Nahrungsergänzungsmittel zur Unterstützung der Mitochondrienfunktion bei CFS
Bei Patienten mit chronischem Erschöpfungssyndrom (CFS) sollten Nahrungsergänzungsmittel nur bei nachgewiesenen biochemischen Mängeln eingesetzt werden, wobei L-Carnitin, Coenzym Q10 und NADH die stärkste Evidenz für Symptomverbesserung zeigen.
Evidenzbasierte Supplementierungsempfehlungen
Primäre mitochondriale Unterstützung
L-Carnitin zeigt die robusteste klinische Evidenz:
- L-Carnitin verbesserte 12 von 18 klinischen Parametern nach 8 Wochen Behandlung statistisch signifikant, wobei die größte Verbesserung zwischen Woche 4 und 8 auftrat 1
- Die Behandlung war sicher und sehr gut verträglich, mit nur einem Patienten, der aufgrund von Durchfall abbrach 1
- L-Carnitin ist essentiell für die mitochondriale Energieproduktion, und Störungen der Mitochondrienfunktion können zur Fatigue bei CFS-Patienten beitragen 1
Coenzym Q10 in Kombination:
- Die Kombination von NADH und Coenzym Q10 zeigte Verbesserungen der Fatigue-Symptome 2
- Coenzym Q10 wird in Multivitaminpräparaten typischerweise mit 10 mg dosiert 3
- Mängel an Coenzym Q10 wurden als wichtig für die Schwere und Exazerbation von CFS-Symptomen identifiziert 4
NADH (Nicotinamid-Adenin-Dinukleotid):
- NADH allein und in Kombination mit Coenzym Q10 zeigte Verbesserungen der Fatigue 2
- NADH spielt eine zentrale Rolle im mitochondrialen Energiestoffwechsel 2
Mikronährstoffe bei nachgewiesenen Mängeln
Vitamin B-Komplex:
- Thiamin sollte bei Mangel mit 15 mg täglich supplementiert werden 3
- Riboflavin mit 15 mg täglich bei nachgewiesenem Mangel 3
- Vitamin B12 (als Methylcobalamin) mit 50 mcg täglich 3
- Vitamin B6 (als Pyridoxin HCl) mit 17,5 mg täglich 3
- B-Vitamine sind besonders wichtig, da Mängel häufig bei CFS-Patienten berichtet werden 4, 5
Magnesium:
- Bei nachgewiesenem Mangel 200 mg täglich als Magnesiumoxid 3
- Magnesiummangel wurde als wichtiger Faktor für die Schwere der CFS-Symptome identifiziert 4
Zink:
- 7,5 mg täglich als Zinkgluconat bei nachgewiesenem Mangel 3
- Zinkmangel kann zu erhöhter Infektanfälligkeit und anderen CFS-relevanten Symptomen führen 6, 4
- Zink sollte in geteilten Dosen eingenommen werden für bessere Verträglichkeit 6
Selen:
- 35 mcg täglich als Selenchelat bei nachgewiesenem Mangel 3
- Keine routinemäßige Supplementierung ohne dokumentierten Mangel empfohlen 6
Antioxidative Unterstützung
Vitamin E (Alpha-Tocopherol):
- 20,1 mg täglich als D-Alpha-Tocopherylsäuresuccinat 3
- Vitamin E ist der primäre Radikalfänger für freie Sauerstoffradikale und schützt Fettsäuren vor oxidativem Schaden 6
- Oxidativer Stress ist bei CFS erhöht und beeinträchtigt die Mitochondrienfunktion 6
Alpha-Liponsäure:
Vitamin C:
- 75 mg täglich aus Ascorbinsäure und Acerola-Fruchtextrakt 3
- Vitamin C-Mangel wurde bei CFS-Patienten berichtet 4
Wichtige klinische Einschränkungen
Evidenzlücken und Vorsichtsmaßnahmen
Die Evidenz ist begrenzt:
- Viele Studien zeigten keinen therapeutischen Nutzen bei CFS 2
- Studien waren durch kleine Stichprobengrößen, kurze Studiendauer und heterogene Designs limitiert 2, 7
- Es gibt keine FDA-zugelassenen Medikamente für CFS, und keine etablierten diagnostischen Tests existieren 7
Supplementierung nur bei nachgewiesenen Mängeln:
- Nahrungsergänzungsmittel sollten nur bei Patienten mit biochemisch nachgewiesenen Mängeln eingesetzt werden 7
- Routinemäßige Supplementierung ohne dokumentierten Mangel wird nicht empfohlen 6, 8
- Supraphysiologische Dosen ohne nachgewiesenen Mangel haben keine etablierte Evidenz 8
Interaktionsrisiken:
- Hohe Zinkzufuhr (≥30 mg täglich) kann Kupfermangel induzieren, was zu Neutropenie und Anämie führt 8
- Das Verhältnis von 8-15 mg Zink zu 1 mg Kupfer sollte eingehalten werden 9
- Zink sollte zwischen den Mahlzeiten eingenommen werden für optimale Absorption 8
Praktischer Behandlungsalgorithmus
Schritt 1: Biochemische Evaluation
- Bestimmung von Vitamin B12, Folat, Vitamin D, Magnesium, Zink, Selen und Carnitin-Spiegeln
- Bewertung des oxidativen Stressstatus
Schritt 2: Gezielte Supplementierung
- Bei nachgewiesenen Mängeln: spezifische Supplementierung gemäß obiger Dosierungen
- L-Carnitin als primäre mitochondriale Unterstützung für mindestens 8 Wochen 1
- Kombination von NADH und Coenzym Q10 bei persistierender Fatigue 2
Schritt 3: Monitoring
- Klinische Bewertung nach 4 und 8 Wochen 1
- Wiederholung der Laborparameter nach 3-6 Monaten 6
- Überwachung auf Nebenwirkungen und Interaktionen
Schritt 4: Langzeitmanagement
- Fortsetzung der Supplementierung bei klinischer Verbesserung
- Regelmäßige jährliche Überprüfung der Mikronährstoffspiegel 6
- Anpassung der Dosen basierend auf klinischem Ansprechen und Laborwerten