Präzision von Blutdruckmessgeräten
Blutdruckmessgeräte sind nur dann präzise, wenn sie nach standardisierten Protokollen validiert wurden, aber selbst validierte Geräte können bei einzelnen Patienten erhebliche Messfehler aufweisen – daher muss jedes Gerät individuell am Patienten überprüft werden, bevor die Messwerte akzeptiert werden. 1
Validierungsstatus der Geräte auf dem Markt
- Die meisten auf dem Markt erhältlichen Geräte wurden nie ordnungsgemäß validiert. 1 Von 24 getesteten Geräten haben historisch nur 5 die Validierungskriterien bestanden 1
- Viele Geräte, die getestet wurden, sind durch die Validierungsstudien durchgefallen 1
- Aktuelle Listen validierter Geräte finden sich auf www.dableducational.org und www.bhsoc.org 1
Genauigkeitsstandards und ihre Grenzen
Validierte oszillometrische Geräte sollten innerhalb von 5 mm Hg der Quecksilber-Sphygmomanometer-Messwerte bei mindestens 50% der Messungen liegen. 2 Die Validierungsprotokolle (AAMI, BHS, European Society of Hypertension) verlangen, dass sowohl systolische als auch diastolische Werte bei mindestens 2 von 3 Messungen bei 22 von 33 Testpersonen innerhalb von 5 mm Hg übereinstimmen 1
Kritische Einschränkung: Selbst wenn ein Gerät die Validierungstests besteht, garantiert dies keine Genauigkeit bei allen Patienten 1, 2:
- Bei einer erheblichen Anzahl einzelner Patienten kann der Fehler konstant größer als 5 mm Hg sein, auch bei Geräten mit bestandener Validierung 1
- Dies tritt häufiger bei älteren Patienten und Diabetikern auf 1, 2
- Geräte funktionieren möglicherweise nicht genau bei Patienten mit Vorhofflimmern oder häufigen Extrasystolen 2, 3
Obligatorische individuelle Geräteüberprüfung
Jedes oszillometrische Gerät muss am einzelnen Patienten validiert werden, bevor die Messwerte akzeptiert werden. 2 Die American Heart Association und die British Hypertension Society empfehlen folgendes vereinfachtes Protokoll 1, 2:
- Patient sitzt am Schreibtisch mit aufgestütztem Arm
- Fünf sequenzielle Messungen am selben Arm mit maximal 30 Sekunden Pause:
- Messung 1 (D1): Patient mit eigenem Gerät
- Messung 2 (D2): Patient mit eigenem Gerät
- Messung 3 (M1): Arzt mit Quecksilber-Sphygmomanometer
- Messung 4 (D3): Patient mit eigenem Gerät
- Messung 5 (M2): Arzt mit Quecksilber-Sphygmomanometer
- Vergleich der Geräte- und Quecksilbermessungen zur Beurteilung der Genauigkeit
Dieser Prozess dauert weniger als 10 Minuten und kann erhebliche Ungenauigkeiten aufdecken 1
Vergleich der Messmethoden
Heimmessungen zeigen eine deutlich bessere Reproduzierbarkeit als Praxismessungen: 2
- Standardabweichungen der Differenzen: 6,9/4,7 mm Hg (Heim) versus 11,0/6 mm Hg (Praxis) 2
- Langzeit-Reproduzierbarkeit über ein Jahr: mittlere Differenzen von nur 0,8 ± 7 mm Hg systolisch und 0,9 ± 5 mm Hg diastolisch 2
- Praxismessungen sind weniger zuverlässig aufgrund von Weißkitteleffekt, Beobachtervariabilität und Endstellenpräferenz 2
Spezifische Gerätetypen
Oberarm-Geräte (brachiale Messung):
- Bleiben der Standard für Blutdruckmessung 1
- Nur validierte oszillometrische Oberarmgeräte werden empfohlen 1
Handgelenk-Geräte:
- Nicht allgemein für den routinemäßigen klinischen Einsatz empfohlen 1
- Führen zu systematischen hydrostatischen Fehlern, wenn nicht präzise auf Herzhöhe gehalten 2
Finger-Geräte:
Wartung und Kalibrierung
- Oszillometrische Geräte sollten jährlich auf Genauigkeit überprüft werden 3
- Der Druckmessmechanismus verschlechtert sich im Laufe der Zeit nicht, aber regelmäßige Überprüfungen bleiben wichtig 3
- Patienten sollten ihre Geräte alle 1-2 Jahre zur Überprüfung mitbringen 1
Häufige Fallstricke
- Niemals davon ausgehen, dass ein kommerziell erhältliches Gerät genau ist – die meisten wurden nie ordnungsgemäß validiert 2, 4
- Falsche Manschettengröße vermeiden – Oberarmumfang messen und bei Bedarf große Manschette verwenden 1, 3
- Nicht auf einzelne hohe oder niedrige Messwerte reagieren – Blutdruck hat eine hohe inhärente Variabilität 2
- Besondere Vorsicht bei speziellen Populationen (ältere Patienten, Diabetiker, Nierenerkrankungen, Arrhythmien) 1, 2, 3