Neuroleptika bei Übelkeit
Für Übelkeit sollten primär Dopaminantagonisten wie Metoclopramid (20-30 mg 3-4x täglich) oder Prochlorperazin (10-20 mg 3-4x täglich) eingesetzt werden, da diese als Standardneuroleptika in den Leitlinien für verschiedene Übelkeitsursachen empfohlen werden. 1
Dopaminantagonisten als Erstlinien-Neuroleptika
Die klassischen Neuroleptika wirken als Dopamin-D2-Rezeptorantagonisten und blockieren die Chemorezeptor-Triggerzone:
- Metoclopramid ist das am häufigsten empfohlene Neuroleptikum mit zusätzlicher prokinetischer Wirkung, dosiert mit 20-30 mg oral 3-4x täglich 1, 2
- Prochlorperazin wird mit 10-20 mg 3-4x täglich dosiert und ist besonders bei medikamenteninduzierter Übelkeit wirksam 1
- Haloperidol kann bei refraktärer Übelkeit eingesetzt werden, insbesondere in der Palliativmedizin 1, 3
- Metopimazin wird mit 15-30 mg dosiert und hat ein geringeres Risiko für extrapyramidale Nebenwirkungen 1, 3
Olanzapin als hochpotentes atypisches Neuroleptikum
Olanzapin (5-10 mg täglich) ist das wirksamste Neuroleptikum zur Übelkeitskontrolle, da es multiple Rezeptoren blockiert (D1-4,5-HT2A/2C/3/6, H1, muskarinerg). 1, 4, 5
- Olanzapin zeigte in Phase-III-Studien 69% "keine Übelkeit"-Raten versus 38% bei Aprepitant während der verzögerten Phase 1
- Bei Durchbruchübelkeit war Olanzapin Metoclopramid deutlich überlegen (68% vs. 23% keine Übelkeit) 1
- Die Dosierung beträgt 5-10 mg täglich oral, wobei 2,5-5 mg alle 6-8 Stunden bei refraktärer Übelkeit gegeben werden können 6, 4
- Häufigste Nebenwirkung ist Sedierung, aber keine schweren Toxizitäten in klinischen Studien 1, 5
Klinischer Algorithmus zur Auswahl
Bei leichter bis mittelschwerer Übelkeit:
- Beginnen Sie mit Metoclopramid 10-20 mg alle 6 Stunden oder Prochlorperazin 10-20 mg alle 6 Stunden 1, 6
- Metoclopramid bietet den Vorteil zusätzlicher prokinetischer Effekte bei Gastroparese 1, 2
Bei persistierender oder schwerer Übelkeit:
- Fügen Sie Olanzapin 5-10 mg täglich hinzu oder wechseln Sie zu Olanzapin als Monotherapie 1, 6
- Kombinieren Sie verschiedene Wirkstoffklassen (z.B. Dopaminantagonist + 5-HT3-Antagonist) für synergistische Effekte 1, 6
Bei refraktärer Übelkeit:
- Olanzapin 2,5-5 mg alle 6-8 Stunden ist die effektivste Option 6
- Haloperidol kann als Alternative bei Palliativpatienten erwogen werden 1, 3
Wichtige Warnhinweise und Fallstricke
Extrapyramidale Nebenwirkungen (EPS):
- Metoclopramid und Prochlorperazin können EPS verursachen, besonders bei Kindern und jungen Erwachsenen 1, 7, 3
- Diphenhydramin oder Benztropin sollten zur Behandlung von Dystonie bereitgehalten werden 1, 2
- Metopimazin und Domperidon haben ein niedrigeres EPS-Risiko 3
QT-Verlängerung:
- Viele Dopaminantagonisten (Metoclopramid, Haloperidol, Domperidon) können das QT-Intervall verlängern 7, 3
- Bei Risikopatienten EKG-Monitoring erwägen 8, 7
Tardive Dyskinesie:
- Chronischer Metoclopramid-Gebrauch (>3 Monate) erhöht das Risiko für tardive Dyskinesie 1
- Für Langzeitanwendung alternative Neuroleptika bevorzugen 1
Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz:
- Bei Kreatinin-Clearance <40 ml/min Metoclopramid-Dosis auf die Hälfte reduzieren 2
- Olanzapin erfordert keine Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz 5
Spezielle Situationen
Chemotherapie-induzierte Übelkeit:
- Dopaminantagonisten werden nur bei niedrig emetogener Chemotherapie als Erstlinie empfohlen 1
- Olanzapin ist Teil des Vier-Medikamenten-Regimes bei hochemetogener Chemotherapie 1, 3
Opioid-induzierte Übelkeit:
- Metoclopramid oder Haloperidol sind Erstlinienoptionen 1
- Bei persistierender Übelkeit >1 Woche Opioid-Rotation erwägen 1
Schwangerschaft: