Verwendung von Metildigoxin in Österreich
In Österreich kann Metildigoxin (Beta-Methyldigoxin) als orales Digitalisglykosid verwendet werden, wobei die Dosierung aufgrund der besseren Bioverfügbarkeit im Vergleich zu Digoxin angepasst werden muss – die äquivalente Dosis beträgt etwa 65% der Digoxin-Dosis.
Pharmakologische Grundlagen von Metildigoxin
Metildigoxin ist ein Methylderivat von Digoxin mit einer Methylgruppe in Position 4 des Digitoxose-Rests, das eine verbesserte und vollständigere gastrointestinale Absorption aufweist 1, 2. Die absolute Bioverfügbarkeit von Metildigoxin beträgt etwa 80% aus der Lösung und etwa 70% aus Tabletten, verglichen mit intravenöser Gabe 1.
Dosisäquivalenz zwischen Digoxin und Metildigoxin
Um vergleichbare Serumspiegel zu erreichen, müsste die Digoxin-Dosis um das 1,55-fache im Vergleich zu Metildigoxin erhöht werden 2. Dies bedeutet, dass Metildigoxin in einer Dosis von etwa 65% der Digoxin-Dosis verabreicht werden sollte, um äquivalente therapeutische Effekte zu erzielen.
Praktische Dosierungsempfehlungen
Standarddosierung für die meisten Patienten
- Für Patienten, die normalerweise 0,25 mg Digoxin täglich erhalten würden, sollte die Metildigoxin-Dosis etwa 0,15-0,16 mg täglich betragen 2
- Für Patienten, die normalerweise 0,125 mg Digoxin täglich erhalten würden, sollte die Metildigoxin-Dosis etwa 0,08-0,1 mg täglich betragen 2
- Die Standarderhaltungsdosis für Metildigoxin liegt bei 0,2 mg täglich, was steady-state Serumkonzentrationen von etwa 1,35 ng/ml sowohl bei intravenöser als auch oraler Gabe erzeugt 1
Dosisanpassung für Risikopatienten
Niedrigere Dosen sollten verwendet werden bei 3:
- Patienten über 70 Jahre: Beginnen Sie mit 0,08-0,1 mg Metildigoxin täglich (entspricht 0,125 mg Digoxin)
- Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion: Beginnen Sie mit 0,08-0,1 mg täglich oder jeden zweiten Tag
- Patienten mit niedriger Körpermasse: Beginnen Sie mit 0,08-0,1 mg täglich
Therapeutisches Monitoring
Zielserumkonzentrationen
- Der therapeutische Zielbereich für Herzinsuffizienz liegt bei 0,5-0,9 ng/ml 3, 4
- Konzentrationen über 1,0 ng/ml haben keine überlegenen Ergebnisse gezeigt und können das Mortalitätsrisiko erhöhen 3, 4
- Für Vorhofflimmern wird ein therapeutischer Serumbereich von 0,6-1,2 ng/ml empfohlen 4, 5
Zeitpunkt der Spiegelmessung
- Blutproben sollten mindestens 6-8 Stunden nach der letzten oralen Dosis entnommen werden, um eine genaue Messung der steady-state Konzentration zu gewährleisten 5
- Bei Verdacht auf Toxizität sollte der Spiegel sofort gemessen werden, unabhängig vom Zeitpunkt 5
Klinische Indikationen und Patientenauswahl
Herzinsuffizienz
Metildigoxin sollte in Betracht gezogen werden bei 3:
- Patienten mit persistierenden Symptomen trotz Therapie mit Diuretika, ACE-Hemmern (oder ARB) und Betablockern
- Patienten mit reduzierter Ejektionsfraktion (LVEF <40%) und NYHA-Klasse II-IV Symptomen 4
- Metildigoxin reduziert Hospitalisierungen wegen Herzinsuffizienz, hat aber keinen Effekt auf die Mortalität 3, 4
Vorhofflimmern
- Metildigoxin wird routinemäßig bei Patienten mit Herzinsuffizienz und chronischem Vorhofflimmern verschrieben 3
- Betablocker sind jedoch in der Regel effektiver, wenn sie zu Metildigoxin hinzugefügt werden, um die ventrikuläre Antwort zu kontrollieren, insbesondere während körperlicher Belastung 3
Wichtige Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen
Absolute Kontraindikationen
Metildigoxin sollte nicht verabreicht werden bei 3:
- Signifikantem Sinus- oder AV-Block, es sei denn, der Block wurde mit einem permanenten Schrittmacher behandelt
- Präexzitationssyndromen (z.B. WPW mit Vorhofflimmern/Vorhofflattern) 4, 6
Vorsichtige Anwendung erforderlich
Besondere Vorsicht ist geboten bei 3, 7:
- Patienten, die andere Medikamente einnehmen, die die Sinus- oder AV-Knotenfunktion beeinträchtigen können (z.B. Amiodaron, Betablocker)
- Patienten mit Hypokaliämie, Hypomagnesiämie oder Hypothyreose – diese Zustände erhöhen das Toxizitätsrisiko 6, 5
Arzneimittelinteraktionen
Medikamente, die Metildigoxin-Spiegel erhöhen
Die Dosis sollte reduziert und die Spiegel engmaschig überwacht werden bei gleichzeitiger Gabe von 3, 4:
- Amiodaron: Reduzieren Sie die Metildigoxin-Dosis um 30-50% 4, 5
- Verapamil, Diltiazem: Dosisreduktion erforderlich
- Clarithromycin, Erythromycin, Itraconazol
- Cyclosporin, Propafenon, Chinidin
Toxizitätsmanagement
Frühe Anzeichen einer Toxizität
Überwachen Sie auf folgende Symptome 6:
- Gastrointestinale Symptome: Anorexie, Übelkeit, Erbrechen
- Neurologische Symptome: Verwirrtheit, Sehstörungen (verschwommenes oder gelbes Sehen)
- Kardiale Manifestationen: Arrhythmien, insbesondere ventrikuläre Tachykardie oder AV-Block
Management bei Toxizität
Bei leichter Toxizität 6:
- Metildigoxin sofort absetzen
- Herzrhythmus kontinuierlich überwachen
- Serumkalium auf >4,0 mEq/L, idealerweise 4,0-5 mEq/L, korrigieren
Bei schwerer Toxizität (Serumspiegel >4 ng/ml mit schweren Arrhythmien) 6:
- Digoxin-spezifische Fab-Antikörper sofort verabreichen
- Intravenöses Magnesium bei ventrikulären Arrhythmien
- Temporäre Schrittmachertherapie bei symptomatischen Bradyarrhythmien oder Herzblock
Häufige Fallstricke
- Vermeiden Sie Aufsättigungsdosen: Es gibt keinen Grund, Aufsättigungsdosen von Metildigoxin zur Therapieeinleitung bei Patienten mit Herzinsuffizienz zu verwenden 3, 4
- Korrigieren Sie Elektrolytstörungen vor der Gabe: Die Verabreichung von Metildigoxin bei Hypokaliämie (z.B. Kalium 3 mEq/L) erhöht das Risiko für Toxizität und potenziell lebensbedrohliche kardiale Arrhythmien erheblich 6
- Nicht für akute Dekompensation: Metildigoxin ist nicht als primäre Therapie zur Stabilisierung von Patienten mit akuter Exazerbation von Herzinsuffizienzsymptomen indiziert 3
- Beachten Sie die Dosisäquivalenz: Die häufigste Fehlerquelle ist die direkte Umrechnung von Digoxin auf Metildigoxin ohne Berücksichtigung der besseren Bioverfügbarkeit – verwenden Sie etwa 65% der Digoxin-Dosis 2