Dronabinol als Antiemetikum: Empfehlung
Dronabinol wird NUR für refraktäre Chemotherapie-induzierte Übelkeit und Erbrechen empfohlen, wenn Patienten trotz optimaler leitliniengerechter antiemetischer Prophylaxe versagt haben – es ist NICHT als Erstlinientherapie geeignet. 1
Primäre Indikation und Evidenzlage
Dronabinol ist FDA-zugelassen für Übelkeit und Erbrechen bei Krebschemotherapie bei Patienten, die auf konventionelle Antiemetika nicht ausreichend angesprochen haben. 2
Die aktuellsten ASCO-Leitlinien (2024) geben eine schwache Empfehlung für Dronabinol:
- Erwachsene mit Krebs, die moderat oder hoch emetogene Chemotherapie mit leitlinienkonformer antiemetischer Prophylaxe erhalten und refraktäre Übelkeit/Erbrechen entwickeln, können ihr antiemetisches Regime mit Dronabinol, Nabilone oder einem qualitätskontrollierten oralen 1:1 THC:CBD-Extrakt ergänzen. 1
- Evidenzqualität: Moderat für Dronabinol und Nabilone 1
- Empfehlungsstärke: Schwach 1
Algorithmischer Behandlungsansatz bei Durchbruch-Übelkeit
Schritt 1: Optimale Prophylaxe sicherstellen
Vor Erwägung von Dronabinol muss der Patient bereits erhalten haben:
- Hochemetogenes Risiko: NK1-Rezeptorantagonist + 5-HT3-Rezeptorantagonist + Dexamethason + Olanzapin 1
- Moderates Risiko (Carboplatin AUC ≥4): NK1-Rezeptorantagonist + 5-HT3-Rezeptorantagonist + Dexamethason 1
- Moderates Risiko (andere): 5-HT3-Rezeptorantagonist + Dexamethason 1
Schritt 2: Bei Durchbruch-Übelkeit trotz Prophylaxe
Wenn Olanzapin NICHT prophylaktisch gegeben wurde:
Wenn Olanzapin bereits gegeben wurde:
- Erst dann Dronabinol als Option erwägen 1, 3
- Alternative Optionen derselben Empfehlungsstufe: NK1-Rezeptorantagonist, Lorazepam/Alprazolam, Dopamin-Rezeptorantagonist, Nabilone 1
Wichtige Einschränkungen und Kontraindikationen
Was Dronabinol NICHT ist:
- NICHT für Erstlinien-Prophylaxe von Chemotherapie-induzierter Übelkeit 1
- NICHT für Übelkeit/Erbrechen unabhängig von Chemotherapie 1
- NICHT für Strahlentherapie-induzierte Übelkeit 1
- Medizinisches Marihuana kann Dronabinol nicht ersetzen, da präzise Dosen und Zeitpläne fehlen 1, 3
Evidenzlücke:
Die meisten Studien zu Cannabinoiden bei Chemotherapie-induzierter Übelkeit stammen aus den 1970er-1980er Jahren und verglichen nicht mit modernen antiemetischen Regimen (Triple- oder Quadrupel-Prophylaxe). 1
Nebenwirkungen und Vorsichtsmaßnahmen
Cannabinoide sind mit erhöhten Raten folgender Nebenwirkungen assoziiert:
Diese Nebenwirkungen können dosislimitierend sein, besonders bei älteren Patienten. 5
Praktische Überlegungen
Dronabinol sollte nur in Betracht gezogen werden, wenn:
- Der Patient moderat oder hoch emetogene Chemotherapie erhält 1
- Leitliniengerechte antiemetische Prophylaxe bereits verabreicht wurde 1
- Olanzapin bereits versucht wurde (falls nicht prophylaktisch gegeben) 1, 3
- Der Patient über potenzielle psychotrope Nebenwirkungen aufgeklärt wurde 1, 4
Die Wirksamkeit von Dronabinol korreliert mit dem vom Patienten erlebten "High", was die Akzeptanz beeinflussen kann. 5