Nein, Sie sollten die Behandlung nicht verzögern – eine sofortige weitere Diagnostik ist bei diesen sich verschlechternden Laborwerten dringend erforderlich.
Warum sofortiges Handeln notwendig ist
Bei steigenden Entzündungsparametern (Leukozyten von 12.000 auf 16.500 und CRP von 60 auf 90 mg/L) eine Woche nach Knieprothesenoperation besteht dringender Verdacht auf eine periprothetische Infektion, die sofortige diagnostische Abklärung erfordert – nicht eine weitere Laborkontrolle für morgen. 1, 2
Die Verschlechterung der Werte ist alarmierend:
- CRP sollte normalerweise innerhalb von 2 Monaten nach der Operation zur Baseline zurückkehren 3
- Steigende Werte nach der ersten postoperativen Woche deuten stark auf eine Infektion hin 1, 2
- Eine Verzögerung der Diagnostik und Behandlung verschlechtert die Prognose erheblich 4, 5
Was Sie JETZT tun sollten (nicht morgen)
Sofortige diagnostische Schritte:
Gelenkpunktion mit Synovialflüssigkeitsanalyse durchführen lassen 3, 1, 2
Interleukin-6 zusätzlich zu CRP und BSG bestimmen 3, 1
- IL-6 hat höhere prädiktive Werte als traditionelle Marker
- Die Kombination von IL-6 mit CRP zeigt exzellente Sensitivität 3
Röntgenaufnahmen anfertigen 6, 2
- Zum Ausschluss von Lockerung, Osteolyse oder Komponentenmigration
- Obwohl Röntgen allein nicht sensitiv für Frühinfektionen ist 6
Kritische Zeitfenster:
Die Dauer der Symptome vor der Behandlung ist entscheidend für den Erfolg:
- Patienten mit Symptomen <3 Wochen haben deutlich bessere Erfolgsraten bei Debridement mit Prothesenerhalt (DAIR) 4, 5
- Bei Symptomen >3 Wochen sinkt die Erfolgsrate von DAIR dramatisch 3, 5
- Eine Studie zeigte: 4,85 Tage Symptomdauer bei Erfolg vs. 54,24 Tage bei Versagen (P < 0,0001) 5
Häufige Fallstricke, die Sie vermeiden müssen
Fehler 1: Sich auf normale Leukozyten zu verlassen
- Periphere Leukozytenzahlen sind bei den meisten Patienten mit infizierten Prothesen NICHT erhöht 3, 2
- Ein normaler Leukozytenwert schließt eine Infektion NICHT aus 2
- Ihre Patientin hat sogar erhöhte Leukozyten – dies verstärkt den Verdacht 1
Fehler 2: Auf Fieber oder klassische Infektzeichen zu warten
- Chronische Infektionen manifestieren sich oft nur mit Schmerzen, ohne Fieber, Erythem oder Wärme 3, 2
- Schmerz in Ruhe oder nachts ist charakteristisch für Infektion 3, 2
- Schmerz bei Belastung spricht eher für mechanische Lockerung 3, 2
Fehler 3: Weitere Laborkontrollen abwarten statt zu handeln
- Bei bereits steigenden Werten ist die Diagnose klar: sofortige Gelenkpunktion erforderlich 1, 2
- Jeder Tag Verzögerung verschlechtert die Prognose 4, 5
- Die "Weihnachtszeit" ist keine Rechtfertigung für verzögerte Diagnostik bei Verdacht auf periprothetische Infektion 3, 7
Konkrete Handlungsempfehlung für Ihre Situation
Trotz Weihnachtszeit und Personalmangel:
- Kontaktieren Sie HEUTE den orthopädischen Dienst 3, 2
- Veranlassen Sie eine bildgesteuerte Gelenkpunktion 1, 2
- Wenn möglich, setzen Sie Antibiotika erst NACH der Punktion ein (mindestens 2 Wochen Antibiotika-Pause vor Punktion wären ideal, aber bei akuter Verschlechterung nicht praktikabel) 1, 2
- Fordern Sie Synovialflüssigkeitskultur, Zellzahl mit Differenzierung und Alpha-Defensin an 3, 1
Die Kombination von CRP, BSG und Fibrinogen (wenn mindestens 2 von 3 Tests abnormal) erreicht 93% Sensitivität, 100% Spezifität und 97% Genauigkeit 3, 1
Eine weitere Laborkontrolle für morgen ohne Gelenkpunktion ist bei diesen sich verschlechternden Werten inadäquat und gefährdet das Outcome Ihrer Patientin. 3, 4, 5