Kaffee-Verzicht bei funktioneller Dyspepsie
Es gibt keine evidenzbasierte Empfehlung für einen generellen Kaffee-Verzicht bei funktioneller Dyspepsie, und die aktuellen Leitlinien erwähnen Kaffee nicht als spezifische Diätmaßnahme. 1
Evidenzlage zu Kaffee und funktioneller Dyspepsie
Die British Society of Gastroenterology-Leitlinien von 2022 stellen klar fest, dass es unzureichende Evidenz gibt, um spezifische Diättherapien bei funktioneller Dyspepsie zu empfehlen 1. Kaffee wird in diesen hochrangigen Leitlinien nicht als zu vermeidendes Nahrungsmittel aufgeführt 1, 2.
Wichtige Forschungsergebnisse zu Kaffee
- Patienten mit funktioneller Dyspepsie berichten häufiger über kaffeeinduzierte Symptome (53%) als gesunde Kontrollen (22%), während Patienten mit Ulkuskrankheit keine erhöhte Symptomrate zeigen (29% vs. 22%) 3
- Der tatsächliche Kaffeekonsum unterscheidet sich jedoch nicht zwischen Patienten mit funktioneller Dyspepsie und gesunden Kontrollen 3
- Eine Studie von 2021 zeigte, dass der Ersatz von koffeinhaltigem oder entkoffeiniertem Kaffee durch einen koffeinfreien Kaffee-Ersatz die Symptome der funktionellen Dyspepsie signifikant reduzierte (p < 0.001) 4
Empfehlung zu entkoffeiniertem Kaffee
Entkoffeinierter Kaffee ist nicht vorteilhafter als normaler Kaffee bei funktioneller Dyspepsie, da beide Formen Magensäuresekretion stimulieren und Symptome auslösen können 3. Die Studie von 2021 zeigte, dass sowohl koffeinhaltiger als auch entkoffeinierter Kaffee durch einen koffeinfreien Ersatz ausgetauscht werden sollten, um Symptomverbesserung zu erreichen 4.
Praktisches Vorgehen
Individualisierter Ansatz statt pauschaler Restriktion
- Patienten sollten aufgefordert werden, Trigger-Nahrungsmittel zu identifizieren und zu vermeiden, während übermäßig restriktive Diäten vermieden werden müssen 2
- Eine frühzeitige Einbindung von Diätassistenten wird empfohlen, um Mangelernährung oder Essstörungen zu verhindern 1, 2
- Übermäßig restriktive Diäten können zu Mangelernährung oder gestörtem Essverhalten führen, einschließlich vermeidend-restriktiver Essstörungen (ARFID) 1, 2
Wenn Kaffee als Trigger identifiziert wird
- Bei Patienten, die eindeutig Symptome nach Kaffeekonsum berichten, ist ein Versuch mit vollständigem Verzicht (einschließlich entkoffeiniertem Kaffee) für 4 Wochen gerechtfertigt 4
- Ein koffeinfreier Kaffee-Ersatz kann als Alternative angeboten werden 4
Wichtige Fallstricke
- Vermeiden Sie pauschale Empfehlungen zum Kaffee-Verzicht ohne individuelle Symptomkorrelation 1
- Die Empfehlung, Kaffee zu meiden, basiert oft auf empirischen Überlegungen und nicht auf qualitativ hochwertiger Evidenz 5, 6
- Hypervigilanz und Symptomantizipation können durch übermäßige Diätrestriktionen verstärkt werden 6
Evidenzbasierte Erstlinientherapie statt Diätrestriktionen
Anstelle von Diätmaßnahmen sollten folgende evidenzbasierte Therapien priorisiert werden:
- H. pylori-Test und Eradikation bei positivem Befund (starke Empfehlung, hohe Evidenzqualität) 1, 2
- Protonenpumpenhemmer in niedrigster wirksamer Dosis bei H. pylori-negativen Patienten (starke Empfehlung, hohe Evidenzqualität) 1, 2
- Regelmäßige aerobe Bewegung für alle Patienten (starke Empfehlung, trotz sehr niedriger Evidenzqualität) 1, 2
- Trizyklische Antidepressiva in niedriger Dosis (z.B. Amitriptylin 10 mg täglich, langsam titriert auf 30-50 mg) als Zweitlinientherapie (starke Empfehlung, moderate Evidenzqualität) 1, 2