Antibiotika bei COPD-Exazerbation: Ja, aber nur unter bestimmten Bedingungen
Bei einem COPD-Patienten mit zwei Bronchitis-Episoden dieses Jahr, die Antibiotika benötigten, sollten Antibiotika bei der aktuellen Exazerbation verschrieben werden, wenn mindestens zwei der drei Anthonisen-Kriterien vorliegen: erhöhte Dyspnoe, erhöhtes Sputumvolumen UND erhöhte Sputumpurulenz. 1, 2
Wann Antibiotika bei COPD-Exazerbation indiziert sind
Die Entscheidung basiert auf der Schwere der COPD und den klinischen Symptomen:
Sofortige Antibiotikatherapie ist empfohlen bei:
- Typ I Anthonisen-Exazerbation: Alle drei Kardinalsymptome vorhanden (erhöhte Dyspnoe + erhöhtes Sputumvolumen + erhöhte Sputumpurulenz) 1
- Typ II Anthonisen-Exazerbation mit Purulenz: Zwei der drei Symptome, wobei erhöhte Sputumpurulenz eines davon sein muss 1, 2
- Schwere Exazerbation: Patienten, die invasive oder nicht-invasive mechanische Beatmung benötigen 1
- Chronische respiratorische Insuffizienz: Dyspnoe in Ruhe und/oder FEV1 <35% und Hypoxämie in Ruhe außerhalb der Exazerbation 1
Antibiotika sind NICHT empfohlen bei:
- Typ II ohne Purulenz und Typ III Exazerbationen (nur ein Symptom oder weniger) 1
- Stabilen COPD-Patienten zur Prophylaxe (wegen Resistenzentwicklung und Nebenwirkungen) 1
Ihr Patient: Warum Antibiotika wahrscheinlich indiziert sind
Bei einem Patienten mit:
- Bekannter COPD
- Zwei dokumentierte bakterielle Bronchitis-Episoden dieses Jahr (häufige Exazerbationen = ≥4 pro Jahr ist Risikofaktor)
- Aktuelle Exazerbation
Dieser Patient hat ein erhöhtes Risiko für bakterielle Infektionen und schlechte Outcomes. 1, 2 Die Anamnese von zwei Antibiotika-pflichtigen Episoden dieses Jahr deutet auf wiederkehrende bakterielle Infektionen hin.
Antibiotika-Auswahl
Erste Wahl für unkomplizierte Exazerbationen:
- Amoxicillin 500-1000 mg dreimal täglich 1, 2
- Amoxicillin/Clavulansäure (Co-Amoxiclav) 1
- Doxycyclin 100 mg zweimal täglich 2
- Neuere Makrolide: Azithromycin 500 mg täglich für 3 Tage oder Clarithromycin 250-500 mg zweimal täglich 1, 3
Bei Risikofaktoren für Pseudomonas aeruginosa:
Ihr Patient könnte Risikofaktoren haben, wenn mindestens zwei der folgenden zutreffen:
- Kürzliche Hospitalisierung 1
- Häufige Antibiotikagabe (>4 Kurse/Jahr) oder kürzliche Antibiotika (letzte 3 Monate) 1
- Schwere Erkrankung (FEV1 <30%) 1
- Orale Steroidtherapie (>10 mg Prednisolon täglich in den letzten 2 Wochen) 1
Bei Pseudomonas-Risiko: Ciprofloxacin oder Levofloxacin 750 mg/24h oder 500 mg zweimal täglich 1, 2
Behandlungsdauer
5 Tage Antibiotikatherapie sind ausreichend bei COPD-Exazerbationen mit klinischen Zeichen einer bakteriellen Infektion. 1 Ältere Leitlinien empfahlen 7-10 Tage 1, aber neuere Evidenz aus 2021 zeigt, dass 5 Tage genauso effektiv sind mit weniger Nebenwirkungen. 1
Klinische Beurteilung und Nachverfolgung
- Fieber sollte innerhalb von 2-3 Tagen nach Beginn der Antibiotikatherapie abklingen 1, 2
- Neubewertung nach 2-3 Tagen: Wenn Fieber (>38°C) länger als 3 Tage persistiert, ist eine Antibiotikatherapie oder Wechsel des Antibiotikums indiziert 1, 2
- Bei fehlendem Ansprechen: Nicht-infektiöse Ursachen ausschließen (inadäquate medikamentöse Behandlung, Embolie, Herzinsuffizienz) und mikrobiologische Reevaluation erwägen 1
Häufige Fallstricke
- Nicht alle COPD-Exazerbationen sind bakteriell: Viren verursachen etwa ein Drittel der Exazerbationen 4
- Herzinsuffizienz kann COPD-Exazerbation imitieren: Besonders bei bekannter Herzerkrankung und Kardiomegalie im Röntgen-Thorax 5
- Vermeiden Sie prophylaktische Antibiotika: Trotz rezidivierender Infektionen ist eine Langzeit-Antibiotikatherapie nicht empfohlen wegen Resistenzentwicklung 1
- Lokale Resistenzmuster beachten: Die Antibiotikawahl sollte lokale Resistenzmuster berücksichtigen 1, 2