Diuretika-Dosierung bei eingeschränkter Nierenfunktion (GFR ~40 mL/min/1.73 m²)
Primäre Empfehlung
Bei einer GFR von 40 mL/min/1.73 m² sollte Torasemid als bevorzugtes Schleifendiuretikum beibehalten werden, wobei die aktuelle Erhöhung auf 2-2-0 (20 mg zweimal täglich) angemessen ist, da Torasemid bei Niereninsuffizienz nicht akkumuliert und seine Pharmakokinetik unabhängig von der Nierenfunktion bleibt. 1, 2
Warum Torasemid bei GFR 40 mL/min optimal ist
Pharmakokinetische Vorteile bei Niereninsuffizienz
- Torasemid unterliegt einer substantiellen hepatischen Elimination (80% Metabolisierung), wodurch es bei Niereninsuffizienz nicht akkumuliert, im Gegensatz zu Furosemid 1, 2
- Die Gesamt-Plasmaclearance und Halbwertszeit von Torasemid bleiben bei chronischer Niereninsuffizienz unverändert und sind vergleichbar mit gesunden Probanden 1
- Die absolute Bioverfügbarkeit von Torasemid beträgt nahezu 100%, was eine zuverlässige orale Dosierung ermöglicht 1
- Bei Patienten mit fortgeschrittener Niereninsuffizienz (mittlere Kreatinin-Clearance 8,9 ml/min) zeigte Torasemid weiterhin eine dosisabhängige Wirksamkeit 3
Klinische Wirksamkeit bei eingeschränkter Nierenfunktion
- Schleifendiuretika sind bei moderater bis schwerer chronischer Nierenerkrankung (GFR <30 mL/min) gegenüber Thiaziden bevorzugt 4
- Bei Ihrer GFR von 40 mL/min liegt die Indikation für Schleifendiuretika vor, insbesondere wenn Zeichen der Flüssigkeitsretention bestehen 4
- Torasemid 200 mg intravenös täglich über eine Woche zeigte bei Patienten mit fortgeschrittener Niereninsuffizienz eine signifikante Steigerung der fraktionellen Volumenexkretion (von 14,32% auf 21,07% akut, 18,10% nach 7 Tagen) 3
Dosierungsempfehlung und Titration
Aktuelle Dosierung bewerten
- Die Erhöhung von Torasemid 10 mg 1-1-0 auf 2-2-0 (entspricht 20 mg zweimal täglich = 40 mg/Tag) ist bei GFR 40 mL/min angemessen 3, 5
- Bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz sind hohe Dosen von Schleifendiuretika erforderlich, um eine negative Natrium- und Wasserbilanz zu erreichen 5
- Orale Dosen von 100-200 mg Torasemid täglich wurden bei Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz als wirksam und sicher dokumentiert 5
Weitere Dosissteigerung falls erforderlich
- Falls die aktuelle Dosis (40 mg/Tag) unzureichend ist, kann Torasemid schrittweise auf 100-200 mg täglich erhöht werden 3, 5
- Die Dosierung sollte basierend auf klinischen Zeichen der Flüssigkeitsretention (periphere Ödeme, Körpergewicht) titriert werden 3
- Bei Patienten mit Herzinsuffizienz sollte die Diuretikadosis angepasst werden, bis ein euvolämer Zustand erreicht ist 4
Kombinationstherapie-Überlegungen
Wann eine Kombination erwägen
- Bei refraktärer Flüssigkeitsretention trotz hochdosiertem Schleifendiuretikum kann die Zugabe eines Thiazids (Metolazon) oder kaliumsparenden Diuretikums erwogen werden 4
- Die sequentielle Nephronblockade (Schleifendiuretikum + Thiazid) kann bei therapierefraktären Ödemen wirksam sein 4
- Vorsicht: Bei GFR <45 mL/min sollten kaliumsparende Diuretika vermieden werden, es sei denn, es besteht eine Hypokaliämie 4
Aldosteronantagonisten bei Herzinsuffizienz
- Spironolacton oder Eplerenon können bei Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF) zur Mortalitätsreduktion erwogen werden 4
- Kritische Überwachung: Bei GFR 40 mL/min besteht erhöhtes Hyperkaliämierisiko; Kalium und Nierenfunktion müssen innerhalb von 5-7 Tagen nach Beginn kontrolliert werden 4, 6
- Wenn Kalium >5 mmol/L: Dosis halbieren; wenn >6,0 mmol/L: Therapie beenden 7
Monitoring-Protokoll bei GFR 40 mL/min
Essentielle Parameter
- Serumkalium, Kreatinin und GFR sollten 2-4 Wochen nach Beginn oder Dosisänderung kontrolliert werden 6
- Bei Verwendung kaliumsparender Diuretika: Kontrolle alle 5-7 Tage bis zur Stabilisierung 7
- Körpergewicht und klinische Zeichen der Flüssigkeitsretention täglich überwachen 4, 3
- Blutdruck regelmäßig kontrollieren, da Torasemid eine ausgeprägtere antihypertensive Wirkung als Furosemid hat 5
Warnsignale für Dosisreduktion
- Serumkalium <3,0 mEq/L: Diuretikum vorübergehend pausieren 7
- Serumnatrium <125 mmol/L: Diuretika absetzen 7
- Akute Nierenfunktionsverschlechterung oder Oligurie: Dosis reduzieren oder pausieren 7
Wichtige Fallstricke vermeiden
Elektrolytstörungen
- Hypokaliämie ist häufig bei Schleifendiuretika; Kaliumsupplementation oder kaliumsparende Diuretika können erforderlich sein 4, 7
- Jedoch: Die fraktionelle Kaliumexkretion unter Torasemid ist deutlich geringer als die von Natrium und Chlorid, besonders nach akuter Gabe 3
- Hypomagnesiämie muss korrigiert werden, da sie Hypokaliämie therapierefraktär macht 7
Medikamenteninteraktionen
- NSAR sollten vermieden werden, da sie Natriumretention verursachen, die Nierenfunktion verschlechtern und die Diuretikawirkung abschwächen 4, 6
- Bei gleichzeitiger Gabe von ACE-Hemmern/ARBs: engmaschige Kalium- und Nierenfunktionskontrolle erforderlich 6
Überdosierung vermeiden
- Bei GFR 40 mL/min ist die renale Clearance von Torasemid reduziert, aber die Gesamt-Plasmaclearance bleibt erhalten 1
- Dennoch sollte die Dosis basierend auf klinischem Ansprechen titriert werden, nicht nach festen Schemata 3
- Zu aggressive Diurese kann zu Hypotonie, Nierenfunktionsverschlechterung und Elektrolytstörungen führen 8
Spezielle Überlegungen für diese GFR-Kategorie
- Bei GFR 30-59 mL/min (CKD Stadium 3) ist das Risiko für Kontrastmittel-induzierte Nephropathie erhöht; prophylaktische Hydratation mit isotoner Kochsalzlösung wird empfohlen 4
- Die Kombination aus eingeschränkter Nierenfunktion und Diuretikatherapie erfordert besondere Aufmerksamkeit bezüglich Volumendepletion 4
- Torasemid zeigt auch bei Dialysepatienten mit Restdiurese ≥300 ml noch Wirksamkeit 3