Risiko der QTc-Zeit-Verlängerung bei Antipsychotika
Ziprasidon trägt das höchste Risiko für QTc-Verlängerung unter den genannten Antipsychotika (10-22 ms), gefolgt von Haloperidol (7 ms), Olanzapin (2 ms), während Aripiprazol kein messbares QTc-Risiko aufweist (0 ms). 1, 2
Rangfolge nach QTc-Verlängerungsrisiko
Höchstes Risiko: Ziprasidon
- Ziprasidon verlängert das QTc-Intervall um durchschnittlich 10 ms bei der maximalen empfohlenen Tagesdosis von 160 mg, mit einem Bereich von 5-22 ms in verschiedenen Studien. 1, 2, 3
- Die FDA-Kennzeichnung warnt ausdrücklich, dass Ziprasidon eine dosisabhängige QTc-Verlängerung verursacht und kontraindiziert ist bei Patienten mit bekannter QT-Verlängerung, kürzlichem Myokardinfarkt oder dekompensierter Herzinsuffizienz. 2
- Real-World-Daten zeigen, dass Ziprasidon das höchste Risiko für QTc-Verlängerung unter allen Antipsychotika aufweist (Hazard Ratio 1,72; 95% CI: 1,03-2,85). 4
Moderates Risiko: Haloperidol
- Haloperidol verursacht eine mittlere QTc-Verlängerung von 7 ms, wobei die intravenöse Verabreichung ein deutlich höheres Risiko für QTc-Verlängerung und Torsades de Pointes birgt als die orale oder intramuskuläre Gabe. 1, 5
- Das European Heart Journal listet Haloperidol unter den Antipsychotika mit "weniger häufigem" Risiko für medikamenteninduzierte Torsades de Pointes. 5
- Haloperidol ist mit einem 46% erhöhten Risiko für ventrikuläre Arrhythmien und/oder plötzlichen Herztod assoziiert (adjustierte OR 1,46; 95% CI 1,17-1,83). 1
Niedriges Risiko: Olanzapin
- Olanzapin verursacht eine minimale QTc-Verlängerung von nur 2 ms und wird als Antipsychotikum mit sehr niedrigem Risiko eingestuft. 6, 1
- Real-World-Daten bestätigen ein erhöhtes, aber geringes Risiko (Hazard Ratio 1,40; 95% CI: 1,02-1,94). 4
Kein Risiko: Aripiprazol
- Aripiprazol verursacht keine messbare QTc-Verlängerung (0 ms) und sollte bevorzugt werden, wenn QTc-Verlängerung ein Hauptanliegen ist. 6, 1
- Die American Academy of Pediatrics und das European Heart Journal empfehlen Aripiprazol als Antipsychotikum mit minimaler bis keiner Wirkung auf das QTc-Intervall. 1
Risikofaktoren für schwerwiegende Arrhythmien
Hochrisikosituationen erfordern besondere Vorsicht
- Weibliches Geschlecht und Alter >65 Jahre erhöhen das Risiko für QTc-Verlängerung und Torsades de Pointes erheblich. 5, 1
- Elektrolytstörungen, insbesondere Hypokaliämie (Kalium <4,5 mEq/L) und Hypomagnesiämie, verstärken das Risiko exponentiell. 5, 1
- Vorbestehende QTc-Verlängerung >500 ms oder Zunahme >60 ms vom Ausgangswert erfordert sofortiges Absetzen des Medikaments. 5, 1
- Kongenitales Long-QT-Syndrom ist eine absolute Kontraindikation für alle QTc-verlängernden Antipsychotika. 5, 6
- Gleichzeitige Anwendung mehrerer QTc-verlängernder Medikamente (z.B. Antiarrhythmika Klasse IA/III, Makrolid-Antibiotika, Methadon) erhöht das Risiko exponentiell. 5, 1
- Vorbestehende kardiovaskuläre Erkrankungen (ischämische Herzkrankheit, Herzinsuffizienz, Kardiomyopathien) erhöhen das Risiko für plötzlichen Herztod. 5, 1
Klinisches Management-Algorithmus
Vor Therapiebeginn
- Baseline-EKG zur Dokumentation des aktuellen QTc-Intervalls ist obligatorisch. 5, 1
- Elektrolyte messen und korrigieren: Kalium >4,5 mEq/L und Magnesium normalisieren. 5, 1
- Vollständige Medikamentenanamnese zur Identifikation anderer QTc-verlängernder Substanzen. 5
- Familienanamnese bezüglich plötzlichem Herztod, Long-QT-Syndrom und Herzerkrankungen erheben. 5
Medikamentenwahl bei Patienten mit Herzerkrankungen oder Elektrolytstörungen
Erste Wahl:
- Aripiprazol (0 ms QTc-Verlängerung) sollte bei allen Patienten mit QTc-Bedenken bevorzugt werden. 1
Zweite Wahl:
- Olanzapin (2 ms QTc-Verlängerung) ist eine akzeptable Alternative mit minimalem Risiko. 1
Dritte Wahl mit Vorsicht:
- Haloperidol (7 ms) nur oral oder intramuskulär verwenden; intravenöse Gabe vermeiden. 1
Zu vermeiden:
- Ziprasidon (10-22 ms) sollte bei Patienten mit vorbestehenden Herzerkrankungen oder Elektrolytstörungen vermieden werden. 2
Monitoring während der Therapie
- Folge-EKG nach Dosistitration durchführen. 1
- Elektrolyte regelmäßig überwachen, insbesondere bei Diuretikatherapie. 5, 1
- Medikation sofort absetzen, wenn QTc >500 ms oder Zunahme >60 ms vom Ausgangswert. 5, 1
- Bei Symptomen wie Schwindel, Palpitationen oder Synkope sofortige weitere Abklärung (z.B. Holter-Monitoring) einleiten. 2
Wichtige Fallstricke
Unterschätzte Risiken
- Die intravenöse Verabreichung von Haloperidol birgt ein wesentlich höheres Risiko als orale oder intramuskuläre Gabe und sollte vermieden werden. 1
- Frauen haben ein höheres Risiko für QTc-Verlängerung und Torsades de Pointes als Männer. 1
- Die gleichzeitige Anwendung von CYP3A4-Inhibitoren (z.B. Ketoconazol, Clarithromycin) kann die QTc-Verlängerung verstärken, obwohl dies bei Ziprasidon nicht nachgewiesen wurde. 2
Management von Torsades de Pointes
- Sofortiges Absetzen des auslösenden Medikaments ist indiziert. 5
- Intravenöses Magnesiumsulfat kann Torsades-de-Pointes-Episoden unterdrücken, auch bei normalem Serum-Magnesium. 5
- Temporäre Herzschrittmachertherapie ist hochwirksam bei rezidivierenden Torsades de Pointes nach Kaliumsubstitution und Magnesiumgabe. 5