Optimale Testosteron-Enanthate-Dosierung für Muskelaufbau
Direkte Empfehlung
Für gesunde Männer, die Muskelaufbau anstreben, zeigen Daten eine dosisabhängige Zunahme von Muskelmasse bei 125-600 mg Testosteron-Enanthate wöchentlich, wobei höhere Dosen (300-600 mg/Woche) die größten Zuwächse bewirken – jedoch rate ich dringend davon ab, da die Risiken (Prostatakrebs-Wachstum, Polyzythämie, kardiovaskuläre Komplikationen) ebenfalls dosisabhängig zunehmen und supraphysiologische Spiegel medizinisch nicht vertretbar sind. 1
Evidenz zur Dosis-Wirkungs-Beziehung
Muskelaufbau-Effekte nach Dosierung
Die stärkste verfügbare Evidenz stammt aus einer kontrollierten Studie mit 61 gesunden Männern (18-35 Jahre), die verschiedene wöchentliche Dosen erhielten:
- 25-50 mg/Woche: Minimale bis keine Zunahme der fettfreien Masse 2
- 125 mg/Woche: +3,4 kg fettfreie Masse über 20 Wochen 2
- 300 mg/Woche: +5,2 kg fettfreie Masse; signifikante Zunahme der Typ-I-Muskelfaser-Querschnittsfläche (3.176 auf 4.201 μm²) 3, 2
- 600 mg/Woche: +7,9 kg fettfreie Masse; signifikante Zunahme sowohl der Typ-I- (3.347 auf 4.984 μm²) als auch Typ-II-Fasern (4.060 auf 5.526 μm²) 3, 2
Die Veränderungen der Muskelmasse korrelierten stark mit den Testosteron-Konzentrationen (r = 0,73, P = 0,0001) und folgten einer linearen Dosis-Wirkungs-Beziehung. 2
Mechanismus des Muskelwachstums
Der testosteroninduzierte Muskelzuwachs erfolgt durch echte Muskelfaser-Hypertrophie, nicht nur Wassereinlagerung:
- Dosisabhängige Zunahme der Querschnittsflächen von Typ-I- und Typ-II-Fasern 3
- Signifikante Erhöhung der Myonukleus-Anzahl pro Faser bei 300-600 mg/Woche 3
- Keine Veränderung der relativen Anteile von Typ-I- und Typ-II-Fasern 3
Kritische Sicherheitsbedenken
Dosisabhängige Nebenwirkungen
Die American Thoracic Society und European Respiratory Society warnen ausdrücklich, dass Nebenwirkungen dosisabhängig zunehmen:
- Erhöhung des Hämoglobins (Polyzythämie-Risiko) 1
- Senkung des HDL-Cholesterins 1
- Am besorgniserregendsten: Potenzial zur Beschleunigung des Prostatakrebs-Wachstums 1
Die Leitlinien stellen klar fest: "Daher erscheint es unklug, den zirkulierenden Testosteronspiegel deutlich über die Werte gesunder junger Männer zu erhöhen." 1
Spezifische Risikodaten
- Polyzythämie trat bei 43,8% der Patienten mit intramuskulären Injektionen auf (vs. 15,4% bei transdermalen Präparaten) 4
- Bei 600 mg/Woche (supraphysiologisch) zeigte sich eine signifikante HDL-Reduktion 1
- Kardiovaskuläre Risiken sind möglicherweise bei injizierbaren Formulierungen höher aufgrund fluktuierender Testosteronspiegel 4
Medizinisch zugelassene Dosierungen
FDA-zugelassene Dosierung für Hypogonadismus
Die FDA-Zulassung für Testosteron-Enanthate lautet:
- 50-400 mg alle 2-4 Wochen für männlichen Hypogonadismus 5
- Injektionen häufiger als alle zwei Wochen sind selten indiziert 5
- Gesamtdosen über 400 mg pro Monat sind aufgrund der verlängerten Wirkung nicht erforderlich 5
Aktuelle Leitlinien-Empfehlungen
Die American College of Gastroenterology empfiehlt für Testosteron-Ersatztherapie:
- 100-200 mg alle 2 Wochen oder 50-100 mg wöchentlich intramuskulär 4
- Wöchentliche Dosierung (50-100 mg) bietet stabilere Testosteronspiegel als zweiwöchentliche Gabe 4
- Ziel-Testosteronspiegel: Mittlerer Normalbereich (450-600 ng/dl) 4
Warum supraphysiologische Dosen nicht empfohlen werden
Fehlende Zulassung für Muskelaufbau
Kein anaboles Supplement, einschließlich Testosteron, hat ausreichende Studien erhalten, um für die routinemäßige Aufnahme in Programme empfohlen zu werden, die auf Muskelaufbau bei gesunden Personen abzielen. 1
Kraft vs. Muskelmasse
Wichtiger Vorbehalt: Testosteron erhält zwar die Proteinbilanz und Muskelmasse, bewahrt aber nicht die Muskelkraft unter Bedingungen der Inaktivität (wie 28 Tage Bettruhe mit 200 mg/Woche zeigten). 6 Dies deutet darauf hin, dass Training der entscheidende Faktor bleibt.
Nachweisbarkeit und rechtliche Aspekte
- 3,5 mg/kg (ca. 245-350 mg für einen 70-100 kg Mann) wöchentlich erhöhte signifikant die Kraft innerhalb von 3 Wochen 7
- Jedoch konnten ~44% der Probanden trotz klarer ergogener Effekte nicht durch das WADA-Urin-T/E-Verhältnis-Kriterium identifiziert werden 7
- Testosteron-Enanthate ist als verbotene Substanz durch die World Anti-Doping Agency klassifiziert 7
Algorithmus für die klinische Entscheidungsfindung
Wenn ein Patient nach Testosteron für Muskelaufbau fragt:
Testosteronspiegel überprüfen: Morgendliche Messung an mindestens zwei separaten Tagen 5
Bei normalem Testosteron (>300 ng/dl):
- Keine Testosteron-Verschreibung – die Risiken überwiegen die Vorteile
- Optimierung von Training und Ernährung empfehlen
- Aufklärung über dosisabhängige Risiken (Prostatakrebs, Polyzythämie, kardiovaskulär) 1
Bei dokumentiertem Hypogonadismus (<300 ng/dl):
Häufige Fallstricke
Fehler: Annahme, dass mehr Testosteron = mehr Muskelaufbau ohne Konsequenzen
- Realität: Nebenwirkungen nehmen parallel zur Muskelmasse zu 1
Fehler: Verwendung von Bodybuilding-Foren-Dosierungen (oft 500+ mg/Woche)
Fehler: Ignorieren der Notwendigkeit für regelmäßige Überwachung