Monitoring von Metildigoxin (Digoxin)
Therapeutischer Zielbereich
Der therapeutische Serumkonzentrationsbereich für Digoxin sollte zwischen 0,5-0,9 ng/mL gehalten werden, da Konzentrationen über 1,0 ng/mL keine besseren Ergebnisse zeigen und das Mortalitätsrisiko erhöhen können. 1, 2
- Bei Vorhofflimmern wird ein etwas höherer Bereich von 0,6-1,2 ng/mL akzeptiert, wobei niedrigere Werte bevorzugt werden 1, 2
- Etwa zwei Drittel der Patienten mit klinischer Toxizität haben Serumkonzentrationen über 2,0 ng/mL, aber Toxizität kann auch bei niedrigeren Werten auftreten 3
Zeitpunkt der Blutentnahme
Die Blutentnahme muss unmittelbar vor der nächsten geplanten Dosis erfolgen (Talspiegel), um eine adäquate Äquilibrierung zwischen Serum und Gewebe zu ermöglichen. 3
- Falls dies nicht möglich ist, sollte die Probenentnahme mindestens 6-8 Stunden nach der letzten Dosis erfolgen, unabhängig von der Verabreichungsform 3
- Bei einmal täglicher Dosierung liegt die Konzentration 10-25% niedriger, wenn nach 24 statt nach 8 Stunden gemessen wird, abhängig von der Nierenfunktion 3
- Die Serumkonzentration kann während körperlicher Belastung akut abfallen ohne Änderung der klinischen Wirksamkeit, da Digoxin vermehrt an Skelettmuskulatur bindet 3
Obligatorische Monitoring-Situationen
Digoxinspiegel müssen in folgenden Situationen überprüft werden:
- Bei Hinzufügen interagierender Medikamente wie Amiodaron (Dosisreduktion um 50% erforderlich), Verapamil, Diltiazem, Clarithromycin, Erythromycin, Itraconazol, Chinidin oder Propafenon 1, 2, 3
- Bei Verdacht auf Toxizität - sofortige Spiegelkontrolle unabhängig vom Zeitpunkt, bei Symptomen wie Verwirrtheit, Übelkeit, Anorexie, Sehstörungen (Gelbsehen, verschwommenes Sehen) oder Herzrhythmusstörungen 2, 4
- Bei Verschlechterung der Nierenfunktion, da Digoxin primär renal eliminiert wird und die Halbwertszeit verlängert ist 3, 2
Begleitende Laborkontrollen
Elektrolyte und Nierenfunktion müssen regelmäßig überwacht werden, da diese die Digoxintoxizität beeinflussen, auch bei therapeutischen Spiegeln:
- Kalium: Zielbereich 4,0-5 mEq/L - Hypokaliämie sensibilisiert das Myokard für Digoxin und erhöht das Toxizitätsrisiko erheblich 4, 3
- Magnesium: Hypomagnesiämie potenziert ebenfalls die Toxizität 4, 3
- Kalzium: Hyperkalzämie prädisponiert zur Digitalistoxizität 4, 3
- Serumkreatinin/Kreatinin-Clearance: Zur Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz 3
- Schilddrüsenfunktion bei klinischer Indikation: Hypothyreose kann den Digoxinbedarf reduzieren, Hyperthyreose erhöhen 2, 3
Häufigkeit des Routine-Monitorings
Nach Erreichen einer stabilen Dosis sind routinemäßige Digoxinspiegelkontrollen nicht erforderlich, solange keine klinischen Veränderungen auftreten. 2
- Die Radioimmunoassay wurde zur Toxizitätsbewertung entwickelt, nicht zur Wirksamkeitskontrolle 5
- Es besteht wenig Zusammenhang zwischen Serumkonzentration und therapeutischen Effekten bei Spiegeln im therapeutischen Bereich 5
- Monitoring sollte symptomorientiert erfolgen: bei Anzeichen von Toxizität, Medikamenteninteraktionen oder Verschlechterung der Nierenfunktion 2
Klinisches Monitoring
Die klinische Überwachung ist wichtiger als isolierte Laborwerte:
- Herzfrequenz: Bei Vorhofflimmern Ziel <80/min in Ruhe, 110-120/min bei Belastung 2
- Bradykardie ist ein Frühwarnzeichen für Toxizität 4, 3
- Gastrointestinale Symptome: Anorexie, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall 4, 3
- Neurologische Symptome: Verwirrtheit, Kopfschmerzen, Schwäche, Sehstörungen (Photopsie, Chromatopsie) 4, 3
- Kardiale Arrhythmien: Sowohl Tachykardien als auch Bradykardien, insbesondere ventrikuläre Arrhythmien oder AV-Blockierungen 4, 6
Besondere Risikogruppen
Bei folgenden Patienten ist besonders engmaschiges Monitoring erforderlich:
- Alter >70 Jahre: Erhöhtes Toxizitätsrisiko, niedrigere Zieldosis (0,125 mg täglich oder jeden zweiten Tag) 1, 3
- Niereninsuffizienz: Verlängerte Eliminationshalbwertszeit, konservativere Dosierung erforderlich 3
- Niedriges Körpergewicht/geringe Muskelmasse: Höhere Serumkonzentrationen bei gleicher Dosis 1, 3
- Elektrolytstörungen: Hypokaliämie, Hypomagnesiämie, Hyperkalzämie erhöhen Toxizitätsrisiko 4, 3
Wichtige Fallstricke
- Ein Digoxinspiegel im "therapeutischen Bereich" schließt Toxizität nicht aus, besonders bei Elektrolytstörungen 4, 3
- Nach Gabe von Digoxin-Fab-Antikörpern ist die Spiegelbestimmung unzuverlässig und sollte nicht zur Therapiesteuerung verwendet werden 4
- Diskontinuierliche Therapie (z.B. 2 Tage pro Woche pausieren) führt zu subtherapeutischen Spiegeln und ist nicht empfohlen 7
- Die Serumkonzentration allein sollte niemals isoliert als Grundlage für Dosisanpassungen dienen - immer im klinischen Kontext interpretieren 3