Bewertung eines atraumatischen Hämatoms am Unterarm bei Hashimoto-Thyreoiditis
Ein spontanes Hämatom in Traubengröße am unteren Innenarm bei einer Patientin mit Hashimoto-Thyreoiditis erfordert eine gezielte Abklärung der Gerinnungsfunktion und Thrombozytenzahl, da dies auf eine zugrunde liegende Koagulopathie oder Thrombozytopenie hinweisen kann.
Sofortige diagnostische Maßnahmen
Laboruntersuchungen
- Komplettes Blutbild (CBC) mit Thrombozytenzahl ist essentiell, um Thrombozytopenien auszuschließen, die bei Autoimmunerkrankungen auftreten können 1
- Gerinnungsparameter (PT/INR, aPTT) müssen bestimmt werden, um erworbene oder angeborene Gerinnungsfaktordefizite zu identifizieren 2
- Schilddrüsenfunktion (TSH, fT4) sollte überprüft werden, da Hashimoto-Thyreoiditis zwischen Euthyreose und Hypothyreose schwanken kann 3, 4
Klinische Beurteilung
- Medikamentenanamnese ist kritisch: Antikoagulanzien (Warfarin), Thrombozytenaggregationshemmer (Aspirin, Clopidogrel) oder NOAK können spontane Hämatome verursachen 2
- Trauma-Ausschluss: Auch minimale Traumata (z.B. durch Fingernagel, Reibung) können bei Gerinnungsstörungen zu unverhältnismäßig großen Hämatomen führen 2
- Weitere Blutungszeichen: Petechien, Schleimhautblutungen, Zahnfleischbluten oder andere Hämatome weisen auf systemische Gerinnungsstörungen hin 2
Spezifische Überlegungen bei Hashimoto-Thyreoiditis
Autoimmune Zusammenhänge
- Hashimoto-Thyreoiditis ist eine Autoimmunerkrankung mit lymphozytärer Infiltration und Antikörpern gegen Schilddrüsenperoxidase (TPO-Ak) 3, 4
- Begleitende Autoimmunerkrankungen müssen in Betracht gezogen werden, insbesondere erworbene Hämophilie A (ein seltenes, aber lebensbedrohliches Syndrom mit spontanen Blutungen) 2
- Bei erworbener Hämophilie A liegt die Mortalität bei 22% ohne Behandlung, hauptsächlich durch schwere Blutungskomplikationen 2
Erweiterte Diagnostik bei Verdacht auf Gerinnungsstörung
- Faktor-VIII-Spiegel und Inhibitor-Titer sollten bestimmt werden, wenn Routinegerinnung auffällig ist oder spontane Hämatome rezidivieren 2
- Bildgebung (Ultraschall) kann die Ausdehnung des Hämatoms dokumentieren und aktive Blutungen ausschließen 2
Management-Algorithmus
Bei normalen Gerinnungsparametern
- Konservative Behandlung: Lokale Kompression, Kühlung, Hochlagerung
- Beobachtung: Hämatome resorbieren typischerweise innerhalb von 2-3 Wochen; größere Hämatome können bis zu 2 Wochen benötigen 2
- Keine weitere Bildgebung erforderlich, wenn das Hämatom sich zurückbildet
Bei pathologischen Befunden
- Thrombozytopenie (<50.000/µL): Hämatologische Konsultation zur Abklärung von ITP oder anderen Ursachen
- Verlängerte Gerinnungszeiten: Sofortige hämatologische Evaluation auf erworbene Hämophilie oder andere Koagulopathien 2
- Aktive Blutung im Ultraschall: Lokale Kompression, ggf. hämostatische Medikamente; bei schwerer Blutung Bypass-Therapie (rFVIIa oder aPCC) erwägen 2
Wichtige Fallstricke
- Unterschätzen Sie nicht die Bedeutung spontaner Hämatome: Bei Autoimmunerkrankungen wie Hashimoto können begleitende Gerinnungsstörungen vorliegen 2
- Vermeiden Sie invasive Eingriffe (z.B. zentrale Venenzugänge, Biopsien) bis Gerinnungsstörungen ausgeschlossen sind 2
- Beachten Sie, dass Inhibitor-Titer nicht das Blutungsrisiko vorhersagen: Auch niedrige Titer können schwere Blutungen verursachen 2
- Iatrogene Blutungen vermeiden: Selbst periphere Venenpunktionen können bei Gerinnungsstörungen zu signifikanten Hämatomen führen 2
Verlaufskontrolle
- Wiederholung der Thrombozytenzahl und Gerinnungsparameter nach 1-2 Wochen, wenn initial normal
- Schilddrüsenfunktion regelmäßig überwachen, da Hashimoto-Thyreoiditis zur Hypothyreose fortschreiten kann 3, 4
- Bei rezidivierenden Hämatomen: Erweiterte hämatologische Diagnostik inklusive Faktor-VIII-Inhibitor-Screening 2