Was passiert bei 200 mg Testosteron pro Woche über 3-4 Monate?
Eine Dosis von 200 mg Testosteron pro Woche liegt am oberen Ende oder über der empfohlenen therapeutischen Dosierung und wird über 3-4 Monate zu supraphysiologischen Testosteronspiegeln, kompletter Suppression der körpereigenen Testosteronproduktion, Azoospermie oder schwerer Oligospermie, und erhöhtem Risiko für Polyzythämie und möglicherweise kardiovaskuläre Komplikationen führen.
Dosierung im Kontext der medizinischen Leitlinien
Die von Ihnen genannte Dosis überschreitet die Standardempfehlungen:
- Die American Urological Association empfiehlt 50-100 mg wöchentlich als typische Erhaltungsdosis für Testosteronersatztherapie, mit dem Ziel, Testosteronspiegel im mittleren Normalbereich (450-600 ng/dL) zu erreichen 1, 2
- Die FDA-Zulassung für Testosteron Cypionate gibt 50-400 mg alle 2-4 Wochen an, wobei 200 mg alle 2 Wochen (entspricht 100 mg/Woche) eine Standarddosis darstellt 3
- 200 mg wöchentlich entspricht der doppelten Standarddosis und führt zu Testosteronspiegeln, die das 1,5- bis 3-fache der normalen physiologischen Werte erreichen können 4
Zu erwartende physiologische Effekte nach 3-4 Monaten
Suppression der körpereigenen Hormonproduktion
- Komplette Suppression von LH und FSH tritt bereits bei 50 mg/Woche auf; bei 200 mg/Woche ist die Suppression maximal und anhaltend 4
- Die körpereigene Testosteronproduktion wird durch negativen Feedback-Mechanismus vollständig unterbrochen 3
- Diese Suppression persistiert während der gesamten Behandlungsdauer und die Erholung kann nach Absetzen Monate dauern 1
Auswirkungen auf die Fertilität
- Schwere Oligospermie oder Azoospermie entwickelt sich parallel zur LH/FSH-Suppression innerhalb von 3-4 Monaten 4
- Bei 300 mg/Woche (nur 50% höher als Ihre Dosis) erreichten nicht alle Männer Azoospermie, aber die Spermienproduktion war bei allen massiv reduziert 4
- Die American Urological Association gibt eine starke Empfehlung (Grade A), dass exogenes Testosteron nicht bei Männern angewendet werden sollte, die versuchen, Kinder zu zeugen 1
- Die Erholung der Spermatogenese nach Absetzen ist nicht garantiert und kann 6-12 Monate oder länger dauern 1
Hämatologische Veränderungen
- Polyzythämie (erhöhte Erythrozytenzahl) tritt bei injizierbarem Testosteron deutlich häufiger auf als bei transdermalen Präparaten 2, 5
- Bei supraphysiologischen Dosen ist das Risiko für Polyzythämie erheblich erhöht, mit Hämatokrit-Anstiegen, die klinisch relevant werden können 4
- Studien zeigen Polyzythämie-Raten von 43,8% bei intramuskulären Injektionen 2
Kardiovaskuläre Überlegungen
- Injizierbare Testosteronformulierungen können ein höheres kardiovaskuläres Risiko bergen als transdermale Präparate, möglicherweise aufgrund fluktuierender Testosteronspiegel 2, 5
- Bei 200 mg wöchentlich entstehen ausgeprägte Spitzen-und-Tal-Schwankungen der Testosteronspiegel, mit supraphysiologischen Spitzenwerten 2-5 Tage nach Injektion 6
- Die American Urological Association rät, dass Männer unter Testosterontherapie über kardiovaskuläre Symptome wie Brustschmerzen, Kurzatmigkeit oder Schwindel beraten werden sollten 1
Weitere zu erwartende Effekte
- Gewichtszunahme durch Wasserretention und erhöhte Muskelmasse 4
- Akne, besonders am Rumpf, tritt häufig bei höheren Dosen auf 4
- Erhöhte Stickstoff-, Natrium-, Kalium- und Phosphorretention 3
- Mögliche Stimmungsschwankungen aufgrund der stark fluktuierenden Hormonspiegel 6
Wichtige Warnhinweise
Wenn Sie Kinder zeugen möchten
- Verwenden Sie diese Dosis auf keinen Fall, da sie mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Unfruchtbarkeit führt, die möglicherweise nicht vollständig reversibel ist 1
Wenn Sie kardiovaskuläre Vorerkrankungen haben
- Testosterontherapie sollte 3-6 Monate nach einem kardiovaskulären Ereignis nicht begonnen werden 1
- Bei bestehenden kardiovaskulären Risikofaktoren ist besondere Vorsicht geboten 2
Monitoring-Anforderungen
- Testosteronspiegel sollten nach 2-3 Monaten gemessen werden, idealerweise in der Mitte zwischen zwei Injektionen 2, 5
- Bei dieser Dosis werden die Spiegel wahrscheinlich weit über dem therapeutischen Zielbereich liegen
- Hämatokrit muss regelmäßig überwacht werden wegen des Polyzythämie-Risikos 2
Kontext: Therapeutische vs. supraphysiologische Anwendung
Die von Ihnen beschriebene Dosierung liegt im Bereich, der in Studien zur männlichen Kontrazeption oder zum Verständnis supraphysiologischer Effekte verwendet wurde, nicht im Bereich der Standardtherapie bei Hypogonadismus 4. Wenn Sie diese Dosis ohne medizinische Indikation und ärztliche Überwachung verwenden, setzen Sie sich erheblichen gesundheitlichen Risiken aus, insbesondere bezüglich Fertilität, Hämatokrit-Erhöhung und kardiovaskulärer Komplikationen.