Evidenz der Homöopathie
Die wissenschaftliche Evidenz zeigt eindeutig, dass homöopathische Behandlungen keine spezifische medizinische Wirksamkeit über Placebo-Effekte hinaus besitzen und daher nicht als therapeutische Option empfohlen werden können.
Bewertung durch medizinische Leitlinien
Die aktuellsten und hochwertigsten Leitlinien sprechen eine klare Sprache gegen Homöopathie:
Das European Position Paper on Rhinosinusitis and Nasal Polyps (2020) konnte keine randomisierten kontrollierten Studien zur Homöopathie bei chronischer Rhinosinusitis nach 1990 identifizieren und kann daher keine Empfehlung für deren Einsatz aussprechen 1.
Die European Respiratory Society Guidelines (2005,2011) empfehlen explizit gegen den Einsatz homöopathischer Substanzen zur Prävention von Atemwegsinfektionen (Empfehlungsgrad C4) 1.
Die British Association of Dermatologists (2014) stuft Homöopathie bei Warzen als "insufficient evidence" ein, da keine ausreichenden Belege für eine Wirksamkeit vorliegen 1.
Die British Thoracic Society (2003) fand bei Asthma nur drei methodologisch akzeptable Studien mit inkonsistenten Ergebnissen und fordert große, gut designte Studien 1.
Die American Academy of Otolaryngology (2004) gibt keine Empfehlung für Homöopathie bei Otitis media mit Erguss ab, da wissenschaftliche Evidenz für Wirksamkeit fehlt 1.
Wissenschaftlicher Konsens
Die Forschungslage ist eindeutig:
Systematische Reviews zeigen widersprüchliche Ergebnisse: Eine Meta-Analyse von 89 Studien aus 2003 fand zwar eine kombinierte Odds Ratio von 2,45 zugunsten der Homöopathie, jedoch war dieser Effekt bei qualitativ hochwertigen Studien deutlich geringer (OR 1,66) und nach Korrektur für Publikationsbias nur noch marginal (OR 1,78) 2.
Keine spezifische Wirksamkeit für einzelne Erkrankungen: Trotz positiver Trends in einigen Bereichen gibt es keine überzeugenden Belege für spezifische klinische Indikationen 3, 4.
Aktuellste Bewertung (2021) stellt fest, dass es einen breiten wissenschaftlichen Konsens gibt, dass keine verlässliche Evidenz für spezifische medizinische Wirksamkeit existiert - die Effekte gehen nicht über Placebo und Kontexteffekte hinaus 5.
Mechanistische Implausibilität
Die theoretischen Grundlagen der Homöopathie widersprechen fundamentalen naturwissenschaftlichen Prinzipien:
Homöopathische Präparate werden so stark verdünnt, dass typischerweise nichts von der Originalsubstanz im Endprodukt verbleibt 1.
Die Behauptung, dass Wasser "Informationen speichert", entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage 1.
Jeder beobachtete klinische Effekt ist am ehesten auf Placebo-Effekte oder Studienverzerrungen zurückzuführen 1.
Klinische Implikationen
In der evidenzbasierten Medizin ist Homöopathie als therapeutische Option obsolet 5:
Die Akzeptanz bei Patienten basiert primär auf Beratung und emotionaler Zuwendung, nicht auf objektiven Behandlungseffekten 6.
Bei Kindern mit akuten Atemwegsinfektionen zeigte eine systematische Review von 8 RCTs mit 1562 Kindern keinen signifikanten Vorteil gegenüber Placebo 1.
Für Erwachsene mit Atemwegsinfektionen existieren keine vergleichbaren qualitativ hochwertigen Studien 1.
Wichtige Einschränkungen
Ein kritischer Punkt: Während Homöopathie selbst wahrscheinlich harmlos ist (sofern die Präparate nicht kontaminiert sind) 1, besteht das Risiko, dass Patienten auf wirksame, evidenzbasierte Therapien verzichten 3. Dies kann insbesondere bei ernsthaften Erkrankungen zu erheblicher Morbidität führen.