Behandlung des Propofol-Infusionssyndroms (PRIS)
Bei Verdacht auf PRIS muss Propofol sofort abgesetzt werden, gefolgt von aggressiver supportiver Therapie mit Fokus auf hämodynamische Stabilisierung, Korrektur der metabolischen Azidose und Nierenersatztherapie bei akutem Nierenversagen. 1
Sofortmaßnahmen bei PRIS-Verdacht
Primäre Intervention
- Propofol-Infusion unverzüglich stoppen – dies ist die wichtigste therapeutische Maßnahme 1, 2
- Die Entscheidung darf nicht verzögert werden, auch wenn die Diagnose noch nicht vollständig gesichert ist 1
Klinische Warnzeichen für PRIS
- Sich verschlechternde metabolische Azidose mit erhöhter Anionenlücke 1, 3
- Hypertriglyzeridämie (tritt bei 100% der PRIS-Patienten auf) 3
- Hypotonie mit steigendem Vasopressoren-Bedarf 1
- Kardiale Arrhythmien (Bradykardie, Vorhofflimmern, ventrikuläre Tachykardie, Asystolie) 4
- Rhabdomyolyse mit erhöhter Kreatinkinase 1, 3
- Akutes Nierenversagen 1, 2
- Hyperkalämie 2, 4
- Leberfunktionsstörung 1, 5
Supportive Therapie
Hämodynamische Stabilisierung
- Aggressive Volumentherapie mit kristalloiden Lösungen 2
- Hochdosierte Vasopressoren-Therapie nach Bedarf 6
- Bei refraktärem Schock: Extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) in Erwägung ziehen 2
Metabolische Korrektur
- Behandlung der metabolischen Azidose durch Bikarbonat-Gabe und Optimierung der Ventilation 1, 2
- Korrektur der Hyperkalämie mit Standard-Therapieprotokollen 2
Nierenersatztherapie
- Hämodialyse bei akutem Nierenversagen und schwerer metabolischer Azidose 1, 2
- Kontinuierliche Nierenersatztherapie (CRRT) kann bei hämodynamischer Instabilität bevorzugt werden 2
Kardiale Unterstützung
- Kontinuierliches EKG-Monitoring auf Arrhythmien 5, 4
- Behandlung spezifischer Arrhythmien nach Standard-Protokollen 4
- Bei schwerer kardialer Dysfunktion: Inotropika-Therapie 2
Alternative Sedierung nach PRIS
Umstellung auf andere Sedativa
- Dexmedetomidin (0,2-0,7 μg/kg/h) ist die bevorzugte Alternative nach Propofol-Absetzen 1
- Midazolam als Alternative möglich 1
- Lorazepam kann verwendet werden, aber Monitoring auf Propylenglykol-Toxizität erforderlich 1
Monitoring-Parameter während der Behandlung
Laborkontrollen
- Serumtriglyzeride täglich 1
- Arterielle Blutgasanalyse (metabolische Azidose, Laktat) 1, 3
- Kreatinkinase (CK), CK-MB, Troponin I 5, 6
- Nieren- und Leberfunktionsparameter 1, 5
- Myoglobin im Urin 5
- Elektrolyte (besonders Kalium) 2, 4
Wichtige klinische Fallstricke
Diagnostische Herausforderungen
- PRIS kann bei niedrigen Propofol-Dosen auftreten (bereits ab 1,9-2,6 mg/kg/h berichtet) 6, 4
- Die Symptome überlappen mit anderen ICU-Komplikationen, was zur Unterdiagnose führt 3
- Mortalität beträgt bis zu 33-36,8%, daher ist schnelles Handeln entscheidend 1, 3
Zeitlicher Verlauf
- PRIS entwickelt sich typischerweise nach median 125 Stunden Propofol-Infusion 3
- Kann aber auch früher auftreten, besonders bei Hochrisikopatienten 6, 4
- Die kumulative Dosis bei PRIS-Entwicklung liegt median bei 276,5 mg/kg 3