Mitochondriale Dysfunktion bei CFS/ME: Nachweis und Behandlungsoptionen
Nachweis im Blut
Ja, mitochondriale Dysfunktion kann im Blut bei CFS/ME-Patienten nachgewiesen werden, und alle getesteten Patienten zeigen messbare mitochondriale Funktionsstörungen. 1
- Der ATP-Profil-Test an Neutrophilen aus venösem Blut kann sechs numerische Faktoren messen, die die ATP-Verfügbarkeit und die Effizienz der oxidativen Phosphorylierung beschreiben 1
- In einer Untersuchung von 138 CFS/ME-Patienten zeigten alle Patienten messbare mitochondriale Dysfunktion, die mit dem Schweregrad der Erkrankung korrelierte 2, 1
- Die Dysfunktion manifestiert sich als Verlust des mitochondrialen Membranpotentials und gestörter mitochondrienabhängiger Lipidkatabolismus 3
- Erhöhte zellfreie DNA-Konzentrationen im Plasma zeigen Gewebeschäden bis zum 3,5-fachen des normalen Referenzbereichs 1
- Die Hauptursachen sind Mangel an essentiellen Substraten und partielle Blockierung der Translokatorprotein-Stellen in Mitochondrien 1
Hypothermie und Höhentraining
Höhentraining ist bei CFS/ME mit Post-Exertional Malaise absolut kontraindiziert und kann den Zustand erheblich verschlechtern.
Warum körperliche Belastung schadet:
- 75% der Long-COVID-Patienten mit CFS/ME-Symptomen verschlechterten sich durch körperliche Aktivität, weniger als 1% zeigten Verbesserung 3
- Bewegung ist schädlich für Patienten mit Post-Exertional Malaise und sollte nicht als Behandlung eingesetzt werden 3
- Die VA/DoD-Leitlinien empfehlen gegen abgestufte Belastungstherapie bei CFS/ME 3
- Pacing (Aktivitätsmanagement innerhalb der Energiegrenzen) ist die einzige empfohlene Strategie für Post-Exertional Malaise 3
Zu Hypothermie:
- Es gibt keine Evidenz in den aktuellen Leitlinien für Hypothermie als Behandlung bei CFS/ME
- Diese Intervention wird in keiner der hochwertigen Leitlinien erwähnt oder empfohlen 3
Nahrungsergänzungsmittel zur Mitochondrienunterstützung
Mitochondrien-unterstützende Nahrungsergänzungsmittel zeigen vielversprechende Ergebnisse, insbesondere Coenzym Q10 und D-Ribose, obwohl die Evidenz noch vorläufig ist.
Empfohlene Supplemente mit Evidenz:
- Coenzym Q10 und D-Ribose werden in Nature Reviews Microbiology als vielversprechend für Fatigue-Symptome bei CFS/ME und Long COVID genannt 3
- Diese Supplemente verdienen weitere Studien aufgrund vorläufiger positiver Ergebnisse 3
Weitere unterstützte Optionen:
- N-Acetylcystein, Melatonin, Curcumin und molekularer Wasserstoff zeigen vielversprechende Daten durch Targeting von oxidativem Stress und mitochondrialer Dysfunktion 4
- Hochdosiertes Riboflavin und Thiamin führten in einem Fallbericht zu bemerkenswerter und anhaltender Verbesserung von Fatigue und Muskelsymptomen 5
Klinische Audit-Daten:
- Bei 138 Patienten, die ein Behandlungsregime mit Steinzeitdiät, optimiertem Schlaf, standardisierten Nahrungsergänzungsmitteln und ausgewogener Work-Rest-Balance befolgten, verbesserte sich die mitochondriale Funktion im Durchschnitt um den Faktor 4 2
- Zusätzliche Nährstoffe wurden basierend auf individuellen ATP-Profil-Ergebnissen empfohlen 2
- Für chemische Inhibition wurden Antioxidantien und selektive Chelattherapie eingesetzt 2
Wichtige Einschränkungen:
- Eine systematische Übersicht von 2021 kam zu dem Schluss, dass unzureichende Evidenz für die Wirksamkeit mitochondrien-targetierender Nahrungsergänzungsmittel bei CFS/ME besteht 6
- Verbesserungen der Fatigue wurden nur in 6 von 9 Interventionsstudien beobachtet 6
- Zukünftige gut konzipierte Studien sind erforderlich, um sowohl die Rolle der Mitochondrien in der Pathophysiologie als auch die Wirkung mitochondrien-modifizierender Substanzen zu klären 6
Praktische Empfehlungen:
- Beginnen Sie mit Coenzym Q10 und D-Ribose als erste Wahl basierend auf der stärksten verfügbaren Evidenz 3
- Erwägen Sie N-Acetylcystein für antioxidative Unterstützung 4
- Überwachen Sie die Verbesserung mit wiederholten ATP-Profil-Tests, falls verfügbar 2, 1
- Kombinieren Sie Supplemente mit Ernährungsoptimierung, Schlafhygiene und striktem Pacing 2
Häufige Fallstricke:
- Vermeiden Sie jegliche Form von Belastungstraining – dies ist der kritischste Punkt, da es zu erheblicher Verschlechterung führen kann 3
- Verwechseln Sie CFS/ME nicht mit einfacher Dekonditionierung – es handelt sich um eine komplexe Pathophysiologie mit biologischen Abnormalitäten 3
- Erwarten Sie keine schnellen Ergebnisse – mitochondriale Erholung erfordert Monate konsequenter Behandlung 2