Initiales Management von Vorhofflattern
Bei hämodynamisch instabilen Patienten mit Vorhofflattern ist die sofortige elektrische Kardioversion die Therapie der Wahl, während bei stabilen Patienten die Frequenzkontrolle mit Betablockern oder Nicht-Dihydropyridin-Kalziumkanalblockern zusammen mit Antikoagulation eingeleitet werden sollte. 1
Akute Stabilisierung und Beurteilung
Hämodynamisch instabile Patienten
- Sofortige elektrische Kardioversion ist indiziert bei Patienten mit schneller ventrikulärer Antwort, die nicht prompt auf pharmakologische Therapie ansprechen und zu anhaltender myokardialer Ischämie, Hypotension oder Herzinsuffizienz führt 1
- Die Erfolgsrate der externen DC-Kardioversion liegt zwischen 95-100%, oft mit relativ geringen Energiemengen (5-50 Joule) erreichbar 1
- Gleichzeitig sollte intravenöses Heparin verabreicht werden 2
Hämodynamisch stabile Patienten
- Betablocker, Diltiazem oder Verapamil sind zur Kontrolle der ventrikulären Frequenz bei hämodynamisch toleriertem Vorhofflattern nützlich 1
- Die Frequenzkontrolle beim Vorhofflattern ist oft schwieriger als bei Vorhofflimmern, da die relativ langsamere atriale Frequenz paradoxerweise zu schnellerer AV-Knotenleitung führt 1
- Höhere Dosen oder Kombinationen von Medikamenten sind häufig erforderlich, um eine adäquate Frequenzkontrolle zu erreichen 1
Antikoagulation
Die Antikoagulation sollte so schnell wie möglich eingeleitet und mindestens 4 Wochen nach Kardioversion fortgesetzt werden, sofern nicht kontraindiziert. 1
- Bei Vorhofflattern <48 Stunden Dauer und niedrigem thromboembolischem Risiko: intravenöses Heparin, niedermolekulares Heparin oder Faktor-Xa- bzw. direkte Thrombininhibitoren vor oder unmittelbar nach Kardioversion 1
- Das Schlaganfallrisiko bei Vorhofflattern ist ähnlich wie bei Vorhofflimmern, mit jährlichen Thromboembolieraten von durchschnittlich 3% 1
- Die Empfehlungen zur antithrombotischen Therapie bei Vorhofflattern sind identisch mit denen bei Vorhofflimmern 1
Medikamentöse Frequenzkontrolle
Intravenöse Optionen für akute Situationen
- Metoprolol: 2,5-5,0 mg IV-Bolus über 2 Minuten; bis zu 3 Dosen 1
- Esmolol: 500 mcg/kg IV-Bolus über 1 Minute, dann 50-300 mcg/kg/min IV (besonders nützlich bei kritisch kranken Patienten) 1
- Diltiazem: 0,25 mg/kg IV-Bolus über 2 Minuten, dann 5-15 mg/h 1
- Verapamil: 0,075-0,15 mg/kg IV-Bolus über 2 Minuten 1
Orale Erhaltungstherapie
- Metoprolol: 25-100 mg zweimal täglich 1
- Diltiazem ER: 120-360 mg einmal täglich 1
- Verapamil ER: 180-480 mg einmal täglich 1
Wichtige Einschränkungen
- Betablocker sind bei Herzinsuffizienz generell bevorzugt 1
- Nicht-Dihydropyridin-Kalziumkanalblocker sollten nicht bei dekompensierter Herzinsuffizienz verwendet werden 1
- Digoxin ist als Monotherapie zur Frequenzkontrolle bei aktiven Patienten nicht empfohlen 3
- Intravenöses Amiodaron kann bei kritisch kranken Patienten ohne Präexzitation nützlich sein, wenn Betablocker kontraindiziert oder ineffektiv sind 1
Rhythmuskontrolle und Kardioversion
Pharmakologische Kardioversion
Flecainid, Dofetilid, Propafenon und intravenöses Ibutilid sind zur pharmakologischen Konversion von Vorhofflattern nützlich, sofern Kontraindikationen fehlen. 1
- Ibutilid ist am effektivsten mit Konversionsraten von 70% bei Vorhofflattern (höher als bei Vorhofflimmern) 1
- Das Risiko für Torsades de pointes beträgt 1,5-3% bei Klasse-III-Antiarrhythmika 1
- Klasse-IC-Antiarrhythmika (Flecainid, Propafenon) können die Flatterfrequenz verlangsamen und 1:1-AV-Überleitung fördern 1, 4
Kritische Vorsichtsmaßnahme
Vor Gabe von Klasse-IC-Antiarrhythmika sollte immer ein AV-Knoten-blockierendes Medikament (Betablocker oder Kalziumkanalblocker) verabreicht werden, um eine gefährliche 1:1-AV-Überleitung zu verhindern. 1, 4
- Ein kurzwirksamer Betablocker oder Nicht-Dihydropyridin-Kalziumkanalblocker sollte mindestens 30 Minuten vor Gabe eines Klasse-IC-Antiarrhythmikums gegeben werden 1
- Alternativ sollten AV-Knoten-blockierende Medikamente als kontinuierliche Hintergrundtherapie verschrieben werden 1
Definitive Therapie: Katheterablation
Die Katheterablation des kavotrikuspidalen Isthmus (CTI) ist bei Patienten mit symptomatischem oder medikamentös refraktärem Vorhofflattern nützlich. 1
- Die Erfolgsrate liegt bei über 90% für typisches Vorhofflattern (CTI-abhängig) 5, 6
- Die Ablation wird oft der langfristigen pharmakologischen Therapie vorgezogen, da die Frequenzkontrolle beim Vorhofflattern schwierig sein kann 1
- Die Ablation vermeidet die Langzeittoxizität von Antiarrhythmika 6
Häufige Fallstricke
- Versäumnis, AV-Knoten-blockierende Medikamente vor Klasse-IC-Antiarrhythmika zu geben, was zu lebensbedrohlicher 1:1-Überleitung führen kann 1, 4
- Verwendung von Digoxin als Monotherapie bei aktiven Patienten – ineffektiv zur Frequenzkontrolle 3
- Unterschätzung des Thromboembolierisikos – Vorhofflattern erfordert die gleiche Antikoagulationsstrategie wie Vorhofflimmern 1
- Verwendung von Kalziumkanalblockern bei dekompensierter Herzinsuffizienz – kann hämodynamische Verschlechterung verursachen 1
- Inadäquate Antikoagulation vor elektiver Kardioversion bei Vorhofflattern ≥48 Stunden Dauer 1