Evidenz für Echinacea bei Erkältung
Die meisten Echinacea-Produkte sind bei der Behandlung von Erkältungen nicht wirksam, und die wenigen Produkte, die möglicherweise einen schwachen Nutzen zeigen, haben eine fragwürdige klinische Relevanz. 1
Hauptempfehlung basierend auf Leitlinien
Die European Position Paper on Rhinosinusitis and Nasal Polyps 2020 kommt nach Analyse einer Cochrane-Übersichtsarbeit von 2014 mit 24 doppelblinden Studien und 4.631 Teilnehmern zu einem klaren Schluss: Echinacea-Produkte haben keinen nachgewiesenen Nutzen bei der Behandlung von Erkältungen. 1
Die Leitlinie stuft die Evidenz als Level 1a ein (höchste Qualität) mit einer negativen Empfehlung. 1 Obwohl einige Echinacea-Produkte möglicherweise einen schwachen Nutzen zeigen könnten, sind die potenziellen Effekte von fragwürdiger klinischer Relevanz. 1
Vergleich mit wirksamen Alternativen
Im Gegensatz zu Echinacea gibt es bei Erkältungen nachweislich wirksame Behandlungen:
Wirksame Optionen:
- Zink-Lutschtabletten (≥75 mg/Tag als Zinkacetat oder Zinkgluconat) reduzieren signifikant die Erkältungsdauer, wenn sie innerhalb von 24 Stunden nach Symptombeginn eingenommen werden 1, 2, 3
- Kombinationspräparate aus Antihistaminika-Analgetika-Dekongestantien zeigen einen allgemeinen Nutzen bei Erwachsenen und älteren Kindern 1, 2
- Andere pflanzliche Arzneimittel (außer Echinacea) wie BNO1016 (Sinupret), Cineol und Andrographis paniculata SHA-10-Extrakt haben eine signifikante Wirkung auf Erkältungssymptome ohne wichtige Nebenwirkungen 1, 2
Analyse der Forschungsevidenz
Die neueste qualitativ hochwertige Studie von 2010 im Annals of Internal Medicine mit 719 Patienten zeigte keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen Echinacea und Placebo. 4 Die mittlere Krankheitsdauer betrug 6,34 Tage in der verblindeten Echinacea-Gruppe versus 6,87 Tage in der Placebo-Gruppe (nicht signifikant, P = 0,075). 4
Ältere Studien zeigen widersprüchliche Ergebnisse, jedoch mit erheblichen methodischen Mängeln:
- Eine strukturierte Übersichtsarbeit von 2005 identifizierte, dass von 9 placebokontrollierten Studien nur 2 alle 11 Qualitätskriterien erfüllten – beide mit negativen Ergebnissen 5
- Die 6 Studien mit positiven Ergebnissen wiesen methodische Schwächen auf, insbesondere fehlende Verblindungsnachweise 5
Wichtige Einschränkungen
Häufige Fallstricke:
- Verschiedene Echinacea-Produkte verwenden unterschiedliche Pflanzenteile (Wurzel vs. Kraut), Extraktionsmethoden und Standardisierungen, was Vergleiche erschwert 6, 7
- Kommerzielle Präparate sind oft nicht standardisiert und entsprechen nicht den in Studien verwendeten Formulierungen 6
- Die hohe Variabilität zwischen Produkten macht es unmöglich, allgemeine Empfehlungen auszusprechen 1, 5
Praktische Konsequenz
Anstatt Echinacea zu empfehlen, sollten Sie Patienten auf evidenzbasierte Alternativen hinweisen:
- Zink-Lutschtabletten (≥75 mg/Tag) innerhalb von 24 Stunden nach Symptombeginn 2, 3
- Symptomatische Behandlung mit Dekongestantien (kurzfristig), NSAIDs oder Paracetamol 1, 2
- Nasale Kochsalzspülung für zusätzliche Symptomlinderung 2
Die Sicherheit von Echinacea ist akzeptabel, aber ohne nachgewiesenen klinischen Nutzen ist die Empfehlung nicht gerechtfertigt. 1, 6