Monitoring von Digoxin nach Aufsättigungsdosis
Ja, Digoxin-Spiegel sollten nach einer Aufsättigungsdosis überwacht werden, insbesondere bei Risikopatienten, aber das Timing ist entscheidend: Warten Sie mindestens 6-8 Stunden nach der letzten Dosis, bevor Sie den Spiegel messen. 1, 2
Wann Spiegelbestimmung durchführen
- Frühestens 6-8 Stunden nach der letzten Dosis sollte die Serumkonzentration gemessen werden, um eine adäquate Äquilibrierung zwischen Serum und Gewebe zu ermöglichen 2
- Bei einmal täglicher Dosierung liegt die Konzentration 10-25% niedriger, wenn nach 24 statt nach 8 Stunden gemessen wird, abhängig von der Nierenfunktion des Patienten 2
- Die Probenentnahme sollte idealerweise unmittelbar vor der nächsten geplanten Dosis erfolgen 2
Zielbereich für therapeutische Spiegel
- Für Herzinsuffizienz: 0,5-0,9 ng/mL - Konzentrationen über 1,0 ng/mL zeigen keine überlegenen Ergebnisse und können die Mortalität erhöhen 1, 3
- Für Vorhofflimmern: 0,6-1,2 ng/mL 3
- Toxizität tritt häufig bei Spiegeln >2,0 ng/mL auf, kann aber auch bei niedrigeren Werten auftreten, besonders bei Hypokaliämie, Hypomagnesiämie oder Hypothyreose 1, 4
Hochrisikopatienten, die engmaschiges Monitoring benötigen
- Patienten über 70 Jahre - haben häufig verminderte Nierenfunktion trotz normalem Serumkreatinin 1, 3
- Eingeschränkte Nierenfunktion - Digoxin wird primär renal eliminiert; bei GFR <30 ml/min ist das Toxizitätsrisiko deutlich erhöht 5
- Niedriges Körpergewicht/geringe Muskelmasse - führt zu höheren Serumspiegeln bei gleicher Dosis 1, 3
- Elektrolytstörungen - Hypokaliämie und Hypomagnesiämie erhöhen die Toxizitätsgefahr auch bei therapeutischen Spiegeln 1
Besondere Situationen nach Aufsättigungsdosis
- Nach IV-Aufsättigung (0,25-0,5 mg initial, gefolgt von 0,25 mg alle 6-8 Stunden bis maximal 1,0 mg/24h) sollte die Nierenfunktion vor jeder weiteren Dosis klinisch beurteilt werden 1, 6
- Bei 26 hospitalisierten Patienten, die eine Aufsättigungsdosis zur Frequenzkontrolle bei Vorhofflimmern erhielten, entwickelten alle mit eingeschränkter Nierenfunktion toxische Spiegel 5
- Wichtiger Fallstrick: Bei Patienten mit akuter Verschlechterung der Nierenfunktion während der Aufsättigung ist das Toxizitätsrisiko besonders hoch 5
Medikamenteninteraktionen, die Monitoring erfordern
- Dosisreduktion und Spiegelkontrolle obligat bei gleichzeitiger Gabe von: Amiodaron (30-50% Reduktion), Dronedaron (mindestens 50% Reduktion), Verapamil, Clarithromycin, Erythromycin, Itraconazol, Ciclosporin, Propafenon 1, 3
- Diese Medikamente erhöhen Digoxin-Spiegel durch Hemmung von P-Glykoprotein oder CYP3A4 1
Klinische Zeichen der Toxizität überwachen
- Kardiale Symptome: Ektope Rhythmen, Reentry-Tachykardien, AV-Blockierungen 1
- Gastrointestinale Symptome: Anorexie, Übelkeit, Erbrechen 1
- Neurologische Symptome: Sehstörungen, Desorientiertheit, Verwirrtheit 1
- Ein Drittel der Patienten mit klinischer Toxizität haben Spiegel <2,0 ng/mL, daher sollte der Spiegel immer im klinischen Kontext interpretiert werden 2
Wann routinemäßiges Monitoring NICHT notwendig ist
- Serielle Spiegelbestimmungen sind bei den meisten stabilen Patienten unter Erhaltungstherapie unnötig 4
- Das Radioimmunoassay wurde zur Toxizitätsbewertung entwickelt, nicht zur Effektivitätskontrolle - es besteht wenig Zusammenhang zwischen Serumkonzentration und therapeutischen Effekten bei stabilen Patienten 4
Praktisches Vorgehen nach Aufsättigungsdosis
- Tag 1-2: Klinische Überwachung auf Toxizitätszeichen, Elektrolyte (K+, Mg2+) und Nierenfunktion prüfen 1
- Tag 2-3: Ersten Digoxin-Spiegel 6-8 Stunden nach letzter Dosis abnehmen 2
- Bei Risikopatienten: Engmaschigere Kontrollen (alle 2-3 Tage) bis stabile Erhaltungsdosis etabliert ist 5, 7
- Steady-state: Wird nach etwa 5 Halbwertszeiten erreicht (1-3 Wochen je nach Nierenfunktion) 2