKs eine mögliche Alternative zu Vitamin-K-Antagonisten darstellen, auch wenn die Evidenz hierfür noch begrenzt ist.
Initiale Antikoagulation
Die Erstbehandlung sollte sofort mit Heparin erfolgen 1, 2, 3:
- Entweder gewichtsadaptiertes subkutanes niedermolekulares Heparin ODER dosisangepasstes intravenöses unfraktioniertes Heparin für typischerweise 5-8 Tage 1, 2, 4, 3
- Die Antikoagulation ist auch bei vorhandener intrakranieller Blutung NICHT kontraindiziert – dies gilt jedoch für Ihre Patientin nicht, da keine Einblutung vorliegt 1, 2, 3
- Überwachung in einer Stroke Unit oder neurointensivmedizinischen Einheit wird empfohlen 2
Übergang auf orale Antikoagulation
Nach der initialen Heparinphase erfolgt die Umstellung auf orale Antikoagulation 2, 3:
NOAK-Optionen bei normaler Nierenfunktion
Für diese Patientin mit normaler Nierenfunktion (Kreatinin-Clearance >60 ml/min) kommen folgende NOAKs in Betracht 1:
- Apixaban 5 mg zweimal täglich – hat die geringste renale Elimination (27%) und ist daher bei Gewicht <60 kg vorteilhaft 1
- Rivaroxaban 20 mg einmal täglich – etwa ein Drittel renale Elimination 1
- Dabigatran 150 mg zweimal täglich – hat die höchste renale Elimination (80%) und sollte bei dieser Patientin mit 62 kg Körpergewicht mit Vorsicht eingesetzt werden 1
Wichtige Überlegung zum Körpergewicht
Bei einem Körpergewicht von 62 kg (knapp über 60 kg) liegt die Patientin im Grenzbereich für Dosisanpassungen 1:
- **Apixaban würde bei <60 kg auf 2,5 mg zweimal täglich reduziert werden** (wenn zusätzlich Alter >80 Jahre oder Kreatinin >133 μmol/L vorliegen) 1
- Bei 62 kg und normalem Kreatinin ist die Standarddosis von 5 mg zweimal täglich angemessen 1
Behandlungsdauer
Die Dauer der Antikoagulation richtet sich nach der zugrunde liegenden Ätiologie 1, 2, 3:
- 3 Monate: wenn ein transienter Risikofaktor vorliegt (z.B. orale Kontrazeptiva, Schwangerschaft) 1, 2, 3
- 6-12 Monate: bei idiopathischer Sinusvenenthrombose oder "milder" Thrombophilie (heterozygote Faktor-V-Leiden- oder Prothrombin-G20210A-Mutation) 1, 2, 3
- Unbegrenzt: bei rezidivierender Sinusvenenthrombose oder "schwerer" Thrombophilie (Antithrombin-, Protein-C- oder Protein-S-Mangel, Antiphospholipid-Antikörper) 3
Evidenzlage für NOAKs bei Sinusvenenthrombose
Wichtiger Vorbehalt: Die etablierten Leitlinien empfehlen primär Vitamin-K-Antagonisten für die Langzeittherapie 1, 2, 3. NOAKs wurden in den großen randomisierten Studien zur Sinusvenenthrombose nicht untersucht 4, 3, 5.
Eine prospektive Beobachtungsstudie mit 36 Patienten zeigte jedoch 6:
- 94,4% komplette oder partielle Rekanalisation unter NOAK-Therapie
- 8,3% schwere Blutungen (hauptsächlich Menorrhagien unter Rivaroxaban)
- 5,6% Rezidivrate
- Keine Todesfälle
- Mediane Behandlungsdauer: 8,5 Monate
Praktische Empfehlung für diese Patientin
Konkrete Vorgehensweise:
Sofortiger Beginn: Niedermolekulares Heparin gewichtsadaptiert für 5-8 Tage 2, 6, 3
Überlappende Umstellung auf:
Behandlungsdauer: 6-12 Monate, abhängig von der Ätiologie (Thrombophilie-Screening durchführen) 1, 2, 3
Verlaufskontrolle:
Wichtige Fallstricke
- Medikamenteninteraktionen prüfen: Starke P-Glykoprotein- oder CYP3A4-Inhibitoren (z.B. Azol-Antimykotika, Clarithromycin, Verapamil) können NOAK-Spiegel erhöhen 1
- Keine Kombination mit Thrombozytenaggregationshemmern ohne zwingende Indikation – erhöht Blutungsrisiko deutlich 1
- Patientenaufklärung zur Compliance: NOAKs erfordern strikte Einnahmetreue, da keine Laborkontrollen erfolgen 1
- Bei Frauen im gebärfähigen Alter: Kontrazeption besprechen, da NOAKs in der Schwangerschaft kontraindiziert sind 1