Metildigoxin-Spiegelmessung
Bei Metildigoxin-Gabe misst man tatsächlich Digoxin-Spiegel, da Metildigoxin im Körper zu Digoxin metabolisiert wird und die Standard-Digoxin-Immunoassays beide Substanzen erfassen.
Praktische Messung und Interpretation
Kreuzreaktivität der Immunoassays
- Standard-Digoxin-Immunoassays (Radioimmunoassay, Enzymimmunoassay, Chemilumineszenz-Immunoassay) zeigen Kreuzreaktivität mit Metildigoxin und seinen Metaboliten 1
- Die Messung erfolgt über die gleichen Antikörper, die sowohl Digoxin als auch Metildigoxin erkennen 1, 2
- Dies bedeutet, dass bei Metildigoxin-Therapie die gemessenen "Digoxin-Spiegel" sowohl das Ausgangsmedikament als auch seine aktiven Metaboliten widerspiegeln 1
Therapeutischer Zielbereich
- Der empfohlene therapeutische Bereich liegt bei 0,5-1,0 ng/mL, unabhängig davon, ob Digoxin oder Metildigoxin gegeben wird 3, 4
- Die American Heart Association empfiehlt ausdrücklich, Konzentrationen zwischen 0,5-0,9 ng/mL anzustreben, da höhere Werte (>1,0 ng/mL) mit erhöhter Mortalität assoziiert sind 3
- Toxizität tritt typischerweise bei Spiegeln >2,0 ng/mL auf, kann aber bei Hypokaliämie, Hypomagnesiämie oder Hypothyreose auch bei niedrigeren Werten auftreten 3, 5
Wichtige Überwachungsaspekte
Zeitpunkt der Blutentnahme
- Die Blutentnahme sollte frühestens 6-8 Stunden nach der letzten Dosis erfolgen, idealerweise unmittelbar vor der nächsten Dosis (Talspiegel) 6
- Bei oraler Gabe muss der Steady State abgewartet werden (5-7 Tage bei normaler Nierenfunktion, länger bei Niereninsuffizienz) 4, 6
- 22-31% der toxischen Spiegel werden fälschlicherweise vor Erreichen des Steady State gemessen 6
Obligatorische Begleitlaborwerte
- Kalium und Magnesium müssen parallel kontrolliert werden, da Hypokaliämie die Toxizität bei niedrigeren Spiegeln begünstigt 3, 5
- Kreatinin zur Beurteilung der Nierenfunktion ist essentiell, da Digoxin renal eliminiert wird 3, 4
- Bei Kreatinin >250 µmol/L ist besondere Vorsicht geboten 7
Medikamenteninteraktionen beachten
- Amiodaron, Verapamil, Diltiazem, Clarithromycin, Erythromycin, Itraconazol, Cyclosporin und Chinidin erhöhen die Digoxin-Spiegel signifikant 7, 3
- Bei Amiodaron-Beginn muss die Digoxin-Dosis um 50% reduziert und der Spiegel engmaschig kontrolliert werden 4
- Spironolacton zeigt Kreuzreaktivität in älteren Digoxin-Assays, beeinflusst aber nicht die tatsächliche Digoxin-Clearance 7
Häufige Fallstricke
Falsch-positive Ergebnisse
- Endogene digoxin-ähnliche immunreaktive Substanzen (DLIS) können bei Schwangerschaft, Niereninsuffizienz, Lebererkrankungen und Neugeborenen zu falsch erhöhten Werten führen 1
- Chinesische Kräuterpräparate (Chan Su, Lu-Shen Wan, Oleander-haltige Präparate) interferieren mit Digoxin-Immunoassays 1
- Bei Verdacht auf Interferenz kann die Messung des freien (ungebundenen) Digoxins diese Probleme eliminieren 1
Klinische Korrelation erforderlich
- Ein "therapeutischer" Spiegel schließt Toxizität nicht aus, besonders bei Elektrolytstörungen 5
- Die Überlappung zwischen toxischen und nicht-toxischen Patienten ist erheblich 5
- Klinische Zeichen (Verwirrtheit, Übelkeit, Anorexie, Farbsehstörungen, Arrhythmien) sind entscheidender als der absolute Zahlenwert 3, 4