Erfahrungen mit mehrmaligen Optilume-Eingriffen bei BPH
Bei Patienten mit mehrfachen Optilume-BPH-Eingriffen sollte nach dem zweiten Versagen eine definitive chirurgische Therapie wie TURP, HoLEP oder PVP in Betracht gezogen werden, da wiederholte minimalinvasive Eingriffe mit höheren Versagensraten verbunden sind und TURP der Goldstandard mit den robustesten Langzeitdaten bleibt.
Wichtige Klarstellung zur Terminologie
Es gibt eine kritische Verwechslung in der Fragestellung: Optilume ist NICHT UroLift. Dies sind zwei völlig unterschiedliche Technologien:
- Optilume BPH Catheter System: Ein medikamentenbeschichteter Ballonkatheter, der die Prostata-Urethra dilatiert und Paclitaxel freisetzt 1, 2
- UroLift (PUL): Ein mechanisches Implantat-System, das Prostatalappen zurückzieht 3
Wirksamkeit von Optilume BPH
Primäre Ergebnisse nach einem Eingriff
- Nach 2 Jahren zeigten 67,5% der Patienten eine symptomatische Verbesserung (≥30% IPSS-Reduktion) ohne erneute Behandlung 1
- IPSS verbesserte sich von 23,4±5 auf 11,0±7,0 nach 2 Jahren 1
- Qmax stieg um 116,8% (von 8,9±2 auf 19,0±16,3 mL/s) 1
- Die Ergebnisse waren über alle Prostatavolumina hinweg konsistent 1
Vergleich mit etablierten Verfahren
- TURP bleibt der Goldstandard mit den robustesten Langzeitdaten und sollte als Benchmark für alle chirurgischen Therapien betrachtet werden 3, 4, 5
- Die AUA-Leitlinien von 2018 zeigen, dass PUL (ein anderes minimalinvasives Verfahren) im Vergleich zu TURP eine geringere Symptomreduktion und Flussratenverbesserung aufweist 3
- Bei PUL vs. TURP betrug die mittlere Differenz nach 24 Monaten 6,1 Punkte zugunsten von TURP 3
Management nach mehrfachen Optilume-Eingriffen
Wann auf definitive Chirurgie umsteigen
Nach dem zweiten Versagen eines minimalinvasiven Eingriffs sollte eine definitive chirurgische Lösung angestrebt werden:
- TURP: Goldstandard mit IPSS-Verbesserung von 14,65 Punkten nach 3-9 Monaten und Qmax-Verbesserung von 10,54 mL/s 3
- Holmium-Laser-Resektion/Enukleation (HoLEP): IPSS-Verbesserung von 17,77 Punkten und Qmax-Verbesserung von 12,16 mL/s 3
- Photoselektive Vaporisation (PVP): Besonders geeignet für Patienten mit erhöhtem Blutungsrisiko oder Antikoagulation 3
Absolute Indikationen für definitive Chirurgie
Unabhängig von der Anzahl vorheriger Optilume-Eingriffe ist eine sofortige chirurgische Intervention indiziert bei 3, 4:
- Refraktärer Harnverhalt nach gescheitertem Katheterentfernungsversuch (mindestens 3 Tage Alpha-Blocker-Therapie)
- Rezidivierende Makrohämaturie trotz medikamentöser Therapie mit 5-Alpha-Reduktase-Hemmern
- Niereninsuffizienz eindeutig durch BPH-bedingte Obstruktion
- Rezidivierende Harnwegsinfektionen sekundär durch BPH
- Blasensteine eindeutig durch BPH verursacht
Risiken wiederholter minimalinvasiver Eingriffe
Komplikationen bei wiederholten Eingriffen
- Die Daten zu wiederholten Optilume-BPH-Eingriffen sind begrenzt, da die Studien hauptsächlich Erstbehandlungen untersuchen 1, 2
- Bei anderen minimalinvasiven Therapien wie TUMT liegt die Reoperationsrate bei 9% vs. 2,3% bei TURP 3
- Wiederholte Dilatationen können zu Narbenbildung und schlechteren Langzeitergebnissen führen (basierend auf Erfahrungen mit Harnröhrenstrikturen) 6
Nebenwirkungen von Optilume BPH
Die häufigsten unerwünschten Ereignisse sind 1, 2:
- Hämaturie (in der Regel selbstlimitierend)
- Harnwegsinfektionen
- Dysurie
- Wichtig: Keine Auswirkungen auf erektile oder ejakulatorische Funktion 1, 2
Algorithmus für das Management
Nach dem ersten Optilume-Versagen:
- Symptomneubewertung: IPSS, Uroflowmetrie, Restharnmessung 3
- Medikamentöse Optimierung: Alpha-Blocker + 5-Alpha-Reduktase-Hemmer bei Prostatavolumen >40 mL 3, 5
- Zweiter Optilume-Versuch: Kann erwogen werden, wenn:
- Patient wünscht erneut minimalinvasive Therapie
- Keine absoluten Indikationen für definitive Chirurgie vorliegen
- Prostatavolumen <80 g 3
Nach dem zweiten Optilume-Versagen:
Definitive chirurgische Therapie empfohlen 3, 4:
- TURP: Für die meisten Patienten geeignet
- HoLEP/ThuLEP: Bei Antikoagulation oder großer Prostata (>80 g)
- PVP: Bei erhöhtem Blutungsrisiko
- Offene Prostatektomie: Bei sehr großer Prostata (>80-100 g)
Nur bei Hochrisikopatienten, die nicht operabel sind 3:
- Intermittierende Selbstkatheterisierung
- Dauerkatheter
- Prostatastent (mit erheblichen Komplikationen: Inkrustation, Infektion, chronische Schmerzen)
Besondere Überlegungen
Patientenauswahl für wiederholte minimalinvasive Eingriffe
Ungünstige Faktoren für wiederholte Optilume-Eingriffe:
- Mittellappen-Obstruktion (anatomisch ungünstig für Ballondilatation)
- Prostatavolumen >80 g 3
- Detrusor-Unterfunktion (diese Patienten profitieren weniger von Outlet-Prozeduren) 3
- Vorherige multiple endoskopische Eingriffe (>3) 6
Medikamentöse Begleittherapie
- Alpha-Blocker: Alle zeigen ähnliche klinische Wirksamkeit mit 4-7 Punkten IPSS-Verbesserung 3, 5
- 5-Alpha-Reduktase-Hemmer: Geeignet bei Prostatavolumen >40 mL, benötigen 6-12 Monate für maximale Wirkung 5, 7
- Kombination: Kann bei Patienten mit großer Prostata und persistierenden Symptomen erwogen werden
Häufige Fallstricke
- Verwechslung von Optilume mit UroLift: Dies sind unterschiedliche Technologien mit unterschiedlichen Wirkmechanismen
- Zu viele wiederholte minimalinvasive Eingriffe: Nach 2-3 Versagen sollte definitive Chirurgie erfolgen
- Ignorieren absoluter Indikationen: Bei Harnverhalt, Niereninsuffizienz oder rezidivierenden Komplikationen ist sofortige definitive Chirurgie indiziert 3, 4
- Unterschätzung der TURP-Wirksamkeit: TURP bietet überlegene Langzeitergebnisse im Vergleich zu allen minimalinvasiven Therapien 3