Antidepressive Wirkmechanismen und Dosierungen von Aripiprazol, Amisulprid und Cariprazin
Aripiprazol, Amisulprid und Cariprazin wirken antidepressiv über dopaminerge Mechanismen, wobei Cariprazin die stärkste D3-Rezeptor-Präferenz aufweist und Amisulprid in niedriger Dosierung (50 mg zweimal täglich) selektiv präsynaptische D2/D3-Autorezeptoren blockiert. 1
Wirkmechanismen
Aripiprazol
- Partieller D2/D3-Agonismus: Aripiprazol wirkt als partieller Agonist an Dopamin-D2- und D3-Rezeptoren, was eine stabilisierende Wirkung auf das dopaminerge System ausübt 2
- Antidepressive Wirkung bei Negativsymptomen: Die Augmentation mit Aripiprazol verbessert Negativsymptome signifikant (standardisierte Mittelwertdifferenz −0,41,95% CI −0,79 bis −0,03, p = 0,036) 1, 2
- Dosierung für antidepressive Wirkung: 5-15 mg/Tag, wobei die Dosis bei schlechten CYP2D6-Metabolisierern reduziert werden sollte 3, 2
Amisulprid
- Dosisabhängiger Mechanismus: In niedriger Dosierung (50-100 mg/Tag) blockiert Amisulprid selektiv präsynaptische D2/D3-Autorezeptoren, was die Dopaminfreisetzung erhöht 1
- Spezifische Indikation: Besonders wirksam bei Negativsymptomen ohne ausgeprägte Positivsymptomatik 1
- Empfohlene Dosierung: 50 mg zweimal täglich für antidepressive/Negativsymptom-Wirkung 1
- Höhere Dosen (200-800 mg/Tag) blockieren postsynaptische D2-Rezeptoren und wirken antipsychotisch 4
Cariprazin
- D3-Rezeptor-präferierender partieller Agonist: Cariprazin zeigt die höchste Affinität und Selektivität für D3-Rezeptoren unter allen Antipsychotika 5
- D3-abhängiger antidepressiver Mechanismus: Die antianhedonische und antidepressive Wirkung ist vollständig D3-Rezeptor-abhängig, wie Studien an D3-Knockout-Mäusen zeigen 5
- Anxiolytische Komponente: Reduziert signifikant die Trinklatenz im Novelty-Induced Hypophagia Test, was auf anxiolytische Eigenschaften hinweist 5
- Dosierung: Typischerweise 1,5-6 mg/Tag, wobei niedrigere Dosen für Negativsymptome ausreichend sein können 1
Aripiprazol und metabolisches Syndrom
Aripiprazol ist bei metabolischem Syndrom bevorzugt, weil es das günstigste metabolische Profil aller Antipsychotika aufweist und sogar bestehende metabolische Parameter verbessern kann. 6
Metabolische Vorteile von Aripiprazol
- Minimale Gewichtszunahme: Mittlere Differenz zu Placebo nur -0,23 kg (nicht signifikant), während Olanzapin +3,01 kg verursacht 6
- Günstigstes Lipidprofil: Aripiprazol, Brexpiprazol, Cariprazin, Lurasidon und Ziprasidon zeigen die günstigsten metabolischen Profile 6
- Gewichtsreduktion möglich: In klinischen Studien führte Aripiprazol zu signifikanter Gewichtsabnahme bei gesunden Probanden 7
- Keine Hyperprolaktinämie: Im Gegensatz zu Olanzapin induziert Aripiprazol keine Prolaktinerhöhung 7
Vergleich zu Olanzapin
- Olanzapin zeigt die schlechtesten metabolischen Effekte: BMI-Anstieg +1,07 kg/m², LDL-Cholesterin +0,20 mmol/L, deutliche Gewichtszunahme 6
- Clozapin und Olanzapin haben die schlechtesten kardiometabolischen Profile und die höchste anticholinerge Belastung 1
Olanzapins antidepressive Wirkung
Olanzapin wirkt antidepressiv durch multiple Rezeptorinteraktionen, insbesondere 5-HT2A-Antagonismus und noradrenerge Modulation, ist aber aufgrund schwerer metabolischer Nebenwirkungen keine Erstlinientherapie für Depression. 3
Mechanismen der antidepressiven Wirkung
- FDA-Zulassung für bipolare Depression: Olanzapin ist in Kombination mit Fluoxetin für bipolare Depression zugelassen 3
- Multirezeptor-Antagonismus: Starke Blockade von 5-HT2A-, H1- und muskarinischen Rezeptoren trägt zur Stimmungsstabilisierung bei 3
- Sedierung als therapeutischer Effekt: Die sedierende Wirkung kann bei agitierter Depression hilfreich sein, ist aber mit anticholinergen Effekten verbunden 3
Klinische Einschränkungen
- Schwere metabolische Nebenwirkungen: Olanzapin verursacht signifikante Gewichtszunahme, Dyslipidämie und Glukosestörungen 6, 7
- Metformin-Augmentation empfohlen: Bei Verwendung von Olanzapin oder Clozapin sollte adjuvantes Metformin zur Minderung metabolischer Nebenwirkungen erwogen werden 1
- Geringere Wirksamkeit als Amisulprid: In der BeSt InTro-Studie war Amisulprid signifikant wirksamer als Olanzapin (PANSS-Reduktion 32,7 vs. 23,3 Punkte, p=0,025) 4
Dosierung
- Startdosis: 2,5-5 mg oral oder subkutan, typischerweise abends wegen sedierender Wirkung 3
- Vorsicht bei Kombination: Todesfälle wurden bei gleichzeitiger Gabe hoher Olanzapin-Dosen mit Benzodiazepinen berichtet (Risiko für Übersedierung und Atemdepression) 3
Klinischer Algorithmus für die Auswahl
Bei metabolischem Syndrom oder metabolischen Risikofaktoren:
Bei primären Negativsymptomen mit kontrollierten Positivsymptomen:
Bei bipolarer Depression: