Klinische Präsentation der Spondylodiscitis
Die typische klinische Präsentation einer Spondylodiscitis umfasst Rückenschmerzen (bei 100% der Patienten) kombiniert mit Fieber (bei 62,5-75% der Fälle), wobei die Diagnose häufig verzögert wird mit einer medianen Symptomdauer von 14-90 Tagen bis zur Diagnosestellung. 1, 2
Kardinalsymptome
Rückenschmerzen:
- Rückenschmerzen sind das häufigste und konstanteste Symptom, das bei allen Patienten auftritt 2, 3, 4
- Die Schmerzen präsentieren sich typischerweise als entzündlicher Rückenschmerz mit schleichendem Beginn 5
- Die Schmerzen können von radikulären Symptomen begleitet sein 4
Fieber:
- Fieber ≥38°C tritt bei 62,5-75% der Patienten auf 2, 3
- Das Fehlen von Fieber schließt die Diagnose nicht aus 2, 4
Neurologische Defizite:
- Neurologische Befunde sind bei 75% der Patienten vorhanden 2
- Diese können von radikulären Symptomen bis zu schweren neurologischen Ausfällen mit Rückenmarkskompression reichen 6, 3
- Neurologische Defizite stellen eine Indikation für chirurgische Intervention dar 6
Systemische Manifestationen
Allgemeinsymptome:
- Asthenie (allgemeine Schwäche und Müdigkeit) 5
- Die klinische Präsentation ist typischerweise schleichend und führt zu verzögerter Diagnosestellung 5
Zeitverlauf:
- Die Symptomdauer bis zur Diagnose variiert von 14 bis 90 Tagen 2
- In anderen Studien wurde eine mediane Zeit von 2-7 Monaten (median 45 Tage) vom Symptombeginn bis zur Diagnose berichtet 4
- Diese diagnostische Verzögerung ist besonders ausgeprägt bei tuberkulöser Spondylodiscitis 5
Wichtige Risikofaktoren und Prädispositionen
Diabetes mellitus:
- Diabetes mellitus ist der wichtigste prädisponierende Risikofaktor und wurde bei 75% der Patienten identifiziert 2
- Unkontrollierter Diabetes scheint der Hauptrisikofaktor zu sein 2
Weitere Risikofaktoren:
- Bakteriämie und Endokarditis gehören zu den bedeutendsten Risikofaktoren 1
- Hämodialyse, intravenöser Drogenabusus und chronische Steroidanwendung 3
- Debilitierende Grunderkrankungen und höheres Lebensalter 5
Laborparameter
Entzündungsmarker:
- Die meisten Patienten zeigen erhöhte Labormarker für Entzündung 2
- Erhöhte CRP- und BSG-Werte sind typisch und sollten zur Überwachung des Therapieansprechens verwendet werden 6, 4
Anatomische Verteilung
Betroffene Wirbelsäulenabschnitte:
- Die Lendenwirbelsäule ist die häufigste Lokalisation 4
- Ein einzelnes Niveau ist bei 65% der Patienten betroffen 1
- Kontiguöse mehrstufige Infektion tritt bei etwa 20% auf 1
- Nicht-kontiguöse mehrstufige Infektionen treten bei etwa 10% der Fälle auf und müssen in der diagnostischen Evaluation berücksichtigt werden 1, 6
Pathophysiologie der Präsentation
Infektionsweg:
- Bei Erwachsenen ist die Bandscheibe avaskulär und wird typischerweise nach einem initialen hämatogenen septischen Embolus zur vertebralen Endplatte befallen 1
- Die Infektion kann sich auf die posterioren Knochenelemente, prä- und paravertebrale Weichteile und den Epiduralraum ausdehnen 1
- Seltener kann Spondylodiscitis durch direkte Ausbreitung von benachbarter Weichteilinfektion oder direkte Inokulation während spinaler Eingriffe oder penetrierendem Trauma entstehen 1
Häufige diagnostische Fallstricke
Verzögerte Diagnose vermeiden:
- Spondylodiscitis sollte bei jedem Patienten mit Rückenschmerzen in Kombination mit Fieber und erhöhten Entzündungsmarkern in Betracht gezogen werden 2
- Die Diagnose wird häufig verzögert, daher ist ein hoher Verdachtsindex erforderlich 4, 5
- Bei Patienten mit Wurzelsyndromen begleitet von Rückenschmerzen, meist Fieber sowie erhöhten CRP- und BSG-Werten sollte an diese Erkrankung gedacht werden 4
Altersverteilung:
- Die Altersverteilung ist bimodal und betrifft Personen unter 20 Jahren oder im Alter von 50-70 Jahren 5