Routineuntersuchungen bei Diabetes insipidus
Bei Diabetes insipidus sollten routinemäßig Serumelektrolyte (Na, K, Cl, HCO₃), Serumkreatinin (für eGFR), Harnsäure, Urinosmolalität, 24-Stunden-Urinvolumen und Protein-Kreatinin- oder Albumin-Kreatinin-Verhältnis im Urin sowie bildgebende Verfahren durchgeführt werden, wobei die Häufigkeit vom Alter und der Schwere der Erkrankung abhängt. 1
Initiale diagnostische Untersuchungen
Bei Verdacht auf Diabetes insipidus sind folgende Basisuntersuchungen unverzichtbar:
- Serumelektrolyte und Osmolalität: Gleichzeitige Messung von Serumnatrium, Serumosmolalität und Urinosmolalität als initiale biochemische Abklärung 2, 3, 4
- Urinosmolalität: Eine Urinosmolalität <200 mOsm/kg H₂O in Kombination mit hochnormalem oder erhöhtem Serumnatrium ist pathognomonisch für Diabetes insipidus 2
- MRT des Gehirns: Bei allen Patienten mit neu aufgetretenen hormonellen Defiziten sollte ein MRT mit Hypophysen- oder Sellaschnitten durchgeführt werden, insbesondere bei Diabetes insipidus, da dieser am häufigsten durch metastatische Erkrankungen verursacht wird 1
Routinemäßige Verlaufskontrollen
Die Überwachungsfrequenz richtet sich nach dem Alter des Patienten 1:
Bei Säuglingen (0-12 Monate):
- Klinisch: Gewicht und Größe alle 2-3 Monate 1
- Blutuntersuchungen: Na, K, Cl, HCO₃, Kreatinin (für eGFR) und Harnsäure alle 2-3 Monate 1
- Urinuntersuchungen: Osmolalität jährlich 1
Bei Kindern (>12 Monate):
- Klinisch: Gewicht und Größe alle 3 Monate 1
- Blutuntersuchungen: Na, K, Cl, HCO₃, Kreatinin (für eGFR) und Harnsäure alle 3-12 Monate 1
- Urinuntersuchungen: Osmolalität jährlich 1
Bei Erwachsenen:
- Klinisch: Gewicht jährlich 1
- Blutuntersuchungen: Na, K, Cl, HCO₃, Kreatinin (für eGFR) und Harnsäure jährlich 1
- Urinuntersuchungen: Osmolalität, Protein-Kreatinin- oder Albumin-Kreatinin-Verhältnis und 24-Stunden-Urinvolumen jährlich 1, 5
Bildgebende Verlaufskontrollen
- Nierenultraschall: Mindestens alle 2 Jahre zur Überwachung auf Dilatation der Harnwege und/oder Blasenfunktionsstörungen durch Polyurie 1
- Bei stabilen Patienten kann das Intervall auf 5 Jahre verlängert werden 1
- Der Ultraschall sollte idealerweise vor und nach Blasenentleerung durchgeführt werden, da sich bei etwa einem Drittel der Patienten die Dilatation durch doppeltes Wasserlassen verbessert 1
Wichtige klinische Überlegungen
Unterscheidung zwischen zentralem und nephrogenem Diabetes insipidus: Plasma-Copeptin-Spiegel sollten als primärer differenzierender Test verwendet werden 2. Bei nephrogenem Diabetes insipidus liegt die Urinosmolalität typischerweise <500 mOsm/kg (oft ~100 mOsm/kg) trotz erhöhter Plasmaosmolalität 5.
Besondere Vorsicht bei Hypernatriämie: Wenn Plasmaosmolalität >300 mOsm/kg beträgt, sollte die Urinosmolalität überprüft werden, um Diabetes insipidus zu diagnostizieren 5. Eine Urinosmolalität <300 mOsm/kg bei Plasmaosmolalität >300 mOsm/kg ist pathognomonisch für Diabetes insipidus 5.
Chronische Nierenerkrankung: Patienten mit Diabetes insipidus haben ein erhöhtes Risiko für chronische Nierenerkrankungen, wobei etwa 50% der erwachsenen Patienten eine CKD-Stadium ≥2 aufweisen 6. Patienten mit fortschreitender CKD oder CKD-Stadium ≥G4 benötigen häufigere Verlaufskontrollen gemäß KDIGO-Leitlinien 1.
Multidisziplinäre Betreuung: Patienten mit Diabetes insipidus sollten von einem multidisziplinären Team betreut werden, das einen (pädiatrischen) Nephrologen, Ernährungsberater, Psychologen, Sozialarbeiter und Urologen umfasst 1.