AREDS2-Formulierung für altersbedingte Makulopathie
Die empfohlene AREDS2-Formulierung für Patienten mit intermediärer oder fortgeschrittener altersbedingter Makuladegeneration (AMD) in mindestens einem Auge besteht aus: Vitamin C (500 mg), Vitamin E (400 IU), Zink (25 mg), Kupfer (2 mg), Lutein (10 mg) und Zeaxanthin (2 mg) – wobei Beta-Carotin aufgrund des erhöhten Lungenkrebsrisikos bei Rauchern und ehemaligen Rauchern weggelassen wird. 1, 2
Spezifische Komponenten der AREDS2-Formulierung
Die AREDS2-Studie hat die ursprüngliche AREDS-Formulierung optimiert und folgende Änderungen vorgenommen:
Lutein (10 mg) und Zeaxanthin (2 mg) ersetzen Beta-Carotin als Carotinoide, da Beta-Carotin bei aktuellen und ehemaligen Rauchern mit einem 28% erhöhten relativen Risiko für Lungenkrebs assoziiert war (95% CI, 1,04-1,57; P=0,02). 3, 4
Zink in reduzierter Dosis (25 mg) ist genauso wirksam wie die ursprüngliche Dosis von 80 mg, vermeidet aber das erhöhte Risiko für urogenitale Hospitalisierungen (7,5% bei 80 mg vs. 4,9% ohne Zink; P=0,001). 3, 1
Kupfer (2 mg) muss obligatorisch beigefügt werden, um eine Kupfermangelanämie durch die Zinkgabe zu verhindern. 3, 1
Vitamin C (500 mg) und Vitamin E (400 IU) bleiben unverändert aus der ursprünglichen AREDS-Formulierung. 1, 5
Evidenz für Wirksamkeit
Die AREDS2-Studie zeigte in explorativen Analysen wichtige Ergebnisse:
Der direkte Vergleich von Lutein/Zeaxanthin versus Beta-Carotin ergab eine Hazard Ratio von 0,82 (95% CI, 0,69-0,96; P=0,02) für die Entwicklung fortgeschrittener AMD. 4
Bei Patienten mit bilateralen großen Drusen war die Hazard Ratio für Progression zu später AMD 0,76 (95% CI, 0,61-0,96; P=0,02) und für neovaskuläre AMD 0,65 (95% CI, 0,49-0,85; P=0,002) beim Vergleich Lutein/Zeaxanthin versus Beta-Carotin. 4
Die AREDS2-Supplementierung kann das Progressionsrisiko über 10 Jahre um bis zu 36% reduzieren. 1
Indikationen für AREDS2-Supplementierung
Klare Indikationen bestehen für:
Patienten mit intermediärer AMD (bilaterale große Drusen mit oder ohne Pigmentveränderungen). 1, 2
Patienten mit fortgeschrittener AMD in einem Auge und großen Drusen im Partnerauge. 1, 2
Patienten mit bilateralen weichen Drusen, konfluenten Drusen, RPE-Verklumpung oder Atrophie. 1
Wichtige klinische Überlegungen
Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen:
Bei aktiven Rauchern sollte Beta-Carotin definitiv vermieden werden – die AREDS2-Studie dokumentierte 23 Lungenkrebsfälle (2,0%) in der Beta-Carotin-Gruppe versus 11 (0,9%) ohne Beta-Carotin (P=0,04), hauptsächlich bei ehemaligen Rauchern. 2
Die hochdosierten Vitamine und Mineralien sollten mit dem Hausarzt besprochen werden, insbesondere wegen möglicher urogenitaler Nebenwirkungen. 3
Selbstberichtete Gelbfärbung der Haut trat bei 8,3% in der Antioxidantien-Gruppe auf (versus 6,0% ohne Antioxidantien; P=0,008). 3
Kombination mit Anti-VEGF-Therapie
Bei Patienten mit neovaskulärer (feuchter) AMD sollte die AREDS2-Supplementierung mit Anti-VEGF-Therapie kombiniert werden:
Anti-VEGF-Behandlung (Aflibercept, Ranibizumab oder Bevacizumab) sollte sofort nach Diagnosestellung begonnen werden. 1
Initiale Behandlung besteht aus drei Aufsättigungsdosen im 4-Wochen-Intervall. 3, 1
Nach den Aufsättigungsdosen kann Aflibercept alle 8 Wochen verabreicht werden, was vergleichbare Wirksamkeit wie monatliche Gabe zeigt. 3
Monitoring und Nachsorge
Patienten unter AREDS2-Supplementierung benötigen:
Regelmäßige umfassende Augenuntersuchungen zur Früherkennung, da frühe AMD typischerweise asymptomatisch ist. 1
Amsler-Gitter zur Selbstüberwachung auf Metamorphopsien (verzerrtes Sehen). 1
Bei Patienten mit feuchter AMD in einem Auge: Das Partnerauge bleibt extrem gefährdet und sollte alle 6-12 Monate untersucht werden, auch ohne Symptome. 1