Management eines nicht gespülten Chemoports nach 4 Monaten
Bei einem Chemoport, der seit 4 Monaten nicht gespült wurde, sollten Sie zunächst die Durchgängigkeit vorsichtig prüfen, dann mit 0,9% NaCl-Lösung spülen und anschließend mit Heparin-Lösung blocken – jedoch nur nach sorgfältiger Beurteilung auf Thrombose und Infektion. 1
Initiale Beurteilung vor dem Spülen
Klinische Untersuchung
- Inspektion der Port-Tasche: Suchen Sie nach Rötung, Schwellung, Schmerzen oder Sekretion, die auf eine Port-Tascheninfektion hinweisen 1
- Systemische Infektionszeichen: Fieber, Schüttelfrost oder Malaise können auf eine katheterassoziierte Blutstrominfektion (CRBSI) hindeuten 1
- Thrombosesymptome: Achten Sie auf Armschwellung, Venenstauung oder sichtbare Kollateralvenen, die auf eine zentrale Venenthrombose hinweisen 1
Diagnostik bei Verdacht auf Komplikationen
- Bei Thromboseverdacht: Doppler-Ultraschall durchführen (Sensitivität 56-100%, Spezifität 94-100%) 1
- Bei Infektionsverdacht: Gepaarte Blutkulturen aus dem Port und einer peripheren Vene vor Antibiotikagabe abnehmen 1
Step-by-Step Spülprotokoll
Vorbereitung
- Händehygiene: Gründliche Händedesinfektion mit alkoholischem Händedesinfektionsmittel 1, 2
- Sterile Technik: Maximale Barrierevorkehrungen (Mundschutz, Haube, sterile Handschuhe) 1, 2
- Material bereitstellen:
Durchführung des Spülens
Schritt 1: Hautdesinfektion
- Port-Bereich mit >0,5% Chlorhexidin-Alkohol-Lösung desinfizieren 1
- Vollständig trocknen lassen vor der Punktion 2
Schritt 2: Port-Punktion
- Sterile Huber-Nadel verwenden
- Port-Membran senkrecht punktieren 1
Schritt 3: Aspirationstest (KRITISCH)
- Vorsichtig 2-5 ml Blut aspirieren um Durchgängigkeit zu prüfen 1
- CAVE: Bei Widerstand NICHT mit Gewalt spülen – Risiko einer Thrombusembolisation! 1
- Bei Aspirationsproblemen: Position des Patienten ändern (Arm heben, Kopf drehen) 1
Schritt 4: Spülung mit NaCl
- 10 ml 0,9% NaCl-Lösung mit pulsierender/turbulenter Spültechnik verwenden 1
- Dies entfernt alte Blocklösung und Blutbestandteile 1
- Bei Widerstand: STOPPEN und Thrombose/Fibrinmanschette abklären 1
Schritt 5: Heparin-Block (optional)
- Nach NaCl-Spülung: Heparin-Lösung instillieren (nur wenn vom Hersteller empfohlen) 1
- Wichtig: Bei implantierten Ports ist Heparin-Block für Intervalle >8 Stunden empfohlen 1
- Alternative: Reine NaCl-Blockung ist bei den meisten modernen Ports ausreichend 1
Schritt 6: Abschluss
- Nadel entfernen unter Aufrechterhaltung des positiven Drucks
- Steriles Pflaster auf Punktionsstelle 2
Spezifische Lösungen und Volumina
Empfohlene Spüllösungen
- Primär: 0,9% NaCl (physiologische Kochsalzlösung) – dies ist die Standardempfehlung 1
- Sekundär: Heparin-Lösung (100 IE/ml) nur als Block nach NaCl-Spülung, wenn vom Hersteller empfohlen 1
Volumina
- Spülvolumen: Mindestens 10 ml NaCl 1
- Blockvolumen: Entsprechend dem Kathetervolumen (üblicherweise 3-5 ml) 1
Mögliche Komplikationen nach dem Spülen
Sofortkomplikationen
1. Thrombusembolisation
- Risiko: Lösen eines Thrombus durch forciertes Spülen 1
- Prävention: Niemals gegen Widerstand spülen 1
- Symptome: Plötzliche Dyspnoe, Thoraxschmerz (Lungenembolie)
2. Katheterruptur
- Risiko: Zu hoher Druck beim Spülen gegen Okklusion
- Prävention: Immer 10-ml-Spritzen verwenden (geringerer Druck) 1
3. Luftembolie
- Risiko: Lufteintritt während Manipulation
- Prävention: Patient in Rückenlage, Valsalva-Manöver vermeiden 1
Verzögerte Komplikationen
4. Katheterassoziierte Infektion (CRBSI)
- Risiko: 2,5 pro 1000 Kathetertage bei Ports 1
- Nach 4 Monaten ohne Spülung: Erhöhtes Risiko durch Biofilm-Bildung 1
- Management: Bei Fieber >48h nach Spülung: Blutkulturen und empirische Antibiotikatherapie 1
5. Katheterassoziierte Thrombose
- Risiko: 4-8% symptomatische Thrombosen bei Onkologie-Patienten 1
- Management: Bei Armschwellung: Doppler-Ultraschall, dann LMWH-Therapie 1
Wichtige Fallstricke und deren Vermeidung
Fallstrick 1: Forciertes Spülen bei Okklusion
- Problem: Kann Thrombusembolie oder Katheterruptur verursachen
- Lösung: Bei Widerstand stoppen, Bildgebung veranlassen (Röntgen-Kontrastdarstellung) 1
Fallstrick 2: Verwendung kleiner Spritzen
- Problem: <10 ml Spritzen erzeugen zu hohen Druck
- Lösung: Immer mindestens 10-ml-Spritzen verwenden 1
Fallstrick 3: Heparin vor NaCl-Spülung
- Problem: Lipidpräzipitation möglich
- Lösung: Immer erst NaCl spülen, dann erst Heparin-Block 1
Fallstrick 4: Ignorieren von Aspirationsproblemen
- Problem: Kann auf Thrombose oder Fibrinmanschette hinweisen
- Lösung: Bei persistierenden Problemen: Fibrinolytische Therapie (Alteplase) oder Katheteraustausch erwägen 1
Wann Port-Entfernung erwägen
Absolute Indikationen zur Port-Entfernung: 1
- Port-Taschenabszess
- Septischer Schock
- Positive Blutkulturen für Pilze oder hochvirulente Bakterien (S. aureus)
- Komplizierte Infektion (Endokarditis, septische Thrombose)
- Nicht-funktioneller Port trotz Interventionen
Relative Indikationen:
- Rezidivierende CRBSI trotz Antibiotic-Lock-Therapie 1
- Symptomatische zentrale Venenthrombose mit Kontraindikation für Antikoagulation 1
Zukünftige Wartung
Nach erfolgreicher Spülung: