Wann frühestmöglicher NOAK-Beginn bei zerebraler Sinusvenenthrombose
Bei Patienten mit zerebraler Sinusvenenthrombose und normaler Nierenfunktion können NOAKs zum Zeitpunkt der nächsten fälligen LMWH-Dosis begonnen werden, typischerweise nach 5-10 Tagen initialer parenteraler Antikoagulation. 1
Übergang von LMWH zu NOAKs
Die NOAKs sollten genau dann gestartet werden, wenn die nächste LMWH-Dosis fällig wäre – ohne Überlappungsphase. 1 Dies basiert auf der schnellen Wirksamkeit der NOAKs, die eine sofortige therapeutische Antikoagulation ermöglichen.
Praktisches Vorgehen:
Initiale Phase: Beginnen Sie mit parenteraler Antikoagulation (LMWH oder unfraktioniertes Heparin) unmittelbar bei Diagnosestellung der zerebralen Sinusvenenthrombose 1
Stabilisierungsphase: Nach 5-10 Tagen parenteraler Therapie, wenn der Patient stabil ist und keine Kontraindikationen bestehen, planen Sie den Übergang zu NOAKs 1
Direkter Wechsel: Stoppen Sie LMWH und starten Sie NOAKs zur Zeit der nächsten geplanten LMWH-Dosis 1
Keine Überlappung: Die gleichzeitige Gabe von LMWH und NOAC sollte vermieden werden, da dies das Blutungsrisiko ohne zusätzlichen Nutzen erhöht 1
Übergang von unfraktioniertem Heparin
Bei Patienten, die mit intravenösem unfraktioniertem Heparin behandelt werden, können NOAKs typischerweise 2-4 Stunden nach Beendigung der UFH-Infusion begonnen werden (Halbwertszeit 2 Stunden). 1
Wichtige Überlegungen bei normaler Nierenfunktion
Schneller Wirkungseintritt: NOAKs haben einen raschen Wirkungseintritt, weshalb ein "Bridging" mit Heparin nach NOAC-Start nicht empfohlen wird 1
Keine Routineüberwachung: Im Gegensatz zu Vitamin-K-Antagonisten benötigen NOAKs keine routinemäßige Laborüberwachung bei normaler Nierenfunktion 2
Medikamenteninteraktionen prüfen: Besonders wichtig sind starke P-Glykoprotein- und CYP3A4-Inhibitoren, die die NOAC-Plasmaspiegel erhöhen können 1
Auswahl des spezifischen NOAKs
Die Wahl sollte die renale Clearance berücksichtigen, auch wenn die Nierenfunktion normal ist:
- Dabigatran: 80% renale Elimination 1
- Rivaroxaban: Mittlere renale Elimination 2
- Apixaban: 27% renale Elimination 1
- Edoxaban: Mittlere renale Elimination 2
Häufige Fallstricke vermeiden
Verzögerte Antikoagulation: Bei bestätigter zerebraler Sinusvenenthrombose erhöht eine verzögerte Antikoagulation das Risiko für thromboembolische Ereignisse 3, 4
Intrakranielle Blutung ist keine Kontraindikation: Eine begleitende intrakranielle Blutung im Rahmen der CVST ist keine Kontraindikation für eine Heparintherapie 4, 5 – dies ist ein wichtiger Unterschied zu anderen Schlaganfallarten
Keine vorzeitige Überlappung: Beginnen Sie NOAKs nicht, während noch therapeutische LMWH-Spiegel vorhanden sind 1
Evidenzgrundlage
Die Empfehlungen basieren auf aktuellen europäischen Leitlinien, die den Übergang von parenteraler zu oraler Antikoagulation bei venösen Thrombosen beschreiben. 1 Während die meisten kontrollierten Studien zu CVST Vitamin-K-Antagonisten verwendeten 3, 4, zeigen neuere Beobachtungsstudien, dass NOAKs eine sichere Alternative darstellen können, mit Rekanalisationsraten von 94,4% 6