Evidenz körperzentrierter Psychotherapie
Körperzentrierte Psychotherapien wie Yoga, Meditation und Entspannungstechniken zeigen nachweislich Wirksamkeit bei verschiedenen psychischen Erkrankungen, insbesondere bei Angststörungen, Depression und PTBS, wobei die Evidenzqualität je nach Intervention variiert.
Yoga-Interventionen
Yoga wird mit Evidenzgrad B zur Verbesserung der Lebensqualität empfohlen, basierend auf 12 randomisierten kontrollierten Studien bei Brustkrebspatientinnen 1. Die Evidenz zeigt:
- Systematische Reviews mit 742 Teilnehmern demonstrieren kurzfristige Effekte auf psychologische Gesundheit, einschließlich Angst (p < 0,01), wahrgenommenen Stress (p = 0,03) und psychische Belastung (p < 0,01) 1
- Diese Effekte waren nur während der aktiven Krebsbehandlung nachweisbar, nicht in der Post-Treatment-Phase 1
- Bei Kindern und Jugendlichen verbessert Yoga nachweislich Selbstwertgefühl, Klassenverhalten, Konzentration und emotionale Balance 1
- Yoga zeigt positive Effekte auf metabolische und hormonelle Parameter in vier kontrollierten Studien 1
Meditation und Achtsamkeitsbasierte Interventionen
Mindfulness-Based Stress Reduction (MBSR) zeigt kleine, aber signifikante Effekte auf die Lebensqualität:
- Meta-Analysen mit 248 Patienten in sechs Studien berichten eine kleine Effektgröße (p < 0,01) für Lebensqualität 1
- Das Nebenwirkungsrisiko ist minimal, mit wenigen berichteten unerwünschten Ereignissen und niedrigen Dropout-Raten 1
- Gruppenformate und Online-Adaptationen sind kosteneffektiv und können als Ergänzung zu traditioneller Psychotherapie eingesetzt werden 1
Entspannungstechniken und Biofeedback
Entspannungstraining kann als Zusatzbehandlung bei depressiven Episoden erwogen werden, insbesondere bei moderater bis schwerer Depression 1:
- Entspannungstraining und körperliche Aktivität sollten bei moderater und schwerer Depression als adjuvante Behandlung betrachtet werden 1
- Biofeedback zeigt Wirksamkeit bei funktionellen Bauchschmerzen bei Kindern 1
- Relaxation Response ist mit Verbesserungen des Selbstwertgefühls assoziiert 1
Körperzentrierte Interventionen bei PTBS
Die Evidenz für körperzentrierte Therapien bei PTBS ist begrenzt und sollte nicht als Erstlinientherapie eingesetzt werden:
- Trauma-fokussierte kognitive Verhaltenstherapie (TFCBT) und EMDR bleiben die Erstlinienbehandlungen mit den stärksten Effektstärken (SMD -1.40 bis -2.07) 2, 3
- Körperliche Aktivität kann als adjuvante Therapie zur Reduktion der PTBS-Symptomschwere dienen 4
- Psychologisches Debriefing sollte nicht zur Reduktion von PTBS-Symptomen nach kürzlichen traumatischen Ereignissen eingesetzt werden 1
Systematische Übersicht körperzentrierter Interventionen
Eine umfassende Review von 2019 evaluierte multiple körperzentrierte Therapien 5:
- Massagetherapie zeigt die robusteste Evidenz für verschiedene Altersgruppen und Populationen zur Reduktion von Stress, Depression und Angst 5
- Tai-Chi, Tanz-/Bewegungstherapie, funktionelle Entspannung, Reflexologie, Akupunktur und Emotional Freedom Technique zeigen Wirksamkeit bei Stress, Depression und Angst 5
- Rolfing und Reflexologie haben die geringste Evidenzbasis mit wenigen Studien und kleinen Stichprobengrößen 5
Wichtige Einschränkungen und klinische Überlegungen
Die Evidenzqualität ist durch mehrere Faktoren limitiert:
- Kleine Stichprobengrößen, hohe Abbruchraten und fehlende Evaluator-Verblindung in vielen Studien 1
- Heterogenität der Interventions- und Kontrolldesigns erschwert direkte Vergleiche 1
- Gut konzipierte kontrollierte Studien mit längeren Follow-up-Perioden sind erforderlich 1
Klinische Implementierung
Körperzentrierte Therapien sollten als Ergänzung, nicht als Ersatz für evidenzbasierte Psychotherapien eingesetzt werden:
- Bei Reizdarmsyndrom mit psychischer Komorbidität können Brain-Gut Behaviour Therapies (BGBT) wie CBT und Hypnotherapie wirksam sein 1
- Patienten mit IBS und psychischer Komorbidität sprechen möglicherweise schlechter auf BGBT an und benötigen zunächst oder gleichzeitig eine allgemeine Psychotherapie 1
- Digitale Behandlungsmethoden sollten nur nach angemessener Beurteilung durch Fachpersonal empfohlen werden 1